Kriens
In der Teiggi treffen sonntags Jazz und Pizza aufeinander

Drei Teiggi-Bewohner organisieren zum zweiten Mal in Kriens eine feine Konzertreihe: An fünf aufeinanderfolgenden Sonntagen tritt je eine Band auf. Auch der US-Schlagzeuger Jim Black ist dabei.

Pirmin Bossart
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Duo Chinzilla vs. emC Splinter: Josephine Nagorsnik und der international bekannte Jim Black.

Duo Chinzilla vs. emC Splinter: Josephine Nagorsnik und der international bekannte Jim Black.

Bild: PD

Nach dem guten Erfolg letztes Jahr gibt es heuer wieder «Jazz und Pizza» in der Teiggi Kriens. Die Grundidee ist geblieben: «Wir möchten Jazz einem breiteren Publikum zugänglich machen», sagt Bassist Luca Sisera, der die Reihe zusammen mit Manuel Kaufmann von der Pizzeria Da Marcello und Kulturproduzent Patrick Müller 2020 initiiert hat. Dafür wurde auch ein Verein gegründet, der mit seinen Aktivitäten das öffentliche Leben in Kriens bereichern und gleichzeitig die Kulturschaffenden unterstützen möchte. Er zählt rund 70 Mitglieder.

Mit fünf Konzerten – alles Duos – ging die Konzertreihe vor einem Jahr erstmals über die Open-Air-Bühne. Es kamen durchschnittlich 70 bis 80 Zuschauerinnen und Zuschauern, das hat bestens funktioniert und Spass gemacht. «Wir waren selber überrascht vom guten Besuch, darunter einige Eltern mit ihren Kindern», sagt Sisera. Auch die Kinder hätten sich auf die improvisierten Klänge eingelassen. «Jazz ist nicht so elitär, wie man ihn oft macht. Dieses Verständnis wollen wir mit unseren Konzerten aufbrechen.»

Die Initianten haben das diesjährige Programm mit weiteren Qualitäten ergänzt: Der Frauenanteil ist stark gestiegen. Es gibt auch Trios und Quartette. Und der geografische Zaun ist weiter gezogen: Mit der Berlinerin Josephine Nagorsnik oder dem amerikanischen Schlagzeuger Jim Black ist das Line-up internationaler geworden. Inhaltlich geht es dem Team darum, herausragende Musik am Puls der Zeit zu bieten. «Der Verein ‹Jazz & Pizza› setzt auf stilistische Offenheit und wird den Begriff ‹Jazz› nicht dogmatisch behandeln», sagte Sisera vor einem Jahr.

Zürcher Kukuruz Quartett mit ­ vier Pianos

Den Anfang macht am 29. August das deutsche Trio Autochrom mit den zwei Musikerinnen Luise Volkmann (Altosax) und Athina Kontou (Bass) sowie dem aus Willisau stammenden und in Köln lebenden Schlagzeuger Dominic Mahnig (The Great Harry Hillman). Ihre Musik ist von Rock, Jazz und Neuer Musik beeinflusst und sowohl komplex komponiert wie frei improvisiert. Das Duo Chinzilla vs. EmC Splinter (5. September) ist mit der Posaunistin Josephine Nagorsnik besetzt, die auch Stimme und Elektronik einsetzt, sowie dem US-Schlagzeuger Jim Black. Er gehört zu den renommiertesten Drummern des neueren Jazz. Ein wunderbarer Sideman, auf über 100 Alben vertreten, der auch mit eigenen Bands (Pachora, AlasNoAxis) Massstäbe gesetzt hat.

«Zeitgemässe Bezahlung»: 500 Franken Gage

Das Zürcher Kukuruz Quartett (12. September) besteht aus drei Pianisten und einer Pianistin – ja, es werden vier richtige Klaviere bereitstehen. Das Quartett hat sich vor allem der komplexen Musik des schwarzen Komponisten Julius Eastman verschrieben, die sie in ihrer «rauen Wildheit» interpretieren wollen. Lotus Crash (19. September) ist ein Schweizer Quartett mit den beiden Bläsern Marco von Orelli (Trompete) und Tommy Meier (Tenorsaxofon, Bassklarinette), das wunderbar jazz-archaisch klingt und bei dem auch Luca Sisera als Bassist zu hören ist. Abgeschlossen wird die Reihe am 26. September mit dem Post-Punk-krautrockigen Gitarrentrio Massicot aus Genf mit den Musikerinnen Simone Aubert (Gitarre), Mara Krastina (Bass, Vocals) und Colline Grosjean (Drums).

Neben hochkarätiger Musik zeichnet sich die Konzertreihe «Jazz und Pizza» gleich durch mehrere Besonderheiten aus: Die Konzerte finden immer an Sonntagen um 17 Uhr statt, sie sind familienfreundlich. Spielort ist der Open-Air-Bereich der Pizzeria Da Marcello in der Wohnüberbauung Teiggi in Kriens. Jeder Musiker, jede Musikerin erhält eine Gage von 500 Franken. «Wir wollen die Musikerinnen und Musiker zeitgemäss bezahlen, das war uns von Anfang an wichtig», sagt Manuel Kaufmann.

Der Eintritt beträgt zehn Franken, es darf zugehört, getrunken und vielleicht etwas gegessen werden, ein Konsumationszwang besteht nicht. Sollte es regnen, werden den Besucherinnen und Besucher Regenschirme ausgehändigt. Bleibt nur noch die Frage: Margherita oder Napoli? Indie-Rock oder Jazz? Oder ist es umgekehrt?

Hinweis: 29. August bis 26. September, jeweils sonntags, 17 Uhr; weitere Informationen: www.jazzundpizza.ch.

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