Musik
Das Geheimnis des Erfolgs: Wie hat es ZIAN geschafft, aus dem Nichts die Schweizer Hitparade zu stürmen?

Der Basler ZIAN singt Englisch, weil er in der ganzen Welt gehört werden will. Bis vor kurzem kannte ihn noch niemand.

Stefan Künzli
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Die Identität von ZIAN wurde zunächst im Dunkeln gehalten.

Die Identität von ZIAN wurde zunächst im Dunkeln gehalten.

Bild: Jens Ries

Niemand kannte ihn, niemand wusste, wie er aussieht. Aus dem Nichts ist ZIAN mit seinem Debüt «Show You» aufgetaucht und hat geschafft, was für einen Schweizer Newcomer nahezu unmöglich ist: Über Wochen, ja Monate konnte er sich in der Schweizer Hitparade platzieren. 19 lange Wochen hielt sich sein Song «Show You», eine radiotaugliche Ballade, in den Charts und erreichte nach einem halben Jahr Goldstatus.

Der Song «Show You» von ZIAN.

youtube

Etwas, das in der ersten Jahreshälfte 2021 weder Bligg und Marc Sway noch Chartstürmer wie Loco Escrito oder Loredana geschafft haben. Nur gerade «Tribut» von Lo & Leduc war mit 25 Wochen noch etwas länger platziert.

Aber wer ist dieser ZIAN, der plötzlich ins Scheinwerferlicht des Schweizer Pop katapultiert wurde? «Wir haben seine Identität am Anfang bewusst im Dunkeln gehalten», sagt der 29-jährige Manager Raphael Haldemann, der auch Rapper Mimiks betreut. «Wir wollten den Fokus auf seine aussergewöhnlichen Stimme und den Song legen», sagt er weiter. Die Strategie ist aufgegangen.

Wer steht hinter dem Basler Newcomer?

Nun tritt ZIAN an die Öffentlichkeit, und wir haben den 27-jährigen Sänger in Basel aufgestöbert, wo er unter dem bürgerlichen Namen Tizian Hugenschmidt lebt. Angefangen hat er, wie es sich für einen Basler gehört, als Trommler an der Basler Fasnacht, wo er bis heute in einem Fasnachtsverein aktiv ist. Es folgte das Schlagzeug, zu Hause stand ein Klavier, und er lieh sich die Gitarre seiner Mama. Er sagt:

«Ich habe alles selbst entwickelt. Während andere im Sportverein waren, habe ich musiziert.»
Sänger ZIAN in diesem Frühling bei den Swiss Music Awards.

Sänger ZIAN
in diesem Frühling bei den Swiss Music Awards.

Bild: Keystone

Aber nur für sich. Tizian Hugenschmidt hat nie eine Gesangsausbildung genossen. Er absolvierte eine Lehre als Glasapparatebauer in einer Glasbläserei, hörte Rock und Metal, danach Schweizer Rap, bis er seine Neigung zum Pop entdeckte. Eine Musikerkarriere war in weiter Ferne.

Wendepunkt war vor vier Jahren die «Red Bull Wings Academy». Als die Loopmaschine von Rapper Knacke­boul ausfiel, sprang Tizian ein und gab etwas zum Besten. Das hat den im Publikum anwesenden Manager Raphael Haldemann von Nucleus so berührt, dass er den Sänger sofort unter seine Fittiche nahm. «Ich war begeistert von Tizians Stimme und seinem Talent und erkannte sein Potenzial. Dieses Bauchgefühl hat ihn überzeugt, daraus entstand eine Vision», sagt der Manager.

Ein weiteres Puzzleteil in der Mission ZIAN war der Produzent, Mixing Engineer und Songschreiber Henrik Amschler. Der 32-jährige Zürcher hat Mimiks produziert, mit Bligg gearbeitet und die Hits «Amame» und «Punto» für Loco Escrito produziert und geschrieben. Vom Potenzial von ZIAN war er sofort überzeugt und hat mit dem Basler Sänger schliesslich den Song «Show You» produziert, der bei Sony Music erschienen ist.

Vertrauen und Geduld als Erfolgsfaktoren

Doch was ist das Erfolgsrezept? Kennt das Team um ZIAN den Königsweg zum Hit? «Wir haben nichts überstürzt, so lange getüftelt und probiert, bis wir es für gut befunden haben», sagt ZIAN. Haldemann ergänzt:

«Man muss in diesem Business auch Vertrauen und Geduld haben.»

Streaming entscheidet heute über Erfolg und Misserfolg und ist massgeblich für die Hitparaden-Platzierung. Doch ZIAN wählte den konventionellen, den bewährten Weg über die Radiostationen.

SRF und Energy haben zuerst an­gebissen. Als der Song ankam, folgten die anderen. Sprunghaft angestiegen sind die Streamingzahlen aber erst nach ZIANs Auftritt bei den Swiss Music Awards. Es war sein erster öffentlicher Auftritt. Erst danach ist der Song auf den einschlägigen Playlists aufgetaucht.

Im Mai ist ZIAN auf der neuen Newcomer-Plattform «MJF Spotlight» des Montreux Jazz Festival zum «Artist of the month» gewählt worden, und jetzt ist auch die zweite Single «Grateful» erschienen, die vielversprechend gestartet ist. Der Wegweiser zeigt nach oben, doch ZIAN will die Strategie des behutsamen Aufbaus beibehalten. Bevor es an eine Album-Produktion geht, will er mit einer weiteren Single seine ganze musikalische Bandbreite präsentieren.

Das Video zu «Grateful» von ZIAN.

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ZIAN möchte Teil einer Schweizer Musikgeneration sein, die mit englischen Songs Erfolg hat. Eine Generation, die gross denkt – wirklich gross. Mundart ist bei diesem Plan definitiv keine Option für mich: «Ich spreche Baseldeutsch. Das ist im Pop noch nie gut gekommen», sagt er und lacht.

Der Fokus ist auf der Musik, doch auch wenn ZIAN alles auf diese Karte setzt, kann er noch nicht vollständig von der Musik leben. Auch das ist die neue Realität im Pop: Selbst Hitparaden-Platzierungen, Goldstatus und millionenfache Clicks garantieren kein Auskommen als Musiker.

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