Im Test
Qobuz verspricht Streaming in guter Qualität – was taugt die französische Alternative zu Spotify?

Der Musikdienst Qobuz richtet sich an Musikliebhaber, denen die Qualität des Klangs besonders wichtig ist.

Stefan Künzli
Drucken
Teilen
Konkurrenz für Spotify: der Streamingdienst Qobuz.

Konkurrenz für Spotify: der Streamingdienst Qobuz.

Bild: zvg

Die Vorteile von Streaming auf den Portalen von Spotify & Co. sind punkto Schnelligkeit, Verfügbarkeit und Preis unschlagbar. Doch Spotify hat grosse Defizite bei der Klangqualität. Dazu sind die mangelhaften Informationen zur Musik ein Ärgernis. Hier ist das Portal Qobuz die Alternative oder eine echte Ergänzung.

Der Online-Musikdienst Qobuz wurde schon 2007 in Paris gegründet. Als erster und weltweit einziger Service hat er Hi-Fi-Streaming und hochauflösende Downloads angeboten. Als Nutzer oder Nutzerin kann man also ein Abonnement lösen oder Songs einzeln kaufen. Das grösste Plus von Qobuz aber ist die Soundqualität. Die Musik wird nicht nur in CD- (16 Bit), sondern auch in Hi-Res-Qualität (24 Bit) offeriert. Das Angebot an Hi-Res-Tracks ist gross. Bei Qobuz sind viele Alben in Studio-Auflösung zu finden, die bei der Konkurrenz bis anhin nicht einmal in CD-Qualität zu haben war. Der Musikdienst richtet sich also explizit an Hörerinnen und Hörer mit höheren Ansprüchen an den Klang.

Qobuz startete vielversprechend, die Abonnementzahlen stiegen. Trotzdem musste Ende 2015 ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden. Schliesslich konnte Xandrie, eine französische digitale Vertriebsplattform, Qobuz retten.

Quantitativ den Anschluss zu Spotify gefunden

Die Defizite waren offensichtlich: Der beste Klang nützt nichts, wenn das quantitative Angebot nicht mit den Konkurrenten Schritt halten kann. 2014 hatte Qobuz erst 14 Millionen ­Titel im Angebot. Inzwischen hat der Musikdienst kräftig aufgerüstet und mit 70 Millionen Songs den quantitativen Anschluss an Branchenführer Spotify gefunden und ist heute in elf europäischen Ländern inklusive der Schweiz und in den USA verfügbar.

Auch die Funktionalitäten wurden inzwischen markant verbessert und gewisse Kinderkrankheiten ausgemerzt. Der französische Musikdienst hat nicht nur aufgeholt, sondern die Konkurrenz überholt.

Von Qobuz herausgefordert, hat Apple Music inzwischen reagiert und ab Juni die Klangqualität verbessert. Die Stücke werden verlustfrei, unkomprimiert in CD-Qualität oder besser angeboten. Und auch Spotify hat angekündigt, in der zweiten Jahreshälfte Musik in CD-Qualität anzubieten.

Punkto Informationen zur Musik hat Qobuz aber immer noch die Nase vorn. Sie werden redaktionell betreut und mit viel Liebe zum Detail aufbereitet. Die Titel sind nicht nur mit den Credits verlinkt, weiterführende Artikel stellen die Musiker auch vor. Wir finden aber auch ausgewählte Artikel über Bossa Nova, Keith Jarrett, Nina Simone und András Schiff. Dazu stellt Qobuz junge Musiker wie Naia Izumi oder den Pianisten Isfar Sarabski aus Aserbaidschan vor. Es gibt ein Video des Tages und ein Musik-Quiz zu den 60er-Jahren. Und, und, und.

Qobuz ist auch ein digitales Musikmagazin

Qobuz ist also auch ein digitales Musikmagazin, ein digitaler Plattenladen, wo Musikliebhaber stöbern, suchen, sich austauschen können und darüber hinaus bereit sind, für die gebotene Qualität etwas mehr zu bezahlen (Jahresabo ab Fr. 199.99) als auf den Massen-Plattformen von Spotify & Co.

Aktuelle Nachrichten