Digitalisierung

Klick für Klick durch die Geschichte der Fotografie

Porträts von Malern und Bildhauern, entstanden von 1860 bis 1875.

Porträts von Malern und Bildhauern, entstanden von 1860 bis 1875.

Der Basler Thomas Martin sorgt mit seiner IT-Firma dafür, dass die Fotosammlung Herzog auch online zugänglich ist.

Es ist nur die Spitze des kulturellen Eisberges, die mit den Basler Museen ins Bewusstsein der Bevölkerung ragt: Darunter verbergen sich mehrgeschossig Depots und Archive mit Objekten, die selten bis nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken. «Basel ist voller Schätze», betont Thomas Martin, Gründer und Inhaber der 2015 gegründeten Basler IT-Firma Sukoa AG, die sich auf CMS-basierte Websites spezialisiert: «Das Potenzial ist riesig.» Nun erhielt Martin Gelegenheit, eine solche Schatzkammer zu öffnen.

In der Ausstellung «The Incredible World of Photography» des Sammler-Ehepaares Ruth und Peter Herzog im Kunstmuseum Basel sind 400 Bilder physisch zu sehen – von insgesamt einer halben Million. Zur Eröffnung fand auch die Lancierung einer Online-Plattform statt, die immerhin bis zu 50’000 digitalisierte Bilder der Sammlung zur Verfügung stellt.

«Die Bilder werden von der Sammlung Herzog in einer Datenbank inventarisiert, digitalisiert und verschlagwortet», erklärt Martin, der die Plattform entworfen hat. «Unsere Aufgabe ist es, diese Informationen so aufzubereiten, dass sie online abgerufen werden können.»

Grössere Sichtbarkeit dank digitaler Plattform

Die Herausforderung besteht darin, dass die Seite trotz hoher Datenmengen «performant» bleibt, Suchabfragen also schnell geladen werden. «Die Lösung ist, dass das System etwa beim Sichten von hochaufgelösten Daten punktuell schnell hochfährt, während es sonst schlummert», erklärt Martin.

Zudem bietet die Suchsystematik über Textsuche und Schlagworte eine Vielzahl von Verknüpfungspunkten, die das Stöbern in der Sammlung ermöglichen. «Wir haben uns teils selbst in den Bildern verloren», schwärmt Martin. «Es macht einfach Spass, sie sich anzusehen.»

Thomas Martin

«Wir haben uns teils selbst in den Bildern verloren.»

«Wir haben uns teils selbst in den Bildern verloren.»

Die Anwendung richtet sich an zwei Zielgruppen: das Fachpublikum, das sich mit historischer Fotografie vertieft auseinandersetzt, und die breite Bevölkerung, die einen spielerischen Zugang sucht. «Was die physische Präsentation ihrer Bilder betrifft, so ist die Fotosammlung Herzog in ihren Möglichkeiten eingeschränkt», sagt Martin. Über die Plattform werde eine grössere Öffentlichkeit erreicht.

«Ausserdem schaffen wir das technologische Fundament, um auch anderes abzubilden: Wir könnten Millionen von Daten verschiedenster Museen bereitstellen.» Gerade für das Standortmarketing und Basels Renommee als Kulturstadt biete das einen unschätzbaren Vorteil.

Das neue Kulturleitbild Basel-Stadt unterstreicht die Notwendigkeit für Digitalisierungsstrategien in Museen und «Institutionen des kulturellen Erbes». Die aktuelle Ausstellung der Sammlung Herzog – samt interaktiver Installation der Online-Datenbank – entstand im Rahmen der Digitalisierungs-Initiative digitorials.ch, die mit ausgewählten Museen «neue Massstäbe in der Vermittlung kultureller Inhalte» setzen will.

Verdrängt wird die klassische Ausstellung dadurch aber nicht, ist Martin überzeugt. «Ich bin sehr interessiert an der Digitalität, die einen schnellen Zugriff ermöglicht.» Aber der Museumsbesuch sei etwas komplett anderes: «Es sind zwei unterschiedliche Wahrnehmungsweisen.»

Am Bildschirm komme man einem Gemälde unter Umständen zwar näher, als das in einer Ausstellung je möglich sei. «Aber wenn man ein Ölgemälde beispielsweise riechen kann, hinterlässt das einen ganz anderen Eindruck. Die Hängung, die Räumlichkeiten – das schafft eine ganz eigene Qualität.» Martin sieht die digitalen Technologien deshalb nicht als Konkurrenz zum Museum, sondern als sinnvolle Ergänzung.

Meistgesehen

Artboard 1