«Eine von vielen» könnte man meinen, aber das ist die Band One Sentence Supervisor nicht. Kennen gelernt haben sie sich, wie zahlreiche wichtige Schweizer Bands, vor Jahren im Badener Jugendkulturhaus Merkker.

Namen wie Al Pride, Yokko und Pedestrians entsprangen dem günstigen Ost-Aargauer Musikklima und sind heute fester Bestandteil der nationalen Musikszene. Das 2015 geschlossene Merkker-Kulturlokal sei ein einfacher Weg gewesen, um mit anderen Musikern/-innen in Kontakt zu treten, meint Donat Kaufmann, Sänger und Gitarrist von One Sentence Supervisor.

Mit dem neuen Jugendhaus Werkk und den Lokalen Royal und Nordportal bestehen in Baden auch weiterhin die besten Voraussetzungen für junge Bands, die ersten und auch zweiten Schritte auf der grossen Bühne zu machen. One Sentence Supervisor machen nun ihren dritten Schritt.

«Acedia» ist das dritte Album der Band und es ist auch ihr erwachsenstes. Ein treibendes Schlagzeug, zerrende Gitarren, Ambientflächen und Gesang, der lange Hallfahnen nach sich zieht, sind die Basis des eigenständigen Bandsounds, den man mittlerweile nicht nur aus den Clubs der Schweiz, sondern auch von Festivalbühnen in ganz Europa schallen hört.

Mit neuen Klängen aus dem Nahen Osten

Nach Besetzungsänderungen in der Band hat sich mit dem virtuosen Oudspieler Bahur Ghazi ein neuer Grundpfeiler im Klang festgesetzt. Das Saiteninstrument aus dem Nahen Osten ist in Mitteleuropa besonders durch Rabih Abou-Khalil und Anbouar Brahem und ihren Kollaborationen mit Jazzmusikern bekannt geworden.

Auch Ghazi, der gebürtige Syrer, ist nach der Flucht aus Ägypten, wo er studiert und doziert hat, in der Schweiz anfänglich vor allem mit Jazzmusikern in Kontakt gekommen und konnte davon die namhaftesten für seine eigenen Projekte gewinnen. Immer wieder strahlen Ghazis arabische Tonleitern durch die zehn Songs, die man mit dem unzureichenden Genrebegriff Indierock beschreiben könnte, hindurch.

In übereinandergeschichteten Klangfächern wird die Musik so dicht, dass sie einen Sog entwickelt, der gleichermassen an die Tänze der Derwische wie auch an den psychedelischen Krautrock von «The Can» erinnert.

«Acedia» handelt von den Zweifeln und Widersprüchen und von der Lethargie und dem Zynismus, die das Leben als reflektierter Mensch im 21. Jahrhundert mit sich bringt: Man fliegt für 25 Euro nach Barcelona und gerät auf dem Weg zur Strandbar in eine Klimademonstration.

Auf den Begriff «Acedia» gestossen ist Kaufmann in einem Interview mit einem Soziologen, ursprünglich stammt der Ausdruck aber aus dem frühen Mittelalter. Er beschreibt den Zustand, in dem durch Trägheit und Ermüdung des damals stark religiös geprägten Alltags Glaubenszweifel aufkamen. Allerdings hätte ein Leben jenseits der Kirche neue ungewisse Gefahren bedeutet.

One Sentence Supervisor wollen sich der Passivität nicht hingeben, spielen gegen sie an, ohne moralisierend zu werden. Mit «Acedia» liefert die Band ein Album ab, das internationale Beachtung verdient.