«Murmeli»
Das Theater Basel macht jetzt auch Oper für Babys

Mit dem neuen Musiktheater «Murmeli» ermöglicht das Nachwuchsprogramm Oper Avenir Babys ein erstes grosses Klangerlebnis.

Jenny Berg
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Sofia Pavone, José Coca Loza und Ye Eun Choi aus dem Opernstudio «Oper Avenir» spielen und singen in «Murmeli» die Murmeltiere.

Sofia Pavone, José Coca Loza und Ye Eun Choi aus dem Opernstudio «Oper Avenir» spielen und singen in «Murmeli» die Murmeltiere.

Kim Culetto

Der Garderobenbereich im Foyer des Theaters Basel sieht aus wie der Eingangsbereich einer Kita: Kinderwagen, Wickeltaschen und Tragehilfen stehen dicht an dicht. Eine besondere Premiere steht auf dem Spielplan: «Murmeli», ein Musiktheater für Babys bis zu 18 Monaten und ihre Eltern. Und zwar zu einer Uhrzeit, die dem Bio-Rhythmus der Babys angepasst ist: Vormittags um 11 Uhr.

Hoch oben beim Nachtkaffee ist die Bühne (Marion Menziger) aufgebaut. Eine rechteckige Holzbox, etwas grösser als ein Klassenzimmer. Sie ist ausgekleidet mit Filzboden und Sitzkissen für die Kinder, mit Holzbänken für die Erwachsenen. Die sind heute deutlich in der Überzahl: Auf ein Baby kommen zwei bis drei Erwachsene. Viele Grosseltern begleiten gespannt ihre Enkel bei ihrer ersten Begegnung mit der Welt der Oper, aber auch Jungeltern sind dabei – die ihre Freizeit sonst eher selten im Theater Basel verbringen können. Ihnen einen Kulturanlass gemeinsam mit ihren Babys zu ermöglichen, auch das ist erklärtes Ziel des Projekts.

Gesten werden zu Klängen

Die drei Sängerinnen und Sänger von Oper Avenir, dem Nachwuchsprogramm des Theaters Basel, sitzen in der Mitte des Raumes, jeder auf einem aus Filz imitierten Sandfleck. Zwischen ihnen verläuft ein trockenes Bachbett mit vielen Steinen. Manche sind aus Filz, andere tatsächlich aus Stein, wieder andere zeigen sich später als Rasselinstrumente.

Sofia Pavone, Ye Eun Choi und José Coca Loza kauern wie schlafende Murmeltiere. Auch wenn sie mit ihrer silbergrauen Kleidung gar nicht wie Murmeltiere aussehen, erkennt man ihre tierischen Gesten sofort: Sie erwachen, gähnen und strecken sich, bewegen ihre Hände wie Pfoten, schauen neugierig umher. Und sie singen: schöne, klangvolle Laute, in allen nur erdenklichen Tonlagen.

Ihr Gesang ist mehr Geräusch, Klanggewordene Gesten des Staunens, des Erwachens und Entdeckens. Die Kinder sind hochkonzentriert. Die kleinen Babys staunen über die gesamten 30 Minuten hinweg; die Einjährigen kommentieren freudig und lautstark, und die Anderthalbjährigen greifen nach den Steinen, wollen mitmachen beim Steinmännchenbauen. Der Klang der überwiegend atonalen Tonlinien scheint den Babys wie das Rufen einer fremden Spezie zu sein.

Theater ist für alle da

Manche Eltern sind etwas übereifrig, erklären ihren Kindern das Bühnengeschehen in Echtzeit. Doch all jenen, die die Kinder einfach nur beobachten, bietet sich ein schönes Schauspiel über die Offenheit und Neugier der Kleinen gegenüber Klängen und Gesängen. Natürlich stellt sich unweigerlich die Frage, ob hier der Förderwahn an Kleinkindern nun auch im Babyalter Einzug hält. Doch die ruhige Atmosphäre von «Murmeli» wirkt eher wie eine bewegte Klanginstallation mit Ausstattung für die Allerkleinsten, wie ein Entdeckungsraum mit geführten Erlebnismöglichkeiten – und bietet nicht zuletzt eine Menge Anregungen, auch zu Hause mit den Babys einfache Klangbegegnungen zu wagen. Hier wird nichts gezielt gefördert, sondern ein besonderes Klangerlebnis ermöglicht.

Weshalb sich das Theater Basel dieses neuen Zielpublikums annimmt, erklärt Operndirektorin Laura Berman, die Initiantin des Projekts, im Anschluss an die Premiere: «Theater ist für alle da - nicht nur für ein Segment der Gesellschaft.» Die Babys sind also angekommen - als ernstzunehmendes Publikum von morgen.

Murmeli, Theater Basel. Weitere Vorstellungen ab 19.1. bis 14.2. www.theater-basel.ch

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