Literatur

Happy Birthday Gesunder Menschenversand!

"Am Anfang hat niemand an uns geglaubt. Nichtmal wir": Matthias Burki, Gründer und Verlagsleiter von "Der Gesunde Menschenversand".

"Am Anfang hat niemand an uns geglaubt. Nichtmal wir": Matthias Burki, Gründer und Verlagsleiter von "Der Gesunde Menschenversand".

Seit 20 Jahren bringt der Luzerner Verlag «Der Gesunde Menschenversand» Bücher heraus, auf die die Schweiz gewartet hat. Wie schafft er das?

Es war keine besonders erfolgsversprechende Idee: In Zeiten des bröckelnden Büchermarkts einen Verlag gründen, ohne Geld und ohne Ahnung vom Verlagswesen. Matthias Burki und Yves Thomi taten es trotzdem. Es war 1998, sie planten die Publikation einer Anthologie und brauchten dafür eine ISBN-Nummer. Und einen Namen, der im Gedächtnis blieb. «Der Gesunde Menschenversand» schlug Burki vor, was Thomi wenig überzeugend fand, aber die beiden hatten nichts Besseres zur Hand, also blieb es dabei.

Zwanzig Jahre später kriegt Matthias Burki immer noch regelmässig Post von Leuten, die ihn darauf hinweisen, das bei «Der Gesunde Menschenversand» ein t fehlt. Tut es natürlich nicht. Das fehlende t ist das Sinnbild dieses Verlags: Ein bisschen anders als die anderen, ein bisschen witziger, ein bisschen subversiver. Und ein bisschen näher an den Leuten.

Verlegen als Hobby

Und das, obwohl anfangs wenig Hoffnung auf Erfolg bestand. «Am Anfang hat niemand an uns geglaubt.» Matthias Burki lacht. «Nicht mal wir selber.» Er und Thomi hatten den Gesunden Menschenversand als Hobby ins Leben gerufen, sie wollten publizieren, klar, aber machten daneben noch eine Menge andere Dinge. Eine Poetry Slam Tour durch die Schweiz zum Beispiel, mit Deutschen und Schweizer Autoren. Spoken Word war immer ein Steckenpferd, besonders von Burki, der 2007 die alleinige Leitung des Gesunden Menschenversands übernahm. Da lag es nahe, dass die Slammer nach ihren Auftritten jeweils zu ihm kamen: «Sag mal, du hast doch diesen Verlag ...»

Die Szene wuchs, wurde immer bekannter, schweizweit interessierten sich immer mehr Menschen für die Mundartdichter, die auf der Bühne über die Probleme des kleinen Schweizers referierten. Die Besucher fragten immer häufiger: Kann man das irgendwo nachlesen? Konnte man nicht, aber sollte man vielleicht können?

Sollte man, sagte sich Burki und rief 2009 die «Edition Spoken Script» ins Leben. Unter den ersten vier Publikationen der Serie befand sich auch «Der Goalie bin ig» von Pedro Lenz. Ein Riesenerfolg, es verkauften sich 35 000 Exemplare, dazu Spielfilm, Theaterstücke, Übersetzungen. Lenz ist bis heute der Paulo Coelho des Verlags, er verkauft sich gut, spricht viele Menschen an. Aber auch der Rest des Programms besticht mit hochkarätigen Namen: Hazel Brugger, Nora Gomringer, Gabriel Vetter, Michael Fehr, Lara Stoll, Matto Kämpf. Matthias Burki hat ein gutes Händchen – und eine einzigartige Beziehung zu den Autoren.

Solidarität von den Autoren

So einzigartig, dass Matto Kämpf 2016 einen Förderverein gründete, um den Verlag zu unterstützen. Zusammen mit anderen Autoren des Verlags finden regelmässig Benefizveranstaltungen statt, die Besucher zahlen 50 Franken Mitgliedergebühr und sind an ein Apéro eingeladen. Die Autoren lesen ehrenamtlich, der Erlös geht an den Gesunden Menschenversand. So viel Solidarität von seinen Autoren kriegt kaum ein Verleger. Wie schafft Burki das?

Er siehts pragmatisch: «Das hat allgemein mit der Szene zu tun, da gibt es einen grossen Zusammenhalt zwischen den Autoren.» Im Gegensatz zu anderen Verlagen laufe viel auch über den Direktverkauf, sprich: Die Autoren treten auf und verkaufen die Bücher im Anschluss vor Ort.

Am Ende hat also ausgerechnet Spoken Word dem kleinen Luzerner Verlag zu seiner Berühmtheit verholfen. Das Unmittelbare, Live, verpackt zwischen zwei Buchdeckeln. Aber es wird keineswegs nur das gewesen sein. In dem Sinne: Happy Birthday, Matthias Burki!

Benefiz-Abend für «Der Gesunde Menschenversand» 2. März, 19 Uhr, Literaturhaus Basel. 

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