Playlist
I'll Remember April

Stefan Künzli
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Stefan Künzli

Stefan Künzli

Aargauer Zeitung

Stefan Künzlis Playlist vom 15. April 2017:

  • Pjotr Iljitsch Tschaikowski: «April – Schneeglöckchen» aus «Die Jahreszeiten op. 37a» (1876).
  • Deep Purple: April (1969).
  • Prince: Sometimes It Snows in April (1986).
  • Miles Davis with Horace Silver: I’ll Remeber April (1954).
  • Chet Baker with Caterina Valente: I’ll Remember April (Lost Tapes 1956).
  • Carmen McRae: I’ll Remember April (1955).
  • Count Basie: April in Paris (1955).
  • Charlie Parker with Strings: April in Paris (1950).
  • Billie Holiday: April in Paris (1956).

Folgen Sie Stefan Künzli und hören Sie seine Playlist auf Spotify.

Im April spriessen die Blumen und Liebe liegt in der Luft. Mit dem Stück «April – Schneeglöckchen» aus «Die Jahreszeiten» hat Tschaikowski dem Monat im Jahr 1876 ein klingendes Denkmal geschaffen. Der April als Synonym für Frühling und die erwachenden Liebes- und Lebensgeister.

Doch nicht alle haben den April in positivem Licht gesehen. Der amerikanische Lyriker T. S. Eliot nannte den April «den grausamsten Monat» («the cruellest month»). In diesem berühmten Gedicht «The Waste Land» von 1922 beschrieb er die Leere der Menschen in der Moderne. Die Hard-Rock-Pioniere Deep Purple nahmen die Thematik in ihrem Stück «April» (1969) in Anlehnung an «The Waste Time» auf. Die dreiteilige Suite mit Orchesterbegleitung war einer der ersten Versuche, Rock und Klassik zu verbinden. Musikhistorisch ist das Werk also nicht ganz unbedeutend. Das Image des Aprils konnte es aber nicht korrigieren. Dieses erlitt weiteren Schaden.

Vollends in Verruf geriet der April nämlich mit Prince. «Der Frühling war meine liebste Jahreszeit. Jetzt erinnert mich der Frühling nur noch an Tracy’s Tränen», singt er im Song «Sometimes it Snows in April» von 1986. Als Prince vor einem Jahr, am 21. April starb, wurde der Song sogar zum Requiem des zu früh von uns gegangenen Musikgenies. Im Andenken an Prince spiele ich den Song noch einmal. Doch es wird Zeit für die Rehabilitation des Aprils. Erinnern wir uns an die schönsten Songs zu Ehren des Liebesmonats.

Allen voran «I’ll Remember April» von 1942. Der Song wurde erst zum Klassiker, als ihn Jazzmusiker wie Miles Davis interpretierten. Eine kleine Sensation ist die Duo-Aufnahme von Chet Baker mit Caterina Valente (Gesang/Gitarre). Meine absolute Lieblingsversion stammt aber von der Sängerin Carmen McRae: «I’m not afraid of autumn and her sorrow. For I’ll remember April and you». Wunderbar!

Mindestens so beliebt ist «April in Paris» (1932) von Vernon Duke. Der Song wurde erst in der Big Band-Version von Count Basie 1955 zum Standard. Bei Spotify besonders gefragt ist die Interpretation von Charlie Parker mit Streichern. Unerreicht ist für mich aber die Interpretation von Billie Holiday: «I never knew the charm of spring. I never knew my heart could sing. Till April in Paris», singt sie in ihrer unnachahmlichen Art ... und ich verdrücke eine Träne der Rührung.