Mundart-Pop
Lebenslust und Brummschädel

Wie klingt Bern? Die neue Band Troubas Kater von QC und Matthias Urech hat eine originelle Antwort.

Maria Künzli
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Troubas Kater mit Gitarrist, Komponist und Produzent Matthias Urech (Erster von links) und Sänger und Frontmann QC.sandra Senn

Troubas Kater mit Gitarrist, Komponist und Produzent Matthias Urech (Erster von links) und Sänger und Frontmann QC.sandra Senn

Sandra Senn

Es gibt zwei Sorten von Menschen: Jene, die beim Wort Kater an ein Tier und jene, die an einen umwölkten Schädel nach dem Rausch denken. Die Musiker der Band Troubas Kater gehören zur zweiten Sorte.

Lange sei ihnen gar nicht in den Sinn gekommen, dass man mit Kater auch Büsis meinen könnte, erzählen QC und «Musikchef» Matthias Urech beim Morgenkaffee in einer Berner Beiz. «‹Kater› war zuerst nur ein Arbeitstitel», erzählt Markus Sollberger alias QC, Frontmann von Troubas Kater und der zurzeit pausierenden Combo Männer am Meer.

Als er von einer Weltreise heimkehrte, sei ihm die Zeit wie ein langer Kater vorgekommen. «Auf Reisen war die Euphorie, eine riesige Party, ohne etwas zu müssen, und dann kommst du nach Hause, und alles ist wie vorher: Arbeiten, Schulden, Pflichten.»

In dieser ernüchternden Zeit konkretisierte sich das Projekt Troubas Kater. Inspiriert wurde QC von Reisen an Orte, die mit einer bestimmten Art von Musik verknüpft sind. Bluegrass und Folk an der amerikanischen Ostküste und Brassbands im Süden. Und fern von Münster und Zytglogge fragte er sich: Wie klingt eigentlich Bern?

Statt lange zu grübeln, beschloss der 31-Jährige, selber für den Bernsound zu sorgen. Vom in Bern wohnhaften Aargauer Gitarristen und Produzenten Matthias Urech kam die Idee, Bern über die Instrumente hörbar zu machen. Akustische Instrumente, mit denen man auf der Strasse spielen kann. Akkordeon, Gitarre, Tuba. Überhaupt: Bläser. Hauptsache ungeschliffen.

«Bern ist historisch ein Amalgam verschiedener Kulturen, musikalisch wird das bei Troubas Kater dann zu einer Mischung aus Chanson, Pop und Rap.» Jedes verwendete Instrument habe seine Geschichte in der Schweiz, sagt Urech. Die akustische Gitarre verweist auf Mani Matter und die Liedermacher, die Bläser auf die Blasmusik-Kultur, das Akkordeon auf die Volksmusik.

Doch wie klingt diese verkaterte Band mit drei Bläsern? Alles ist drin in diesem Album. Die Liedermacherei, der Pop, der Funk, ein bisschen Balkangeschrummel auch. Nichts völlig Neues und doch etwas anderes.

Nie wieder aus dem Sinn

Da ist zum Beispiel «Latvia», ein vorwärtstreibendes, gestampftes Lied mit Folkflair und einem ausnehmend schönen Refrain – einmal gehört, nie wieder aus dem Sinn. Halb gerappt, halb gesungen: «O Latvia, ds höche Gras schlaat Wäue nur für di / und bringt mi hei zur Truurwiide, mia Patria.»

In «Säg kes Wort» gehts wirklich um den Kater. Tuba, Akkordeon und ein Männerchörli begleiten QC auf seinem Leidensweg zwischen Brummschädel und Beziehungsknatsch. Fernwehgeschwängert ist das Seefahrerlied «Ladrina», unterstützt vom Kummerbuben-Frontmann Simon Jäggi. Die Berner Altstadt habe etwas Müdes, sagt QC und nippt an seinem Espresso.

«Sie gähnt mich immer an.» Zwar sei alles schön, «wenn ich Tourist wäre, würde ich die Kamera zücken». Aber sprudelndes Leben findet der zugezogene Bieler eher in den Quartieren. Sein gespaltenes Verhältnis zu Bern sei ihm auf seiner Weltreise noch bewusster geworden.

Auch in der Musik von Troubas Kater klingt dieser Zwiespalt an. Es tönt nach Heimweh und Fernweh zugleich. Nach Viktoriaplatz und Seemannsgarn. Nach Fanfare, Blumenregen und dem tiefen Fall nach dem Höhenrausch. Melodieselig, voll galgenhumoriger Poesie ist diese Musik. Ob sie so klingt wie Bern, ist völlig egal. «Verdammte Novämber» ist ein verdammt gutes Album geworden. Eines, das Berns Gassen am Morgen danach lebendiger macht – und den Kater ein bisschen schöner.

Troubas Kater Verdammte Novämber. Zytglogge.

Live 3. 11. Zischtigskultur im Stiefel Bremgarten; 3. 12. ISC Bern; 9. 1. Oxil

Zofingen; 15. 1. Fjord Baden.

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