Literatur

Koi «Boy» ist die spannendste Figur im neuen Roman von Martin Suter

Martin Suter

Martin Suter

Zum sechsten Mal lässt der Schweizer Bestsellerautor den Lebemann und Kunstfahnder Allmen ermitteln. Diesmal in Ibiza nach einem besonderen Fisch.

Der Koi ist eine Zuchtform des Karpfens, bei gut betuchten Fischliebhabern sehr begehrt (nicht zum Essen, sondern zum Hätscheln) und entsprechend kostbar. Besonders wenn es sich um ein so schönes Exemplar handelt wie der Koi «Boy».

Der gehört einem Millionär auf Ibiza und ist verschwunden. Allmen, sonst auf die Wiederbeschaffung von Kunstgegenständen spezialisiert, soll «Boy» finden. So der Wunsch des Besitzers, der Allmen mitsamt Partner/Butler/Faktotum Carlos nach Ibiza einfliegt.

© CH Media

Einen Koi kann man vielleicht tatsächlich auch als Kunstgegenstand betrachten, sonst wäre der Auftrag an Allmen ja nicht wirklich plausibel. Und der verstrickt sich in ein haarsträubendes Abenteuer. Würde man gerne schreiben. Doch wie immer bei den Allmen-Büchern hält sich die Handlung auf gut 200 Seiten mit sehr grossen Buchstaben in engen Grenzen.

Ibiza und die exaltierte Schickeria machen Spass

Aber bevor wir – zugegebenermassen nicht zum ersten Mal – an einem Allmen-Buch herummäkeln, hier das Positive: Der Koi gibt ein gutes Sujet ab für die Fahndung und damit die Handlung: Was wir über ihn und die damit verbundene Sammelleidenschaft erfahren, ist interessant.

Das zutrauliche Tier ist im Grunde die spannendste Figur des Romans. Hinzu kommt Ibiza als Location, über die man mitsamt ihrer exaltierten Schickeria und verschrobenen Typen gerne liest. Und dass Suter leichtfüssig humorvoll zu schreiben vermag, oft auch mit einer guten Prise Sinnlichkeit zwischen Erotik und Kulinarik, weiss man seit Jahrzehnten.

Sentimentale bis wehleidige Grundhaltung

Aber für eine Handlung, die ja auch eine Art Krimi sein soll, läuft das Ganze dann doch relativ simpel ab. Und ziemlich einfach kommt Allmen der Sache auf die Spur. Wobei es Carlos ist, der im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf hinhalten muss. Denn da sind ein paar üble Jungs am Werk mit allerdings überschaubarem kriminellem Talent. Auch die Frauen haben einiges an unmoralischer Energie zu bieten. Erwähnen darf man, dass Martin Suter eine gnadenlos deliziöse Schlusspointe liefert, die allerdings nicht auf das Konto Allmens geht.

Vermutlich ist es so: Man muss die Hauptfigur sympathisch finden, um in der Abwägung von Stärken und Schwächen dieser Bücher zu einem positiven Schluss zu gelangen. Und mit einem Typen, der mit möglichst wenig Aufwand seinen etwas dekadenten Lebensstil finanziert haben möchte, dabei stets eine sentimentale bis wehleidige Grundhaltung an den Tag legt und seltsamerweise immer wieder bei schönen Frauen landet, kann man durchaus seine Mühe haben. Auf Ibiza, wo die Jugendlichkeit zelebriert wird, hat Allmens Larmoyanz auch mit dem bitteren Gefühl zu tun, allmählich älter zu werden. Das wiederum ist nachvollziehbar. Und dann doch sympathisch.

© CH Media

Martin Suter Allmen und der Koi. Diogenes, 231 Seiten. Ab Mittwoch im Handel.

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