Musik
Das Argovia Philharmonic will bald vor 50 Leuten spielen – und dennoch streamen

Kulturveranstalter stellten im Lockdown auf digitale Alternativen um. Das Argovia Philharmonic sieht darin für die Zukunft weniger einen Ersatz als eine Ergänzung.

Anna Raymann
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Argovia Philharmonic streamte zuletzt noch aus dem Gemeindesaal.

Argovia Philharmonic streamte zuletzt noch aus dem Gemeindesaal.

Wolfgang Drechsler / Aargauer Zeitung

Auf die nächste Veranstaltung – einen Film im Kino, ein Theaterstück auf der Bühne – freut sich nicht nur das Publikum. Auch den Musikern brennt es unter den Nägeln:

«Nicht spielen ist keine Option für uns»,

sagt Intendant des Argovia Philharmonic Simon Müller. Sollte der nächste Öffnungsschritt, wie ihn der Bundesrat vergangenen Freitag in Aussicht stellte, tatsächlich kommen, wäre dies im eingeschränkten Rahmen mit maximal 50 Zuschauern ab dem 22. März wieder möglich – und für das Abo-Konzert im Mai so geplant. Die 50 Karten werden dann verlost.

Bis dahin nutzt das Argovia Philharmonic digitalen Varianten. So plant man das Konzert «Schatten und Licht» am 20. März als Stream. Und es wird auch nach der Öffnung nicht der letzte gewesen sein:

«Die ganze Branche hat eine neue Technik kennen gelernt»,

so Müller. Angesichts der Gratiskultur im Internet sind Streams in erster Linie eine Geste an das Publikum, an treue Fans und Abonnentinnen. Darüber hinaus: Bildschirme von überall auf der Welt können sich zuschalten, die Technik bringt die Inhalte aber auch zu jenen, die nicht mobil genug sind, den Weg in den Konzertsaal zu finden. Die Digitalisierung erschliesst neues, älteres Publikum, so die diskutierbare These beim Argovia Philharmonic.

«Konzerte sind ein sozialer Anlass und das wird auch so bleiben»

Damit dies aufgeht, müssen die Konzerte auch als Stream einen Mehrwert bieten. «Wir mussten viel lernen aus unseren ersten Streamingversuchen», gibt Müller zu. So gab es im Januar zwar ein Rahmenprogramm, doch wollte im Gemeindesaal in Buchs kaum eine Konzertatmosphäre aufkommen. Das soll diesen Sonntag aus der «Trafohalle Baden» anders sein. Mehrere Kameras spielen Grossaufnahmen der zupfenden Finger oder der Gesten des Chefdirigenten Rune Bergmann auf den Bildschirm zu Hause. Für Bild und Schnitt sind Musiklehrer Michael Schraner und Wolfgang Drechsler zuständig – Drechsler, der sonst das Horn spielt. Die Nähe zum Orchester, das Verständnis für Partitur und Spiel übersetzt visuell so die Interaktion der Musiker.

Bewusst habe man sich auch deswegen nicht für ein Solowerk entschieden, sondern wolle beim Programm «Schatten und Licht» das Orchester in den Mittelpunkt stellen. Düster beginnt es mit Joseph Haydns 49. Sinfonie «La Passione». Im zweiten Teil erklingt Antonín Dvořáks 8. Sinfonie. Dirigent und Musiker werden über persönliche Worte ans Publikum das musikalisch kontrastreiche Programm erklären. Wird das Pausengespräch also künftig den Apéro im auch realen Foyer ersetzen, wie es bereits Migros-Classics-Intendant Mischa Damev tut? Müller verneint:

«Konzerte sind ein sozialer Anlass und das wird auch so bleiben.»

Viel eher überlege man Mischformen: Nahaufnahmen, die man etwa über das Handy während des Konzerts sehen könnte. Die Richtung zeigt zu hybriden Konzerten und immersiven Shows. Das Ergebnis der Transformationsprojekte wird zeigen, was möglich ist.

Schatten und Licht: Sa 20. März, 19.30 Uhr. www.argoviaphil.ch