Film

Zwei Aussenseiter mit Herz treffen sich im Paradiesli

Im ersten Spielfilm «Sommervögel» des Dokumentarfilmers Paul Riniker flattern zwei Sonderbare zueinander. Der Film wagt sich an ein heikles Thema: Dürfen sich Behinderte der Liebe und ihren Trieben hingeben?

Dem ist nicht mehr zu helfen. Oder? Res (Roeland Wiesnekker), ein frisch aus der Haft entlassener Rocker, zeigt wenig Reue, dass er einen Bikerkollegen erschlagen hat. Auf dem Bieler Campingplatz «Paradiesli» findet er Halt, verdingt sich als Allroundreparateur und wird bald von ehemaligen Rockerfreunden (Anführer: Jimy Hofer) bedroht. Und als wäre das nicht genug, wirft sich ihm eine geistig Behinderte an den Hals: Greta (Sabine Timoteo), von den Eltern überbehütet und knalligen Farben zugeneigt, beschliesst, Res' Freundin zu sein. Mit allem, was dazu gehört. Der ist auch nicht mehr zu helfen. Oder?

In der Tat treffen in «Sommervögel», dem Spielfilmdebüt des langjährigen SF-Dokumentarfilmers Paul Riniker, zwei sonderbare Gestalten aufeinander. Als Spezialist für Aussenseiterschicksale wagt sich der 63-jährige Riniker an ein heikles Thema: Dürfen sich Behinderte der Liebe und ihren Trieben hingeben? Und begehrt werden?

Trailer zum Film Sommervögel von Paul Riniker

Trailer zum Film Sommervögel von Paul Riniker

Dass Sabine Timoteo ein Faible für extreme Rollen hat und gerne am Rande des Erträglichen operiert, ist spätestens seit dem deutschen Drama «Der freie Wille» (2006) bekannt, wo sie sich als Missbrauchsopfer in einen Vergewaltiger verliebte. Jetzt, in «Sommervögel», verpasst Timoteo ihrer Figur viel kindliche Flatterei, was von Wiesnekker mit störrischer Behäbigkeit gekontert wird. Das Resultat lässt sich wohl am ehesten als traute Disharmonie beschreiben.

«Sommervögel» ist eine Art Coming-of-Age-Film für Spätzünder - mit teils brüsken Übergängen. Im Vordergrund steht die Suche nach Selbständigkeit, wobei die beiden Randexistenzen von viel falscher Scham und noch fälscherer Sorge (Gretas Eltern) behindert werden. Dies wird von Riniker sowie den Drehbuchautoren Signe Astrup und Eva Vitja solide, aber wenig überraschend herausgearbeitet. Eindimensional bleibt auch die nähere Umgebung: Dass sich die «normale» Schwester neben Greta vernachlässigt fühlt, kommt ebenso plump zur Sprache wie eine lesbische Liaison. Immerhin, Greta und Res dürfen tüchtig flattern. Ist den zwei Behinderten etwa doch zu helfen? (zas)

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