Musik
«Death By Rock And Roll»: Das musikalische Zeugnis einer Wiedergeburt

Tragödien prägten die US-Rockband Pretty Reckless. Ihr viertes Album «Death By Rock And Roll» dokumentiert ihren Überlebenswillen.

Steffen Rüth
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Sängerin Taylor Momsen.

Sängerin Taylor Momsen.

Bild: Stephen J. Cohen/Getty

Taylor Momsen ist im für ­Rockstars lebensgefährlichsten Alter – Janis Joplin, Jimi Hendrix, Kurt Cobain und Amy Winehouse starben alle mit 27. Doch die blondbemähnte Sängerin von The Pretty Reckless macht sich keine Sorgen, es nicht bis zu ihrem 28. Geburtstag am 26. Juli zu schaffen. Denn die Todes­nähe hat sie hinter sich gelassen. «Mit 25 war ich nicht sicher, ob ich die 27 packen würde», sagt sie.

«Mein Leben hing am seidenen Faden. Ich war zu dieser Zeit schrecklich verzweifelt und maximal traurig. Ich konnte mich nicht entscheiden zwischen den Optionen Tod oder Weitermachen.»

In dieser ­dunkelsten Phase ihres Lebens schrieb die Sängerin das emo­tional packende Stück «25» mit Zeilen wie «at 25 all hope has died». «25» mitten in ihrer Verzweiflung schreiben zu können, bedeutete für sie einen riesengrossen Sprung nach vorn.

«Death By Rock And Roll», das vierte Album von Momsens 2009 gegründeter Band The Pretty Reckless, ist mehr als alles andere das musikalische Zeugnis einer Wiedergeburt. Dabei hört man den Songs das Drama, dem die vier Musiker und speziell Taylor ausgesetzt waren, gar nicht mal so deutlich an. Was ein bisschen zu bedauern ist. «Death By Rock And Roll» ist eine laute, kraftvolle Rockplatte, wie sie heutzutage kaum noch jemand macht. «Wir mussten als Band alles neu lernen», sagt Momsen.

«Deshalb hat dieses Album für uns die­selbe Energie und Spannung wie unser Debüt. Fast ist es ein kleines Wunder, ohne Musik wäre ich jetzt nicht mehr hier.»

Momsen ist als Hauptdarstellerin in der Teenagerserie «Gossip Girl» berühmt geworden, hat die Schauspielkarriere aber hinter sich gelassen. Sie meldet sich aus Maine, wo sie ein Häuschen besitzt. Eigentlich lebt sie in New York, aber so ein Lockdown lasse sich in Maine weitaus besser aussitzen als in Manhattan. «Ich lebe am Wasser und war den ganzen Sommer über im Ozean. Jetzt schaue ich im Garten den Babyfüchsen, Dachsen und Eichhörnchen zu.» Selbst ein süsses Stinktier sei gelegentlich zu Gast. Taylor Momsen hat ihr Leben also wieder im Griff.

Doch erkundigt man sich nach der Vorgeschichte von «Death By Rock And Roll», dem ersten The-Pretty-Reckless-Album seit fünf Jahren, muss man als Zuhörer auch schlucken. Im Mai 2017 spielten sie in Detroit das letzte Konzert der gemeinsamen Tournee mit Soundgarden. «Ich umarmte Chris (den Soundgarden-Frontmann Chris Cornell) und wachte am nächsten Morgen mit der Nachricht auf, dass er sich in der Nacht das Leben genommen hatte. Er war ein einmaliger Mensch. Ich verkroch mich komplett in meiner Trauer», sagt Taylor.

Pink Floyd und die Beatles retteten ihr Leben

Gerade als Taylor langsam wieder auftaute und die Planungen für ein neues Album begannen, kam Stammproduzent Kato Khandwala bei einem Motorradunfall ums Leben. «Kato war mein bester Freund. Ich wusste nicht mehr, was ich tun sollte. Ich fiel in ein Loch aus Depressionen und Drogen. Ich lebte isoliert und umhüllt von tiefster Traurigkeit. Ich resignierte und war mir nicht sicher, ob ich diesen Zustand jemals wieder verlassen könnte oder wollte.»

Was Taylor Momsen aus der Malaise rausgeholt hat? Neben einer psychiatrischen Therapie die Musik. «Pink Floyd und die Beatles haben mich davor bewahrt zu sterben und mich nach und nach ins Leben zurückgeholt», sagt sie. Die Songs flossen dann nur so aus ihr heraus. Dass die Band ihr Album «Death By Rock And Roll» tauften, habe aber keinen morbiden oder todessehnsüchtigen Hintergrund. Im Gegenteil.

«Das war Katos und unser Schlachtruf. Unser Mantra. Wir werden Rockmusik machen, bis wir sterben. Aber bis dahin wollen wir leben.»

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