Ed Motta
Der Koloss von Rio beehrt das Stimmen Festival

Ed Motta ist in Brasilien ein Star. Jetzt kann man den Sänger und Musiker am Stimmen Festival in Lörrach entdecken.

Stefan Künzli
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Imposante Erscheinung: Multiinstrumentalist und Sänger Ed Motta. wikipedia

Imposante Erscheinung: Multiinstrumentalist und Sänger Ed Motta. wikipedia

In Sachen Funk, Soul und Jazz ist er in Brasilien seit Jahren das Mass aller Dinge. Bei uns ist Ed (sprich: Ätschi) Motta erst jetzt daran, seinen Geheimtipp-Status abzustreifen. Dabei ist der 45-jährige Sänger, Keyboarder, Komponist und Arrangeur kolossal – musikalisch und physisch.

Der Sohn italienischer Vorfahren ist 1971 in Rio geboren. Die ganze Motta-Sippe ist musikverrückt. Eduardos Onkel, der 1998 verstorbene Tim Maia, ist einer der Pioniere bei der Einführung von Elementen des Soul in die brasilianische Popmusik. Onkel Tim schenkte ihm auch ein Drumset, doch Ed gründete zunächst eine Heavy-Metal-Band, wo er auch zu singen begann. Seine Spezialität waren diese ganz tiefen, grunzenden Laute. Heute braucht er sie nur noch im Scatgesang. «Es hat meine Stimme so ruiniert, dass ich mich zweimal operieren lassen musste», sagte er dem Magazin «Jazzthing».

Erst danach schwenkt er auf die musikalische Linie seines Onkels ein. Der Erfolg stellt sich sofort ein. Mit dem Song «Manuel» gelang ihm 1988 ein Tophit, der in seiner Heimat noch heute ein Dance-Klassiker ist. Onkel Tim ging auf Distanz zu seinem Neffen, denn er fürchtete die Rivalität des Talents aus der eigenen Familie. Endgültig zum Star wurde Motta aber erst Mitte der 90er-Jahre mit Disco-Funk in portugiesischer Sprache.

Von Rio nach Berlin gezogen

Der Erfolg gab ihm danach alle künstlerische Freiheiten und seine Musik wurde jazziger, die Harmonien komplexer, der stilistische Mix vielfältiger. Motta ist ein eklektischer Musiker, ein Musik-Freak, der sich musikalisch aus seiner Sammlung von 30'000 Vinylscheiben bedient. Das Schwergewicht mit dem Hipster-Bart und der runden Nerd-Brille ist aber auch bekannt als Wein-, Tee- und Bierkenner. Ein Intellektueller und Geniesser, der auch ein enormes Wissen in der Film- und Hochkultur verfügt.

«Koloss von Rio» nennt man ihn in Rio. Inzwischen ist er aber nach Berlin umgezogen und macht sich jetzt auch in unseren Breiten einen Namen. Dabei hilft ihm sein aktuelles, zwölftes Album «Perpetual Gateways», das er in Kalifornien mit der Crème de la Crème der dortigen Musiker aufgenommen hat: Marvin Smitty Smith an den Drums, Patrice Rushen und Greg Philinganes wechseln sich an den Keys und die Flöte bläst Hubert Laws. Sonniger Westcoast-Sound, eine raffinierte, multi-stilistische Musik, die an Steely Dan erinnert. Ed Motta singt mit einer warmen, leicht rauchigen Stimme, bei der die Luft stets mitschwingt. Sehr relaxed und kontrolliert. Man hört George Benson, besonders im Scat-Gesang. Aber da ist vor allem Donny Hathaway, dieser heute fast vergessene Soul-Sänger, der schon 1979 verstarb. «Er ist mein absoluter Lieblingssänger», sagt Motta, «von ihm habe ich gelernt, die Luft beim Singen zu nutzen».

Der Rhythmus als Klischee

Ed Motta ist kein typischer brasilianischer Musiker. «Ich war immer von der schwarzen Musik Amerikas beeinflusst», sagt er. Der Bossa Nova war immerhin der Ausgangspunkt. «Durch den Bossa Nova bin ich zum Jazz gekommen, denn da steckt die ganze Harmonik drin. Für mich war der Rhythmus in Brasilien immer der unwichtigste Aspekt überhaupt. Brasilien und der Rhythmus – was für ein Klischee.»

Ed Motta ist live am Stimmen Festival, Donnerstag, 14. Juli, um 20 Uhr im Rosenfelspark Lörrach zu hören.