Kultur

Mundart-Popduo Dachs: Die zwei mit der Hymne auf Beat Breu

Sie sind Dachs: Basil Kehl und Lukas Senn.

Sie sind Dachs: Basil Kehl und Lukas Senn.

Das St. Galler Electropop-Duo bringt auf dem Album «Zu Jeder Stund En Vogelgsang» die Gegenwart erneut auf den Punkt.

Mundartpop Zweimal haben Dachs die Zukunft vorausgesagt. Oder zumindest den Eindruck erweckt, sie könnten es. Das erste Mal war 2018, als die Buchhaltungstricks der Postauto AG publik wurden. Mitten in der Postauto-Affäre veröffentlichten Dachs das Lied «DüDaDo», eine Hymne auf den Service public. «Säb wo niemols wör rendiere, wenn kein Staat wör Chöle schiebe, säb isch mis Postauto» sang Basil Kehl im Song der Stunde: «DüDaDo». Mit «Beat Breu» ist dem Duo erneut das perfekte Timing gelungen. Als Dachs das Lied im November veröffentlichten, war der Radrennfahrer gerade durch alle Medien gezerrt worden, weil sein Zirkus bankrott gegangen war. Alles redete von Beat Breu – und Dachs lieferten den Song dazu. «Zufall!», beteuern die beiden St. Galler.

«DüDaDo» hätten sie lange vor der Postauto-Affäre geschrieben, und auch die Idee zu «Beat Breu» sei schon älter. «Mit dem Song wollten wir unsere Bewunderung ausdrücken», sagt Lukas Senn, die andere Hälfte von Dachs. Die Bewunderung für einen, der sich durch Rückschläge nicht bremsen lässt. Für einen, dessen Karrierekurve nicht stetig nach oben ging, sondern der auch einmal «abwärts und mängmol graduus» fahren musste, wie es im Song heisst.

Pedro Lenz zu Dachs: «Gschiidi Mundartmusig»

In die Zukunft blicken können Dachs also nicht. Aber sie schaffen es, die Gegenwart auf den Punkt zu bringen. Das war schon auf dem Debütalbum «Immer schö lächlä» so. Bei ihrer eigenwilligen Mischung sind sie geblieben: St. Galler Mundarttexte, mit Kopfstimme gesungen und mit süss-melancholischem Electropop unterlegt. Man muss an Jeans for Jesus denken, denn wie die Berner geben Dachs der Schweizer Mundartmusik eine neue Richtung, weg von Heimattümelei und Berner Gemütlichkeit, hin zur weiten Welt. Hört man nicht genau hin und ignoriert den Dialekt, klingen Dachs nach modernem Pop von irgendwo. Erst bei näherer Beschäftigung wird klar, dass da einer auf St. Gallerisch singt und «gschiidi Mundartmusig» macht, wie Autor Pedro Lenz einmal anerkennend bemerkte.

Berührendes, Trauriges und Witziges

Man muss auch an Manuel Stahlberger denken, denn ähnlich wie der St. Galler Liedermacher erzählen auch Dachs kleine Geschichten aus dem Alltag und verhandeln damit grosse Themen. «Si händ dä Schlagzüger us dä Band grüert im letschtä Oktober»: Mit diesem ersten Satz aus dem gleichnamigen Song könnte auch ein Stahlberger-Lied beginnen. Es ist wohl kein Zufall, dass der Stahlberger-Schlagzeuger Dominik Kesseli im Dachs-Videoclip den verschmähten Drummer spielt.

Auf dem Album finden sich berührende, traurige, aber auch witzige Momente. Toll zum Beispiel, wie Basil Kehl in «Mandala» zu flirrenden Pianoklängen allmählich in eine medikamentös-nebulöse Welt abdriftet. Und wenn er sich in «Sisch Alles Nur E Lüg Gsi» nach Anerkennung sehnt und singt: «I bin än Musikus und i wart uf euen Kuss», dann möchte man ihm einen Schmatz auf die Wange drücken und versichern: Moll, es kommt gut mit der Zukunft.

Zu Jeder Stund En Vogelgsang erscheint am 21.2. Dachs auf Tour: 20.2., Südpol, Luzern; 6.3. Palace, St.Gallen; 26.3., Rössli Bar, Bern; 10.4., Coq d’Or, Olten; 11.4., Rouine, Basel; 30.4., Royal, Baden. weitere Konzerttermine unter www.dachsmusic.ch

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