Zu Beginn gleich eine Entwarnung: Man muss kein Theaterkenner sein oder gar griechische Tragödien gewälzt haben, um das Jugend Theater Festival zu geniessen. Vielmehr geht es um alltägliche Dinge, die die Jugend beschäftigen.

Partys, Rauschzustände, Utopien oder auch ganz einfach nur die Frage, wie man bei anderen ankommt. Und wenn dann doch klassische Stücke vorkommen, werden sie modern interpretiert, oder die Handlung gar weitergesponnen.

Dies passiert beispielsweise im Stück «Lueged ned ome». Die Freispieler, der Jugendtheaterclub der Tuchlaube Aarau, nehmen dabei das Stück «Andorra» von Max Frisch als Ausgangslage und beginnen die Geschichte dort, wo seine endet.

Dabei stehen die Jugendlichen stets im Zentrum des partizipativen Prozesses, wie Beat Knaus, Jury-Leiter des Festivals, betont: «Die Jugendlichen sind bei der Auswahl des Themas und der Ausgestaltung des Stücks aktiv beteiligt – es sind also Produktionen von Jugendlichen für Jugendliche.»

Das Festival zeigt, wohin sich Jugendtheater bewegt

Aufgeführt werden die Stücke dieses Jahr im Theater Tuchlaube und in einem Festivalzelt im Schachen, da die Alte Reithalle aufgrund geplanter Bauarbeiten als Festivalort nicht infrage kommt. Aus mehreren Dutzend Bewerbungen hat die Jury sieben Produktionen fürs Festival ausgewählt.

Die eingeladenen Produktionen sollen dabei die Vielfalt der Theaterarbeit mit jugendlichen Darstellenden aufzeigen. Dabei ist es für die Initianten des Festivals wichtig, dass nicht einfach nur die besten oder professionellsten Ensembles das Rennen machen. Es sollen vor allem repräsentative Stücke im Festivalprogramm einen Platz haben, an denen man erkennen kann, wohin sich das Jugendtheater künstlerisch entwickelt. Das heisst konkret: Möglichst viele verschiedene Aufführungs- und Darstellungsformen sollen Platz haben.

Zwischen Schultheater und Freier Szene

«Wir haben natürlich immer die Qual der Wahl», sagt Beat Knaus, der neben seiner Funktion als Jury-Leiter an der Neuen Kantonsschule Aarau unterrichtet. Neben der ästhetischen Vielfalt sollen auch die unterschiedlichen Sparten des Jugendtheaters berücksichtigt werden. Diese lassen sich grob ins Schultheater, in Jugendclubs und die Freie Szene unterteilen.

Das Festival achtet auch darauf, verschiedenen sprachlichen und geografischen Regionen einen Platz zu geben. Mit «Ganz nah», in dem es um das Tagebuchführen, Geheimnisse und ihre Veröffentlichung geht, ist sogar ein Ensemble aus Deutschland eingeladen. Das Science-Fiction Stück «Morgen», in dem sich fünf in einem Bunker eingesperrte Gestalten fragen, wie sie eine neue Welt erschaffen können, wurde dafür von Jugendlichen aus dem Tessin entwickelt. Die moderne Interpretation von «Antigone» aus dem Engadin ist bereits vor Festivalstart ausverkauft.

«Wie verhalte ich mich beim Flirten?»

«Man kann die Stücke ansehen, ohne die Sprache zu beherrschen», versichert Beat Knaus: Die fremd- oder mehrsprachigen Produktionen würden den Körper in den Mittelpunkt stellen und seien so universell verständlich. Wer lieber weniger Text mag, sollte mit dem Stück «Apropos… überecho» liebäugeln.

Dieses Stück des Jungen Schauspielhauses Zürich geht der Frage nach, wie man auf andere wirkt und wie einem andere sehen sollen. Welche Taktik hilft in welcher Situation? Wie verhalte ich mich beim Flirten oder bei einem Vorstellungsgespräch? Wie sollen mich andere sehen? All diesen Fragen wird dabei ohne Text nachgegangen.

Eine rein choreografische Arbeit ist, so Beat Knaus, ein Novum am Jugend Theater Festival, das dieses Jahr bereits zum sechsten Mal stattfindet und Schauspielende zwischen 13 und 23 Jahren eine Plattform bietet.

Von Launen und Flausen bis zu politischen Themen

Der Name «Fanfaluca» wurde dabei zum fünfjährigen Jubiläum geändert, um dem mehrsprachigen Charakter des Festivals gerechter zu werden. «Fanfaluca» kann dabei vieles bedeuten: Firlefanz, Laune, Flausen, erfundene Geschichten.

Frei erfunden sind die Geschichten am Festival allerdings keineswegs: Eine Tendenz zu gesellschaftlichen und politischen Themen, die für Jugendliche relevant sind, sei klar erkennbar, so Knaus. Konkret stehen dieses Jahr vor allem Macht und Machtmissbrauch, Ausgrenzung, Dystopien und Science-Fiction im Zentrum. Aber auch Rausch, Grenzerfahrungen und jugendliche Identitätsfindung spielen eine Rolle.