argovia philharmonic
Beim neu benamsten Symphonie-Orchester sind auch Kinder willkommen

Das argovia philharmonic - ehemals Aargauer Symphonie Orchester - präsentiert das Saisonprogramm 2013/2014. Der neue Name bringt viele Änderungen, zum Beispiel, dass eine Kinderoper aufgeführt wird.

Christian Berzins
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Will nach oben: Das argovia philharmonic mit Dirigent Douglas Bostock.Jean-Jacques Ruchti (Archiv).

Will nach oben: Das argovia philharmonic mit Dirigent Douglas Bostock.Jean-Jacques Ruchti (Archiv).

Dann halt. Das Aargauer Symphonie- Orchester heisst jetzt argovia philharmonic – Spott der NZZ hin oder her. Um die Abkürzung wird noch gerungen, unser Favorit ist «aphi» (sprich: afi), an der Programmpräsentation der Saison 2013/14 am Mittwochmorgen in Aarau geistert die Abkürzung «Ago-Phil» herum.

Wie auch immer: Der Name bringt viel Neues, aphi-Präsident Jürg Schärer sagte gar in Anspielung darauf: «Der Ausblick macht den Rückblick obsolet.» Wobei aber nicht vergessen werden darf, dass die schöne, aber eher zurückhaltend besuchte Jubiläumssaison «50 Jahre ASO» künstlerisch grossartig war und ist.

Eine ins Auge stechende, markante Neuerung ist ein A4-Magazin, das zweimal im Jahr erscheinen wird und überreich an Informationen ist. Vom ersten Magazin grinst Vadim Repin entgegen. Der russische Stargeiger wird im November dreimal das Violinkonzert von Johannes Brahms spielen, das er 2009 mit Riccardo Chailly für die Deutsche Grammophon eingespielt hat. Apropos CD: Dank eines neuen Partners werden in Zukunft sämtliche Konzerte mitgeschnitten, zahlreiche CDs werden daraus entstehen und international vertrieben. Auch das legendäre Jubiläumskonzert vom 28. April wird so zum Glück bald nachklingen.

Zurück zur kommenden Saison. Das Konzert mit Vadim Repin ist ein Ereignis, nicht nur für die Aargauer. Doch schon im 1. Symphoniekonzert im September nimmt man den Geist des stargetränkten Festspielsommers auf und bietet mit der deutsch-russischen Pianistin Olga Scheps eine Klaviersolistin, die am Dienstagabend in der Zürcher Tonhalle die Besucher verzückte.

Der künstlerische Doppelschlag zum Saisonbeginn zeigt: Das argovia philharmonic gibt Gas. Die Handschrift des neuen Geschäftsführers Christian Weidmann ist in allen Bereichen deutlich zu erkennen. Mit schönen Programmen ist ein Aargauer Konzertsaal noch längst nicht voll. Es ist bisweilen geradezu brutal, wie das Aargauer Publikum reagiert, oder besser gesagt: nicht reagiert. Steht wie im vergangenen März ein nur etwas sperriges Programm an, kommt es nicht. Doch davon lässt man sich auch in Zukunft nur bedingt beirren.

Chefdirigent Bostock lebt auch nach 12 Jahren seine Ideen aus, spielt nächste Saison japanische Musik, dirigiert weiterhin die Stiefkinder Borodin, Vaughan Williams, Elgar oder Busoni. Dicke Kost, aber Kost, die seinem Orchester durchaus behagt. Das aphi zeigt damit Profil und Eigenständigkeit, auch wenn einem austauschbare Beliebigkeit lieber wäre. Im Januar-Zyklus kommt es etwa zur Aufführung des 2. Hornkonzertes von Richard Strauss – ein tolles Werk, das keinem Abonnenten geläufig ist.

Aber keine Angst: Grosse Sinfonien, die kantable Achte von Dvorak, Brahms’ melancholische Vierte gibts durchaus auch.

Viele Neuerungen zeigen sich auch im Programm «Perspektiven» – Musikvermittlungsangebote des argovia philharmonic – für das Andri Probst verantwortlich ist. Spannend, wie da Schüler und Kinder auf vielfältige Art angesprochen werden. Das Familienkonzert zeigt sich deutlicher denn je, gleich drei stehen in der Saison an, und auch eine Kinderoper wird aufgeführt. Und apropos Kinder: Sie können bei gewissen Konzerten mitgenommen werden, besteht doch ein Betreuungsdienst.

Ganz im Trend der Grossen vergisst man aber auch nicht die 20-Jährigen: «Chill With Phil» heisst eines der Spezialkonzerte, für das die Schachenhalle in Aarau in eine Klassik-Lounge umgewandelt wird, 800 Szenegänger könnten dort in die Welt der Klassik abtauchen. Die Älteren fühlen sich vielleicht eher zur «Weinsymphonie» hingezogen, wo Douglas Bostock und Albi von Felten über Wein, Essen und Musik ihre Geschichten erzählen.

Aus diesen wenigen Worten wird klar, was Schärer zum Schluss meinte, als er sagte: «Wir sind in der Neuzeit angekommen.»

Nächste Konzerte: Baden, Sa, 1. Juni, 19.30 Uhr, Suhr, So, 2. Juni, 17 Uhr, Di, 4. Juni, 19.30 Uhr. Möriken, Mi, 5. Juni. 19.30 Uhr.

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