Film

In Originalsprache wäre sie besser: Das Schweizer Fernsehen kastriert die welsche Erfolgsserie «Helvetica»

Die neue Serie von SRF ist voller actionreicher Szenen.

Die neue Serie von SRF ist voller actionreicher Szenen.

Terror, Mafia, ein Komplott: «Helvetica» wäre eigentlich eine toll gemachte Serie aus der Westschweiz. Doch SRF vergibt eine Chance.

Eine Sondereinheit im Halbdunkeln. Die Kämpfer sitzen in einem Kastenwagen. Blecherne Schläge dröhnen immer wieder auf sie ein. Ein Junge kickt einen Ball gegen den abgestellten Zivil-­Transporter. Bis der Einsatz beginnt und sich dem erschrockenen Jungen offenbart, was sich hinter den Flügeltüren verborgen hält.

«Helvetica» beginnt temporeich, spannend, manchmal sogar mit Witz. Eine eher seltene Kombination in den braven Schweizer Serienproduktionen. «Helvetica» kommt aus der Westschweiz, wurde von RTS koproduziert. «Helvetica» verfügt auch über ein tolles Cast – und feierte Erfolge. An den Solothurner Filmtagen sorgte die Serie für Aufsehen. Nun zeigt sie das Schweizer Fernsehen in einer extra auf Mundart synchronisierten Fassung.

Wer die insgesamt sechs Folgen am Samstag- und Sonntagabend an einem Stück schauen will, der braucht Sitzleder. Das Tempo nimmt zwischenzeitlich deutlich ab, auch die Handlung hängt etwas durch. Doch wer dranbleibt, der kann sich auf ein spannendes Finale freuen.

Eine Putzfrau im Bundeshaus

Handlung und Besetzung gehören zu den Pluspunkten. Valentina ist albanisch-schweizerische Putzfrau im Bundeshaus (gespielt von Flonja Kodheli). Bei ihrer Arbeit und wegen ihres kriminellen Vaters gerät sie zwischen die Fronten. Es beginnt ein Ränkespiel zwischen Terroristen, Waffenschiebern, korrupten Bundesbeamten und einem ruhelosen Ermittler. Und dann ist da die Bundespräsidentin Kathy Kunz (Ursina Lardi), die einen Pakt mit dem Teufel eingeht, als sie Geiseln mit illegalen Streubomben freikaufen will.

Das Tollste an dieser Serie liegt klar in der kulturellen und sprachlichen Vielfalt. In der Originalversion wechselten sich Französisch ab mit dem charmanten Bündnerdialekt der Bundespräsidentin und Albanisch innerhalb der Familie der Putzfrau.

In der nun synchronisierten Version von SRF gehen Vielfalt und Authentizität leider verloren. Die Mundart-Fassung wirkt aufgesetzt, die Dialoge sind abgehackt. Ganz im Gegensatz zur schlüssigen Originalfassung.

Deutschschweizer wollen kein Französisch im Fernsehen

Warum kastriert SRF eine gute Serie, indem es ihr eine schwache Mundart-­Synchronisierung überstülpt? «Helvetica» ist für die Primetime programmiert worden und bei SRF erwartet man bei einer Schweizer Serie nur mit Mundart eine gute Quote.

Stellung bezieht Urs Fitze, bei SRF Leiter Fiktion.

Entsprechend bescheiden blieb die Quote. Untertitel wiederum würden vom Publikum schlecht akzeptiert. Fitze selbst nennt die Dialektfassung ein Wagnis und sagt:

Eine hochdeutsche Fassung hätte es beim Pay-TV-Sender gegeben. Wem «Helvetica» auf Mundart nun zu holprig ist, der kann die hochdeutsche Fassung gegen Gebühr streamen. Oder nächste Woche abwarten: Dann gibt es «Helvetica» in der Online-Mediathek von SRF. Auch in der Originalfassung, wie Urs Fitze von SRF verspricht.

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