Da steht sie am Klavier, auf Stilettos für die man einen Waffenschein braucht, greift in die Tasten und singt mit einer Kraft und Klarheit, die ihresgleichen sucht. «This Girl is on Fire!» Und wie!

Alicia Keys, die selbstbewusste R&B-Sängerin aus New York, ist in Basel gelandet. Eine kleine Sensation, wenn man bedenkt, dass sie in der Regel Stadien füllt. Und in diesem Jahr hat sie nur wenige Konzerte gegeben.

Eher nahm man sie als Bürgerrechtlerin und Aktivistin wahr, etwa bei ihrer engagierten Rede am Frauenmarsch in Washington.

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Dass die zwei Basler Shows recht exklusiv sind, manifestiert sich in den Ticketpreisen: Die günstigsten Plätze kosten 190, die teuersten 270 Franken. Und trotz ausverkauftem Saal hat das noch nicht gereicht, um die Gagenforderung zu erfüllen. Nur mit besonderer Hilfe des Gönnervereins, sagt Festivalchefin Beatrice Stirnimann, habe man sich diesen lang gehegten Traum erfüllen können.

Alicia Keys - Blended Family (What You Do For Love) ft. A$AP Rocky

Alicia Keys - Blended Family (What You Do For Love) ft. A$AP Rocky

Von Stadionpop bis zu lässigem Jazz

Alicia Keys enttäuscht die Erwartungen nicht: Sie ist Bandleaderin und Sängerin, stilsicher und souverän in allen Lagen. Die Songs sind variantenreich, reichen vom kräftigen Stadionpop («Girl on Fire») über das sehnsuchtvoll-epische «Empire State of Mind» (die berühmte Ode an New York) bis zum Prince-Cover «How Come You Don't Call Me», mit dem sie uns fingerschnippend in einen Jazzclub reinzieht.

Virtuos, charismatisch (und ganz ohne Allüren) führt Keys durch ihr 90-minütiges Programm: «Ich gebe ungern Konzerte, bei denen das Publikum sitzt», sagt sie einmal. «Aber hier gefällt es mir, ich spüre eine gute Energie.»

Auch wenn man ihr gebannt zuhört: Ganz makellos ist der Auftritt nicht. So schön etwa der organische Kontrabass im akustischen Set anzuhören ist, das Schlagzeug kommt ausnahmslos ab Band. Die Beats wummern zeitweise und wirken manchmal wie ein fremder Klangkörper. Schade.

Auch sind nicht alle Songs an diesem Abend gleichermassen mitreissend und spannungsgeladen. Aber Keys bringt diese mit so viel Verve auf die Bühne, dass man ob ihrer schieren Performance beeindruckt ist: Stimmlich schöpft sie aus dem Vollen. Gerade in den 6/8-Takt-Powerballaden «If I Ain't Got You» oder «Fallin'», zwei ihrer grössten Welthits, macht sie klar, woran sich all die Sängerinnen auf dieser Welt, die sich für Castingshows anmelden, messen müssen. Die Messlatte des Originals ist sehr hoch.

Ira May erfüllt sich einen Traum

Vor Alicia Keys' Konzert ist auch ein Traum für eine Baselbieter Sängerin in Erfüllung gegangen: Ira Mays erster Auftritt an der Baloise Session. Endlich habe es geklappt, «nachdem wir einige Jahre lang unterzukommen versuchten», sagte sie offenherzig und gerührt.

Haben wir die Soulsängerin im Sommer noch in sehr reduzierter Formation erleben können, so präsentiert sie sich auf der Messebühne in Grossformation, begleitet von neun Instrumentalmusikern und zwei Backingsängerinnen.

Die Band ist präzis, aber im Vergleich zu Alicia Keys' Auftritt fehlt es noch etwas an Feuer. Und an eingängigeren Refrains; man hätte sich ein, zwei catchy Melodien mehr gewünscht in diesem Set. Ira May betört einmal mehr dem dunklen Timbre ihrer Stimme – und ihrer sympathischen offenen Art. Das Publikum dankt ihr am Ende mit Standing Ovations.