Kabarettpreis
Der deutsche Satiriker Andreas Rebers erhält den Schweizer Kabarettpreis «Cornichon»

Er brüllt schon mal «Zerstört den Planeten!» ins Publikum, dem dann der Atem stockt. Hochmusikalisch und stimmgewaltig ist der 63jährige Andreas Rebers mit seinem satirischen Zynismus seit 1996 als Kabarettist unterwegs.

Hansruedi Kugler
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Multiinstrumentalist und scharfzüngiger Satiriker: Andreas Rebers.

Multiinstrumentalist und scharfzüngiger Satiriker: Andreas Rebers.

Bild: Imago

Mit seinen 63 Jahren gehört Andreas Rebers ja bereits zur älteren Garde deutscher Kabarettisten. Sein Vorbild: der legendäre Polit-Kabarettist Dieter Hildebrandt, mit dem er ab 1996 in München auch auf der Bühne stand. Diese Prägung, politisch hellwache Satire unabhängig vom Zeitgeist gegen alle Seiten zu schiessen, hat er sich seither bewahrt.

Die Jury des Schweizer Kabarettpreises Cornichon, der von den Oltner Kabarett-­Tagen verliehen wird, schreibt zur Begründung: «Das totale Ignorie­ren von Mainstreamkabarett macht ihn zu einem unverwechselbaren Satiriker.» Am Fernsehen sieht man ihn vor ­allem bei «Nuhr im Ersten.» 1958 geboren, hat Rebers Akkordeon studiert und war musika­lischer Leiter am Staatstheater Braunschweig. 20 Soloprogramme folgten, für die er alle wichtigen Kabarettpreise erhalten hat.

Dann erschreckt er auch mal wie Hitler brüllend

In «Zerstört den Planeten!», einer seiner vielleicht bissigsten Nummern, zeigt sich Rebers Stil am deutlichsten: Zuerst lullt er sein Publikum ein, dann legt er stimmgewaltig los. «Das sage ich als letzter Universalgelehrter», säuselt Andreas Rebers schelmisch, «alle drei monotheistischen Weltreligionen, Christentum, Judentum und Islam, berufen sich auf den Weltuntergang.» Und beginnt wie ein Berserker zu brüllen: «Denn ohne Apokalypse keine Erlösung, kein ewiges Leben!» Zuerst zart und charmant, dann wuchtig und stimmlich grandios, wie er das Wehleidige und Brachiale der Hitler’schen Rhetorik in eine rabenschwarze Weltuntergangssatire übersetzt. Furchterregend.

«Und jetzt kommt diese Ikea-Generation und diese grünen Pharisäer und wollen uns, den Gläubigen, das Paradies streitig machen», brüllt er. Jahrhundertelang habe uns die Natur gequält und jetzt hätten wir «endlich mit dem menschengemachten Klimawandel und dem alten weissen Mann ein Werkzeug, um uns zu rächen und uns unserem Schöpfer als würdig zu erweisen». In den Heiligen Krieg ziehen und «Tod den Gletschern» rufen, schreit er ins Publikum, dem der Atem stockt. Und dem er anschliessend am E-Piano oder mit dem Akkordeon ein melancholisches Liedchen singt über die Vergänglichkeit des Lebens.

Der Islamist kann halt nicht Polka tanzen

Ja, singen kann er auch prima, und nicht nur in seinem legendären Lied «Der Islamist» aus dem Jahr 2014, in dem er zu Schunkel-Volksmusik reimt: «Das Polkatanzen fällt ihm schwer, drum bombt er gern im Nahverkehr.» Da hat man ihn wieder, den satirischen Zynismus, der etwa auch ein Markenzeichen des bayrischschen Kabarettisten Bruno Jonas ist. Auch er ein Vorbild für Andreas Rebers. Gefragt, wo er selbst politisch stehe, antwortete Rebers 2018 im Fragebogen zur Verleihung des Dieter-Hildebrandt-Preises: «In Thüringen würde ich die Linke wählen, in Nürnberg die SPD. Cem Özdemir von den Grünen hätte ich mir sehr gewünscht als Aussenminister – um Erdolf von Ankara bei Stimmung zu halten.»

Die Oltner Kabarett-Tage finden vom 28. April bis 8. Mai statt.

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