Theater Basel
Kommissär Hunkelers erster Auftritt im Rhybadhysli Santihans

Die erste Folge der Theater Basel-Serie nach Hansjörg Schneiders «Hunkeler»-Krimi spielte im Basler Rheinbad. Die nächsten Stationen sind das Restaurant Schiff, das Kulturzentrum Basilea und die Güterhalle am Bahnhof St. Johann.

Verena Stössinger
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Kommissär Hunkeler (Andrea Bettini) macht es sich mal gemütlich.

Kommissär Hunkeler (Andrea Bettini) macht es sich mal gemütlich.

Es ist heiss in Basel, 26 Grad im Schatten schon am Vormittag, und die Leute suchen Abkühlung im Rhein. Im «Rhybadhysli Santihans» verkauft Frau Lang ein «Ragete»-Eis nach dem anderen, ein alter Mann fischt zwischen unzähligen jungen Entchen, eine junge Frau joggt, der Bademeister auf seinem Hochstuhl fächelt sich Frischluft zu und Peter Hunkeler, der die Absicht hat, seine Ferien zu geniessen, giesst sich einen Eimer Wasser über den Kopf.

Es ist aber natürlich kühl in Basel am frühen Premierenabend, etwa 14 Grad (ohne Sonne) und die Premierenbesucher bewundern die barbeinigen Darsteller und legen sich schwarze Decken, die das Theater Basel bereit gelegt hat, auf die Knie; Regenpelerinen hätte es auch. Nichts ist hier, wie es scheint; und es fällt kurz darauf auch kein alter Mann schreiend von der Johanniterbrücke in den Rhein. Hunkeler (Andrea Bettini) spielt es bloss. Reportiert erregt, wie der Mann versinkt, wieder auftaucht, abgetrieben wird, und merkt erschrocken, dass er selber keine Anstalten macht, ihn zu retten. «Er isch viel z’wyt usse gsi», wird er später sagen, also unerreichbar – da ist der Mann aber schon an Land geschwemmt und herausgezogen worden, erstaunlicherweise genau bei der Treppe ins Becken vom Rhybadhysli.

Volkstheater mit Kopfhörern

Regisseurin Daniela Kranz und Bühnenbildnerin Marion Menziger versuchen nicht, ihre Spielvorlage, Hansjörg Schneiders «Flattermann. Hunkelers zweiter Fall» (1995), in realistisches Volkstheater zu verwandeln, auch wenn sie neun engagierte Laiendarsteller haben (Agota Skorski, Conny Eggenschwiler, Cornelia Bauer, Oliver Börner, Roberto Greuter, Martin A. Steiner, Astrid Kehl, Stephan Wottreng, Frank Dettwiler). Wir bekommen gleich zu Beginn Kopfhörer aufgesetzt und hören Radio. Einer, der Hansjörg Schneider heisst, wünscht sich ein Stück von Dizzy Gillespie und danach die «Caprifischer»; im Studio soll es schon 34 Grad heiss sein, hören wir, dann beginnt die erste Folge vom Serienstück und wir haben die Microport-Stimmen der Spieler im Ohr. Vor allem Hunkelers Stimme. Das ist ein kluger Zugriff, denn Hansjörg Schneiders Krimi ist eigentlich gar keiner. Der Fall ist wenig dramatisch und verläuft schliesslich im Sand. Und Kommissär Hunkeler ist hier auch nicht im Dienst, sondern sehr privat, nachdenklich, wehmütig.

Der «Flattermann» erinnert ihn nämlich an seinen Vater, «do het der Tod zueg’schlage»; und hemmungslos pfuscht er dann auch dem diensthabenden Kollegen Madörin (Martin Hug) ins Handwerk, was der natürlich nicht auf sich sitzen lässt. Und mit dem Auftritt der Rettungssanitäter, dieser «Schutzängel» in Leuchtweste, findet die Aufführung dann auch zu einem eigenen Stil. Sie tänzeln nämlich herbei, als befänden wir uns in einem Musical; packen den nassen «Flattermann», der gerade noch am Leben ist, auf ihre Bahre und entschwinden mit ihm im Spital.

Das Spittel im Badhysli

Das ist im linken Teil vom Badhysli untergebracht, bei den Kabinen, und Hunkeler führt uns hin, weil er den «Flattermann» noch einmal sehen will, auch wenn der jetzt schon tot ist. Und die mechanische Parade der Ärzte und Pfleger, die alle Anderes zu tun haben, als ansprechbar und behaftbar zu sein, gibt eine Ahnung davon, was in diesem Stoff theatralisch zu holen ist: es ist die ästhetische Umsetzung vom Gegensatz zwischen dem schneidig Funktionalen, alltäglich Coolen, und dem Humanen, Individuellen und Berührbaren, das natürlich von Hunkeler verkörpert und eingefordert wird, diesem Kommissär, der seinem Amt nie Seele und Wahrhaftigkeit opfert. «Und? Was wird Hunkeler tun? Wird er weiter ermitteln?»

Die Radiostimme aus dem Kopfhörer leitet professionell und ungerührt über zur nächsten Folge. Sie wird ab nächsten Mittwoch gespielt.

Die erste Folge wird nur noch heute im Rhybadhysli gespielt; Folge 2 dann im Restaurant «Schiff» vom 13. bis 15. April, Folge 3 auf der Dachterrasse vom Brasilea vom 20. bis 22. April und der Schluss in der Güterhalle beim Bahnhof St. Johann vom 27. bis 29 April.