Kultur

Keine Zuschauer, kein Geld: Jetzt will das Opernhaus Zürich mehr Subventionen

Zürich fehlt es an Zuschauern und an Geld.

Zürich fehlt es an Zuschauern und an Geld.

Trotz 80 Millionen Unterstützung und treuer Sponsoren ist das Opernhaus offenbar in Not. Schuld ist die Coronakrise.

Als das Theater Basel schon geschlossen war, der Direktion die Sicherheit der Mitarbeitenden und Besucher wichtiger war als ein paar verkaufte Billette, spielte Zürich weiter. Und erst noch mit Gerüchten, dass fast alle Bläser im Orchester krank seien. Kaum war das Haus Mitte März zu, begann das Klagen über Millionenverluste.

Aber sollte die Saison 19/20 (Budget 125 Millionen Franken) nicht mit Gewinn abzuschliessen sein? Bei 80 Millionen Subvention, bei 9 Millionen Sponsorengeldern, bei Kurzarbeit, bei wegfallenden Gagen?

Bis Saisonschluss fehlen 10 Millionen Franken Vorstellungseinnahmen.

, sagt Christian Berner. Obwohl man, so der kaufmännische Direktor, wegen der Schliessung die Leistungsvereinbarung mit dem Kanton Zürich (Karten für Junge, Neue Musik) nicht erfüllen könne, glaubt er, die öffentlichen Beiträge zu erhalten. Die Leistungen konnten aufgrund höherer Gewalt nun einmal nicht vollbracht werden.

Sponsorengeld trifft später ein

Man atmet auf, zumal auch keine Sponsoren abgesprungen sind. «Aber ähnlich wie mit dem Kanton», so Berner, «verhält es sich mit den Sponsoren. Wir sind nicht in der Lage, die vereinbarten Leistungen zu erbringen». Dank enger Beziehungen konnten bislang Lösungen gefunden werden.

Mit anderen Worten: Die Sponsoring-Einnahmen gingen zwar nicht verloren, aber sie können nicht mehr in dieser Spielzeit verbucht werden. Das Opernhaus bekam von anderer Seite Zuspruch, viele spendeten ihre Kartenerlöse.

Christian Berner Kaufmännischer Direktor am Opernhaus Zürich

Christian Berner Kaufmännischer Direktor am Opernhaus Zürich

Die entscheidende Einsparung ist der Antrag auf 80-Prozent-Kurzarbeit für den grössten Teil der Belegschaft. Die Differenz zu 100 Prozent wurde nicht aus eigenem Sack bezahlt, jeder verdiente weniger, die Leitung ging aber, betont Berner, «in Solidarität mit den Mitarbeitenden» auch in Kurzarbeit. Of­fenbar ist noch unklar, welche Lohnsumme die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich übernehmen wird. Einzelne Bereiche arbeiteten weiter, anderswo konnte gespart werden.

Rasch hiess es nämlich von Seite der Sänger, Zürich bezahle im Unterschied etwa zum Theater Basel keine Gagen an freie Künstler. Berner widerspricht, auf Details aber will er nicht eingehen. Recherchen zeigen, dass teilweise 20 Prozent einer Gage an Gaststars bezahlt wurden. Offenbar hing es davon ab, was davon als Kurzarbeit angemeldet werden konnte.

Die Frage bleibt, ob die Rechnung 2019/2020 positiv abschliessen wird. Berner sagt klar:

Zusätzlich zu den jährlich gesprochenen 80 Millionen vom Kanton Zürich sind also weitere öffentliche Gelder nötig.

Als Bumerang erweist sich zurzeit, dass Zürich einen – im Vergleich zu anderen Schweizer Theatern – hohen Eigenwirtschaftlichkeitsgrad aufweist. Das heisst, die anderen Theater kommen finanziell besser über die Runden, da Zürich seine – nötigen – Eigeneinnahmen nicht erwirtschaften kann.

Das Orchester via Mikrofon

Die Zukunft wird noch schwieriger. Wenn wegen der Abstandsregel weniger Leute im Saal sein dürfen und die Kurzarbeit-Gelder wegfallen, fehlt viel Geld. Dann muss ein neues Konzept her. Ob man bald mit nur 30 Orchestermusikern spielt, wird sich weisen. «Wir überlegen uns grundsätzlich alle möglichen Szenarien und Optionen, um wieder Oper und Ballett spielen zu können. Dazu gehören durchaus auch solche Ideen», sagt Christian Berner.

Doch vorerst wird ganz anders gespielt: Aus dem festen Willen heraus, Musiktheater in seiner vollen Bandbreite zu präsentieren, wurde ein für das Opernhaus völlig neues Spielmodel entwickelt. Hierbei werden, unter Einhaltung der Abstandsregeln, das voll besetzte Orchester und der Chor aus einem externen Probensaal live in das Opernhaus übertragen. Auf der Bregenzer Seebühne wird auch so gespielt. Das Opernhaus Zürich ist überzeugt, dass in erstklassiger akustischer Qualität und ohne Zeitverzögerungen gespielt werden kann. Die Gesangssolisten und gegenfalls kleinere Chorensembles agieren live auf der Bühne. So wird es möglich sein, den normalen Spielbetrieb der neuen Saison einzuhalten.

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