Musik und Film
Adrian Stern: «Meine Karriere hat mit einem Film begonnen»

Der Aargauer Musiker Adrian Stern hat mit seinem Album «Herz» den Durchbruch geschafft. Jetzt wird er Kino-Kolumnist der az. Ab kommenden Donnerstag wird er auf der Kinoseite alle zwei Wochen über Filme schreiben.

Evelyne Baumberger, Stefan Künzli
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Adrian Stern im Trafo Kino in Baden

Adrian Stern im Trafo Kino in Baden

Alex Spichale

Wir treffen uns im Kino Trafo. Sind Sie öfter hier?

Adrian Stern: O ja, das Trafokino ist mein Hauskino. Ich bin froh, dass wir in Baden ein so tolles Kino haben. Die Grösse stimmt und die meisten Filme werden in der Originalversion mit Untertiteln gezeigt. Wegen der Kinos muss man bestimmt nicht nach Zürich. Ich bin aber heute ohnehin weniger «uf de Gass».

Warum?

Ich bin häuslicher geworden, geniesse meine Wohnung und die beste Kaffeemaschine der Umgebung (lacht). In letzter Zeit dauerte aber auch das Autogrammegeben nach einem Konzert meist noch einmal genauso lang. Dann habe ich keine Energie mehr und suche die Ruhe.

Reagieren die Leute heute anders auf Sie nach Ihrem Durchbruch mit «Herz»?

An Konzerten habe ich erlebt, dass die Leute erst merken müssen, dass ich keine Kunstfigur bin, sondern Adrian Stern, der Musik macht und ab und zu eine komische Story erzählt. Ich komme mir manchmal auch ausgestellter vor als früher.

Hat es für Sie keinen Reiz, den Popstar zu geben?

Der Promi-Teil reizt mich nicht. Aber auf der Bühne zu stehen und Songs zu spielen, die den Leuten gefallen, das finde ich super.

Wie erleben Sie Ihre meist weiblichen Fans?

Eigentlich sehr normal und natürlich. Auf Facebook beantworte ich fast jede Nachricht, die man mir schreibt, und bis jetzt ist es noch fast nie vorgekommen, dass deswegen jemand dachte, wir hätten jetzt eine ewige Brieffreundschaft.

Eine «Stern-Mania», wo kreischende Groupies hinter Ihnen her sind und Sie flüchten müssen, erleben Sie also nicht.

Nein – das hat Justin Bieber erfolgreich für sich gepachtet (lacht). Ich habe ein sehr durchmischtes Publikum, Leute mit Kindern, viele Paare, auch ältere Menschen, das kommt denen gar nicht in den Sinn.

Sie sind medial sehr gefragt. Wie offen Sie da sind, hängt ja auch von Ihrer Partnerin ab. Wie geht sie damit um?

Sie bevorzugt es, im Hintergrund zu bleiben. Unser gemeinsames Auftreten war auch schon Diskussionsthema. Wenn man Promo macht und der «Blick» kommt, den die Musik überhaupt nicht interessiert, sondern nur mein Privatleben, wollen die halt ein Foto von mir und meiner Freundin. Wir liessen die Bilder von einem befreundeten Fotografen machen und konnten so selbst bestimmen, welches Bild von uns veröffentlicht wurde.

Dann kommt die Frage nach der Homestory...

Ich will den Journalisten immer mein Homestudio in meinem alten Bubenzimmer aufschwatzen, aber das wollen sie meistens nicht, weil meine Freundin nicht dort ist. Mylen und ich waren aber zusammen an den Swiss Music Awards, gingen über den roten Teppich...

...und wurden prompt von «Blick am Abend» zum Heiraten aufgefordert und eure Kleidung gefiel denen nicht.

...mir wars dann wieder genug. Es ist wie Ausgehen – für kurze Zeit cool, dann will man wieder die Trainerhosen anziehen und unbeobachtet sein.

Seit Jahren kennt man Sie als talentierten Songschreiber, doch der grosse Erfolg kam erst mit dem letzten Album. Warum jetzt?

Ich glaube, «Amerika» ist einer meiner stärksten Songs. Er enthält viel Persönliches, meine eigenen Amerika-Erfahrungen und das Gefühl, abhauen zu wollen. Das ist ein Gefühl, das alle kennen.

Haben Sie mit diesem Album sich selbst und Ihren Sound gefunden?

Ich glaube schon. Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigte, «Kann ich mit meiner Musik alt werden?», wurde beantwortet. Der Sound meiner CD, ein Sound mit vor allem akustischen Instrumenten und wenig modischem Schnickschnack, hat etwas Zeitloses. Ich kann mir vorstellen, auch in Zukunft Alben mit akustischer Gitarre zu machen. Es ist so einfach und macht Spass. Im Moment spiele ich jeden Tag.

Der Erwartungsdruck ist grösser als früher. Macht Sie das nervös?

Nein, nervös nicht, aber die Plattenfirma hat klare Vorstellungen, wann Sie ein neues Album möchte. Sicher nächstes Jahr, eine mögliche Deadline wäre Frühling 2012. Ich bin mir aber bewusst, dass das wohl nicht reicht. Ich lasse mich nicht stressen.

In der Zwischenzeit schlagen Sie andere, neue Wege ein. Sie werden Kino-Kolumnist der az. Warum wollen Sie als Musiker über Filme schreiben?

Meine Geschichte als Musiker, meine Karriere hat eigentlich mit einem Film begonnen! Mit zehn – zwei Jahre früher als erlaubt – habe ich «Back To The Future» gesehen. Ich sah den Film fünf-,sechsmal,es war der erfolgreichste Film 1985. Es gab Zeitreisen, Rollbrettfahren, Gitarren... Das brachte meine Fantasiewelt zum Brodeln. Neben der Musik waren es immer Filme, in denen ich mich verloren habe.

Was war der letzte Film, in den Sie so richtig eingetaucht sind?

(Überlegt) «Hoselupf» hat mir sehr gut gefallen. Eine Zeitlang dachte ich am Anfang, hoffentlich vergeigen sie es nicht mit der Musik, aber es kam gut. Der Film war total spannend, Beat Schlatter in seiner besten Rolle.

Achten Sie besonders auf den Soundtrack eines Films, wenn Sie im Kino sind?

Ja, schon. Ich finde, der beste Soundtrack ist der, auf den man gar nicht achtet, der einen aber in der richtigen Stimmung hält. Zum Beispiel bei «Babel» – manchmal nur ein Instrument, aber genial eingesetzt.

Zu «Champions» haben Sie den Titelsong geliefert. Würde Sie gern mal einen ganzen Soundtrack schreiben?

Das ist eine ganz andere Tätigkeit als Songwriting. Ich wäre wohl überfordert. Der Titelsong hat mir sehr Spass gemacht, das würde ich jederzeit wieder machen. Aber in Filmen ist die Musik von der ersten bis zur letzten Minute Teil des Geschehens – zwei Stunden lang!

Gibt es ein Filmgenre, das Sie besonders packt?

Ich mag amerikanische Independent-Filme, in denen die klassische Hollywood-Dramaturgie nicht plump umgesetzt wird. Bei Actionfilmen bin ich schon mehr als einmal im letzten Viertel eingeschlafen – dann ist es oft nur noch ein lärmiger Brei. Aber wenn Filme clever gemacht sind wie zum Beispiel «District 9», bin ich schon ein typischer Mann, der gerne Action hat.

In Ihren Liedern geht es oft um die Liebe... Mögen Sie Liebesfilme?

Ja, sehr! Es sind die emotionalen Spannungen, die mich bei einem Film reinziehen. Ich mag High-School-Movies lustigerweise noch gern – die erinnern mich an meine Schulzeit. Als ich noch keine Ahnung hatte, wie das Leben funktioniert, verknallt war in ein Mädchen, das mich doof fand und das auch an der ganzen Schule rumerzählt hat – das ganze verdammte Drama. Wenn man das als Erwachsener nochmals miterleben kann, ist das toll.

Was war der filmreifste Moment in Ihrem Leben?

Eine Reise mit meiner Freundin und einem alten Camper durch Kalifornien. Der Bus sah aus wie der vom «A-Team», wir fuhren in Richtung Death Valley, die Strasse flimmerte in der Hitze... Das volle Programm. In den Filmen kommen immer die normalen amerikanischen Gegenden vor, die typischen Kreuzungen, Diners und so weiter. In Schweizer Filmen müsste man eigentlich Migros-Restaurants und Autobahnraststätten zeigen, aber man filmt lieber in Szenecafés. In Amerika dagegen hat man tatsächlich das Gefühl, jede Strassenecke aus einem Film zu kennen.

Nehmen Sie in solchen Situationen auch selber die Kamera in die Hand?

Nicht direkt. Aber die Plattenfirma hat kein Budget mehr für Videoclips und das Medium Fernsehen ist auch nicht mehr so wichtig, man schaut die Clips auf Youtube. Das ist eine geniale Plattform. In den Skiferien habe ich mit Kollegen einen Clip zu «Superman» gedreht, den man sich jetzt dort anschauen kann.

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