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Willkommen im höllischen Ferienparadies «The White Lotus» – In der neuen Serie prallen Welten aufeinander

Reiche Festlandamerikaner auf Hawaii: Die Serie «The White Lotus» macht Spass – auch weil es nicht bei der Satire bleibt.

Regina Grüter
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Die Gäste kommen, Lächeln aufsetzen.

Die Gäste kommen, Lächeln aufsetzen.

HBO

«The White Lotus» ist nach dem schauplatzgebenden Luxusresort auf Hawaii benannt, wo eine illustre Gästeschar vom Festland mit dem Boot eintrifft. Aber eigentlich startet die HBO-Miniserie mit dem Schluss und mit einer Leiche, die in den Flugzeugbauch verladen wird.

Als Erstes wird das Publikum auf eine Krimifährte geführt. Am Ende der ersten Episode wähnt man sich in einer Satire. Die Frage, wer denn im Sarg liegt und wer daran Schuld hat, rückt im Laufe der Serie immer mehr in den Hintergrund.

Der sonst eher billige Trick, das Ende vorwegzunehmen, ist clever.

Serienschöpfer und Regisseur aller sechs Episoden, Mike White («Enlightened», «Pasadena»), bringt einen dazu, doch immer wieder daran zu denken. Verantwortlich dafür ist nicht kriminalistisches Interesse, sondern dass man mal dem einen, mal dem anderen Protagonisten den Tod wünscht. Nicht so richtig natürlich, aber wirklich sympathisch ist einem niemand, ausser vielleicht Spa-Managerin Belinda.

Der Streit um die falsche Suite artet zunehmend aus

Die frisch verheiratete Rachel muss erstens erkennen, dass sie eine durchschnittliche Journalistin ist, und zweitens, dass sie mit Shane vielleicht den falschen Mann geheiratet hat. Dieser ergeht sich mit Resort-Manager Armond (Murray Bartlett ist einfach grossartig) in einen erbitterten Streit um die falsche Suite. Armond nimmt Rache, indem er dem Paar eine «romantische» Bootsfahrt mit der nervlich stark angeschlagenen Tanya vermittelt, die auf See die Asche ihrer Mutter verstreuen will. Und bei der Familie Mossbacher hat Nicole, CEO eines Wellnessunternehmens, die Hosen an, während Ehemann Mark (Steve Zahn) seiner Männlichkeit nachtrauert und Bande zu seinem Sohn zu knüpfen versucht. Für einigen dramatischen Zündstoff sorgen Tochter Olivia und ihre, dunkelhäutige, Freundin Paula.

In «The White Lotus» prallen isoliert auf einer Insel Welten aufeinander.

Sex, Drogen, Dekadenz – letztlich zeigt die Serie, die über eine Woche angelegt ist, alle möglichen Probleme von Leuten, die sich alles leisten können und doch nur mit sich selbst beschäftigt sind.

Die Mitarbeitenden der Ferienanlage sind für sie nur Staffage. Der Blick aufs Meer ist nicht nur golden, sondern auch mal grau, und zeigt starken Wellengang. So, wie die Musik von Cristobal Tapia de Veer mit Primatentönen und Wildnisgeräuschen die aufgepeitschte Stimmung in diesem Ferienparadies betont.

Am ehesten zu vergleichen ist «The White Lotus» allenfalls mit «Succession», dieser ebenfalls bitterbösen HBO-Serie über eine Mediendynastie. Das Verstörendste an «The White Lotus» ist vielleicht, dass man zwar seinen Spass hat, aber das mit der Distanz, anders als in «Succession», wird zunehmend schwierig: Wenn auch keine Sympathie, so hegt man doch bisweilen Empathie. Allem voran mit Jennifer Coolidge als Tanya, die eine Performance par excellence abliefert. Es ist dann eben keine Satire mehr, sondern nur noch eine leicht überspitzte Darstellung der westlichen Gesellschaft.

HBO-Miniserie «The White Lotus» ab 23. August in der deutschen Fassung auf Sky Show.

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