Pop
77 Bombay Street: Und es hat «Whoom» gemacht!

Die erfolgreichste Schweizer Band, 77 Bombay Street, will ins Ausland – am Freitag spielen sie am Schupfart Festival. Zudem geben sie Konzerte in Deutschland und Frankreich.

Renzo Wellinger
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Münchner Bier ist süffig – Calanda ist besser: Die vier Brüder in einem Biergarten in München.Franziska Hasse

Münchner Bier ist süffig – Calanda ist besser: Die vier Brüder in einem Biergarten in München.Franziska Hasse

Das Debütalbum «Up In The Sky» hält sich seit eineinhalb Jahren in der Schweizer Hitparade und wurde mit Doppelplatin veredelt. Damit ist 77 Bombay Street die erfolgreichste Schweizer Band. Schwieriger wird es für die Bündner Brüder Buchli im Ausland. Bevor sie das zweite Album veröffentlichen, geben sie Konzerte im Deutschland und Frankreich und diese Woche am Schupfart Festival. Die Nordwestschweiz traf den ältesten der «Bombays», Matt, und «Nästhäkchen» Simri-Ramon zum Interview in München – natürlich in einem Biergarten.

München ist der erste Stopp der Deutschland-Tour. Was haben Sie von der Stadt gesehen?

Simri-Ramon Buchli: Wir waren in einem Musikgeschäft shoppen, haben uns die Altstadt angesehen und im Hofbräuhaus gegessen.

Hier in Deutschland gehen Sie vermutlich unerkannt durch die Strassen. Wie ist es in der Schweiz?

Matt Buchli: Dadurch, dass wir auf der Bühne immer unsere Uniformen tragen, werden wir im Alltag nicht sofort erkannt.

Simri-Ramon Buchli: Und in Frankreich oder Deutschland sind wir ja noch unbekannt! Mit etwas Glück lief mal einer unserer Songs im Radio. Das ist das erste Interview hier in Deutschland – und es ist für eine Schweizer Zeitung. (Lacht.)

Vor zwei Jahren war die Band in der Schweiz unbekannt. Zwei Jahre später steht sie in München auf der Bühne ...

Simri-Ramon Buchli: Damit hat niemand gerechnet! Wir brachten einfach das Album heraus – danach machte es «Whoom!» Das ist das Tolle am Musikbusiness: Man weiss nie, ob etwas funktioniert. Bei uns hat irgendwie alles gepasst.

Wo leben die besten Fans?

Simri-Ramon Buchli: In Italien spielten wir in einem Club in Mailand vor 250 Leuten, die unsere Songs mitsingen konnten. Das war sehr cool.

Matt Buchli: In Deutschland waren wir als Support von The Baseballs auf Tour. Deren Fans haben sogar schon einen deutschen Fanclub gegründet! Die Deutschen geben – wenn ihnen etwas gefällt – Vollgas.

Wie ist es, den ganzen Tag in einem Bus miteinander zu verbringen?

Matt Buchli: Wir haben ein wunderschönes «Stübli» mit einem Tisch, wo wir fernsehen und spielen können.

Quelle: youtube

Sie haben bereits Tour-Erfahrung. Vor zwei Jahren fuhr die Band mit einem Bus durch England ...

Matt Buchli: Dort spielten fünf bis sechs Bands pro Abend in kleinen Clubs. Die Tickets wurden selbst unter die Leute gebracht. Wer am meisten Karten verkaufte, bekam den besten Slot. Da wir niemanden kannten, verkauften wir meist keine Tickets und traten zum Schluss auf, als nur noch ein paar Betrunkene an der Bar sassen. Die Konkurrenz istinEnglandenorm.

Simri-Ramon Buchli: Wir stellten auf unserer Reise fest, dass es wirklich schlechte britische Bands gibt. Das war auch eine Motivation.

Am 5. Oktober erscheint das zweite Album, «Oko Town». Stimmt es, dass es 80 Songs zur Auswahl gab?

Simri-Ramon Buchli: Wir sind mit rund 80 Song-Ideen ins Studio gegangen, und haben uns dann für 40 entschieden. Wir sind eine Band, die eine Strophe und einen Refrain schreibt – wenn das passt, machen wir weiter. Wenn nicht, vergeuden wir nicht unsere Zeit mit einer zweiten Strophe oder einer Bridge. Letztlich haben wir dann 14 Songs aufgenommen.

Auslandspläne, neues Album – fühlen Sie sich nicht unter Druck?

Matt Buchli: Doch, schon. In der Schweiz ist es bisher sehr gut gelaufen. Dadurch baut sich automatisch eine Erwartungshaltung auf. Als wir Anfang August zum Beispiel im Rahmen der Olympischen Spiele beim britischen Sender ITV einen Song performen durften, wurde gleich von der Eroberung Englands gesprochen. Das ist völlig realitätsfern.

Gibt es schon weitere Pläne?

Simri-Ramon Buchli: Das hängt davon ab, wie es jetzt läuft. Im Ausland versuchen die Plattenfirmen, unsere Songs ins Radio zu bringen.

Wie schmeckt euch denn das bayerische Bier? Besser als Calanda?

Simri-Ramon Buchli: Nein, auf keinen Fall! Es ist nur süffiger.

Schupfart Festival von Do, 20., bis So, 23. September, in der Flugplatz-Festhalle Schupfart. 77 Bombay Street spielen am Freitag um 23 Uhr (Konzert ausverkauft). ww.schupfartfestival.ch