Pop
Los Lobos: Ein musikalischer Liebesbrief an Los Angeles

Die amerikanische Band mit mexikanischen Wurzeln ist mehr als «La Bamba». Eine leidenschaftliche Streiterin für die Multikultur.

Steffen Rüth
Drucken
Teilen
Los Lobos sind geprägt vom Sound von Los Angeles. Zeit für eine Wiederentdeckung.

Los Lobos sind geprägt vom Sound von Los Angeles. Zeit für eine Wiederentdeckung.

Die meisten kennen von Los Lobos genau ein Lied: «La Bamba», im Original von Richie Valens und 1987 eine weltweite Nummer eins für die amerikanische Band mit mexikanischen Wurzeln. Nun veröffentlichten die nicht mehr wirklich jungen Männer ihr 17. Album «Native Sons». Höchste Zeit für eine (Wieder-)Entdeckung.

Louie Pérez jr. zusammen mit David Hidalgo, singender und Gitarre spielender Co-Frontmann von Los Lobos, bringt die Dinge auf den Punkt. «Ausser den Native Americans hat niemand von uns seine Wurzeln auf diesem Kontinent. Wir Amerikaner stammen von überall her, und doch eint es uns, dass wir uns als Amerikaner definieren.» Pérez und Hidalgo sind, wie auch zwei ihrer drei Bandkollegen, mexikanischer Abstammung. «Die Tatsache, dass wir alle zusammengehören, Keile zwischen uns zu treiben, so wie es unsere vormalige Regierung versucht hat, ist grundfalsch und geradezu obszön. Wenn du uns alle in unsere Ursprungsländer zurückschicken würdest, wäre hier fast niemand mehr übrig.»

Los Lobos, vor fast 50 Jahren von den Schulfreunden Hidalgo und Pérez in East Los Angeles gegründet, zunächst als Party- und Hochzeitsband aktiv und seit dem weltweiten Nummer-eins-Hit mit ihrer Version von Richie Valens’ «La Bamba» auch bei uns wohlbekannt, seien zwar keine politische Band per se. Doch Herkunft, Werdegang und Musik machen die fünf Männer zwischen 65 und 70 Jahren alt zu leidenschaftlichen Streitern für die Multikultur. «Im Mittelpunkt unseres Schaffens steht, die Menschen einander näherzubringen.»

Konzeptalbum mit Songs von L.A.-Bands

Auch auf dem neuen Album «Native Sons» trifft die Band den gesellschaftspolitischen Ton mit ihrer Neuaufnahme von Buffalo Springfields Klassiker «For What It’s Worth», den Stephen Stills 1966 unter dem Eindruck der damaligen Auseinandersetzungen zwischen jungen Feiernden und der Polizei auf den Sunset Strip in Hollywood schrieb. «Buffalo Springfield bedeutet uns so viel, dass wir auch gleich noch den Song ‹Bluebird› von ihnen mitaufgenommen haben», so Louie Pérez.

«Native Sons» ist ein Konzeptalbum. Sämtliche Songs bis auf das selbst geschriebene Quasi-Titelstück «Native Son» sind Coverversionen von Liedern anderer L.A.-Bands und Musikern. Alle eint, dass sie den Sound von Los Lobos, diesen furiosen und hochversierten Mix aus Rock’n’Roll und Blues, Surfmusik und Soul, Mariachi und Música Norteña, Punkrock, Jazz und Country, massgeblich mitgeprägt haben. Ob es um den narrativ-zurückgelehnten Folk eines Jackson Browne («Jamaica Say You Will»), den dampfenden Funk von WAR («The World Is A Ghetto») oder den Blues-Rockabilly der Blasters, deren Saxofonist Steve Berlin heute bei Los Lobos spielt, («Flat Top Joint») handelt – das Quintett verpasst seinen oft partynahen zünftigen Neuinterpretationen durchweg die unverwechselbare Los-Lobos-DNA.

«Dieses Album ist unser Liebesbrief an die Stadt, die uns geprägt hat und an die Musiker, ohne die wir so nicht hier wären», sagt Pérez Junior. «Selbst, wenn es morgen mit uns vorbei wäre, werden wir immer mit einem breiten Lächeln auf unser Vermächtnis und auf das wertvolle Erbe derer, die vor uns kamen, zurückblicken können.»

Los Lobos: Native Sons.

Aktuelle Nachrichten