LOFI-Dogma-Projekt
Die Beschränkung als Befreiung

Seit fünf Jahren versucht das Zürcher LOFI-Dogma-Projekt, Bands für die Rückkehr zu einfacheren Aufnahmemethoden zu begeistern. Nun haben sich die Initianten zum ersten Mal ins Ausland gewagt.

Hanspeter Künzler, London
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Das Zürcher LOFI-Dogma-Projekt, versucht Bands für die Rückkehr zu einfacheren Aufnahmemethoden zu begeistern.

Das Zürcher LOFI-Dogma-Projekt, versucht Bands für die Rückkehr zu einfacheren Aufnahmemethoden zu begeistern.

Keystone

Es ist ein Londoner Studio wie tausend andere, versteckt in einem mit Autowerkstäten vollgepferchten Hinterhof in Clapham. Der Toningenieur Ben Williams hat es von Morcheeba übernommen, ausgebaut und möchte sich nun als Produzent etablieren. In typischer Lokalmanier weiss er, wie man improvisiert. Statt teuren Schallwänden hängen im geräumigen Aufnahmeraum Duvets, Bettdecken und Leintücher. Eine Woche lang hat sich hier nun das LOFI-Dogma aus Zürich eingenistet (http://www.lofidogma.com/).

LOFI-Dogma - es klingt nach Jesus-Sandalen, braunem Reis und dem Versuch, das Rad der Zeit aufzuhalten. Ist es aber nicht. Es geht darum, Musikern im Digitalzeitalter zu zeigen, dass eine Besinnung aufs Wesentliche - Mikrophon, Mischpult - spannende Impulse setzen kann. Die Idee entsprang dem Kopf von Daniel Hobi. Hobi gehörte lange Jahre der Zürcher Band Gabardine an und wirkt heute bei The Legendary Lightness mit.

Daneben liess er sich zum Toningenieur ausbilden, und zwar zufälligerweise bei der Firma Sound Development, deren Studio quasi als Basislager eines privaten Musikförderungs-Fonds dient. Hobi mochte sich mit der neuen Digitaltechnik nur beschränkt anfreunden: "Ich hatte das Gefühl, dass viele Musiker überfordert waren im Umgang mit all den neuen Tools." sagt er. Statt im Studio einen Sound zu erarbeiten, beschränke man sich immer mehr darauf, einen solchen nachträglich mittels Computer auszuklügeln. Hobi wünschte sich, dass die Arbeit am eigentlichen Klang zurück ins Studio verlegt würde: "Dass die Arbeit des Tontechnikers wieder mehr dazu beitragen könnte, aus dem Zusammenspiel der Instrumente ein stilistisches Ganzes zu formen."

Beim Arbeitgeber rannte Hobi offene Türen ein. Es wurden die neun Gesetze des LOFI-Dogma formuliert. Hier die wichtigsten. Regel 1: ein Song muss innert eines Tages aufgenommen sein. Regel 2: Alle Musiker und Instrumente müssen während den Aufnahmen gleichzeitig im Raum stehen. Regel 8: Nach der Aufnahmen dürfen keine Overdubs, Edits or Cuts vorgenommen werden. Regel 9: Die Resultate müssen an die Oeffentlichkeit gelangen. Fünfundvierzig Songs sind auf diese Weise in Zürich schon festgehalten und zum Teil auf CD veröffentlicht worden. Zu den Mitwirkenden zählten The Bianca Story, Weyermann, Evelinn Trouble, Sein und Fai Baba. Aber LOFI-Dogma soll kein Schweizer Geheimnis bleiben. London soll nur die erste von vielen internationalen Stationen sein, aus denen schliesslich - so der Traum - ein weltweites Netzwerk von LOFI-Dogmatikern entstehen soll.

Für London wurden die Bands The Wave Pictures, Jamie Harrison, Laish, Red Kite und Nimmo & The Gauntletts ausgesucht. Am Ende der Woche zeigten sich die Initianten begeistert: die Resultate hätten die Erwartungen übertroffen. Das erste, der Beitrag von Wave Pictures, ist bereits online der Rest folgt in Abständen von drei Wochen. "Ich bin zuversichtlich, dass wir auch in England ein grösseres Echo auslösen können, wenn wir dereinst ein Netzwerk geschaffen haben." sagt Marc Bernegger, der an der Seite von Hobi die internationalen Pläne betreut.

Das Hörbeispiel können sie hier abrufen.

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