Celtic Frost

Höllische Totenmesse nach über 30 Jahren endlich vollendet

Triptykon bei der Aufführung von «Requiem» mit dem Metropole Orkest am holländischen Roadburn Festival 2019.

Triptykon bei der Aufführung von «Requiem» mit dem Metropole Orkest am holländischen Roadburn Festival 2019.

Das «Requiem» der legendären Schweizer Metalband Celtic Frost ist mit grossem Orchester aufgeführt und aufgenommen worden. Das Warten hat sich gelohnt.

Wir schreiben das Jahr 1987. Der Schweizer Metal-Pionier Tom Gabriel Fischer hat mit seiner Band Celtic Frost und dem bahnbrechenden Album «Into The Pandemonium» gerade alle Stilgrenzen gesprengt und sich als Avantgardist des Genres etabliert.

Das orchestrale Stück «Rex Irae» weist zum Beispiel starke Bezüge zur klassischen Musik auf. 19 Jahre später, auf dem Comeback-Album «Monotheist» finden wir das epische «Winter». Beide Stücke sind Teile von «Requiem», eines grossorchestralen Werks, das in seiner Gesamtheit erst jetzt veröffentlicht wurde: mit Fischers Nachfolgeband Triptykon und dem renommierten holländischen Metropole Orkest.

Celtic Frost war die erste Heavy-Metal-Band, die klassische Instrumente in ihre Kompositionen integrierte. Auf dem ersten Album «Morbid Tales» (1984) noch eher «vorsichtig und zurückhaltend». «Mutiger und experimenteller» auf den Alben «To Mega Therion» (1985) und «Into The Pandemonium» (1987).

«Das ‹Requiem› war aber von Anbeginn für Band und klassisches Orchester geschrieben worden», sagt Fischer. Es sind also nicht Stücke, die nachträglich mit klassisch orchestralen Elementen angereichert wurden. So wie das heute viele tun. Dazu inspiriert wurde Fischer durch Cross-over-Projekte von Deep Purple («Concerto For Group And Orchestra», 1969), Emerson, Lake & Palmer sowie den frühen Barclay James Harvest.

Das «Requiem» wurde gemäss Fischer als dreiteiliges Werk konzipiert, das nach Fertigstellung aller Teile mit Orchester aufgeführt und aufgenommen hätte werden sollen. «Wir dachten in den 80er-Jahren, dass wir dies vielleicht innert drei Jahren bewerkstelligen könnten», sagt er.

Ein Zerwürfnis mit der Plattenfirma und band-interne Querelen führten aber zum Zerfall der Band. «Wir waren damals schlicht noch nicht reif und erfahren genug», sagt Fischer rückblickend. Das Projekt wurde auf Eis gelegt.

Wuchtiger, intensiver und besser

Erst als sich Celtic Frost 2001 mit den Gründungsmitgliedern Martin Eric Ain und Fischer neu formierte, wurde das Projekt wieder aufgenommen. Der finale Teil des «Requiems» («Winter») wurde veröffentlicht, doch die Band implodierte erneut und Ain starb 2017.

«So lag es an mir und meiner Nachfolgeband Triptykon, das «Requiem» zuschliessen, aufzuführen, aufzunehmen und zu veröffentlichen. Nun im Andenken an Martin», sagt Fischer.

Das Ergebnis lässt sich hören. Mit Orchester tönt «Rex Irae» noch intensiver, bombastischer, tiefgründiger und vor allem besser als damals. Es entfaltet eine noch stärkere Wirkung. Überraschend gut ist auch die Tonqualität. Denn trotz der orchestralen Wucht bleibt der Sound stets transparent.

Das jetzt ergänzte «Grave Eternal» ist ein mehrteiliges Monstrum, das sich im schleppenden Galeerengroove langsam, wie unter Schmerzen vorwärtsbewegt und eine Spannung aufbaut, die sich im letzten Teil mit Pauken und Posaunen machtvoll entlädt. Die erreichte Qualität hat viel mit den heutigen Interpreten in der Band und mit dem holländischen Metropole Orkest zu tun, das vertraut ist mit solch eher ungewöhnlichen Kollaborationen.

«Wir wussten, dass die notwendige Kompetenz und Offenheit vorhanden war», sagt Fischer. Er hat diesbezüglich in den 80er-Jahren schlechte Erfahrungen gemacht. «Die klassischen Musiker zeigten damals oft eine grundsätzliche Ablehnung gegenüber uns Rockmusikern», sagt Fischer, «es bedurfte jeweils ausgiebiger Überzeugungsarbeit, um die Sessions professionell und zu unserer Zufriedenheit durchzuführen».

Für Fischer konnte mit der Aufführung von «Requiem» eine mehr als dreissigjährige, leidenschaftliche geführte Arbeit abgeschlossen werden. Das Album «Requiem» hat in Deutschland und der Schweiz die Top 10 erreicht. Zur Zeit sind aber keine weiteren Auftritte geplant.

«Doch wir sind grundsätzlich offen. Es ist durchaus möglich, dass das ‹Requiem› eines Tages noch einmal irgendwo aufgeführt wird. Bei echtem Interesse und unter angemessenen Konditionen vielleicht sogar in der Schweiz.»

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Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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