Rock
Franz Ferdinand bleiben sich auf dem vierten Album treu

Franz Ferdinand bringt ihr viertes Album auf den Markt - und bleibt sich treu. Die britische Indie-Rockband aus Glasgow stellt «Right Thoughts, Right Words, Right Action» am kommenden Zürich Open Air vor.

Hanspeter Künzler
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Franz Ferdinand veröffentlichen am Freitag ihr Album (v.l.): Nick McCarthy, Alex Kapranos, Bob Hardy und Paul Thomson.

Franz Ferdinand veröffentlichen am Freitag ihr Album (v.l.): Nick McCarthy, Alex Kapranos, Bob Hardy und Paul Thomson.

Andy Knowles

Zehn Jahre sind verstrichen, seit die Kunde in den Süden gelangte, dass es in der viel gerühmten Kunststudentenszene von Glasgow wieder einmal richtig rumort. Grund für die Aufregung war die Band Franz Ferdinand. Sie spielte messerscharfe Gitarrensynkopen, verfügte über ein endloses Reservoir von unvergesslichen Refrains und unterlegte das Ganze mit astreinen Disco-Beats, welche die Hallen – am Anfang waren es noch illegale Raves und Partys – in ein einziges Schweissmeer verwandelte.

Franz Ferdinand waren eine Art Anti-Oasis: Statt schnoddriger Grooves kredenzten sie präzis komponierte Rock-Songs, statt Jeans und Mod-T-Shirts trugen sie Anzüge mit Bügelfalten, statt von den Beatles schwärmten sie von den eigenbrötlerischen Sparks. Die von den russischen Konstruktivisten beeinflussten Plattenumschläge und der eigenartige Band-Name suggerierten derweil ironische Wurzeln im mitteleuropäischen Bildungsbürgertum.

Das Rezept schlug ein wie eine Bombe. Fürs Debüt-Album bekamen sie 2004 den Mercury-Preis fürs «wichtigste britische Album des Jahres» zugesprochen, und niemand murrte. Es folgten diverse Brit-Awards und Chart-Ehren zuhauf. Sogar in den USA, wo britische Gitarrenbands traditionellerweise einen schweren Stand haben, landeten die nächsten beiden Franz-Ferdinand-Alben in den Top 10.

Erfolg nach Grammy-Auftritt

Mit ihrer spektakulären Darbietung bei der Grammy-Zeremonie 2006 knackten sie sogar die Bastion des amerikanischen Pop-Establishments. An den Moment erinnern sich Sänger Alex Kapranos und Drummer Paul Thomson nicht nur mit Freude. «Den Auftritt hätten wir wohl besser sein gelassen», sagt Kapranos heute. «Das subversive Gefühl, dass wir als Indie-Band in einer solchen Veranstaltung gelandet sind, haben wir genossen. Doch es war wirklich nicht mein natürliches Habitat. Ich kämpfte die ganze Zeit dagegen, von jener Welt absorbiert zu werden. Ich will nicht dort hin gehören», sagt Kapranos weiter.

Beinahe wäre die Band an der Klippe ihres Erfolges zerschellt. «Wir hatten alle jahrelang in diversen kleinen Bands gespielt, bei denen wir schon jubelten, wenn wir nur einmal in Edinburgh auftreten durften», erzählt Thomson. «Und jetzt hagelte es plötzlich Einladungen von überall her. Alle wollten uns. Und wir haben alles gemacht, einfach, weil wir keine Einladung ausschlagen wollten.» Drei Alben lang hielt die Band das hektische Leben aus. Dann zog sie sich in ihren natürlich Habitat zurück, um – so drückt es Thomson aus – «unser wirkliches Leben zu leben, statt rund um die Uhr Franz Ferdinand zu spielen.» Die Musik konnten sie indes nicht ganz lassen. So vergnügte sich Thomson eingehender mit seiner zweiten Band, Correcto: «So ist das eben bei uns in Glasgow», sagt er. «Man besucht Freunde, alle spielen ein Instrument, und schon ist eine neue Band entstanden. Alle machen es so. Es ist die Alternative zum Ausgehen und sich Besaufen.»

«Right Thoughts, Right Words, Right Action» heisst nun das vierte Franz-Ferdinand-Album. «Es kam uns diesmal ganz auf die Spontaneität an», sagt Kapranos. «Statt monatelang im Studio zu verbringen, haben wir die Lieder in mehreren kurzen Abschnitten aufgenommen. Nie mehr als zwei Wochen, nie mehr als fünf Anläufe für einen Song.» Nach dem Synthesizer-lastigen letzten Werk stehen diesmal wieder die Gitarren im Vordergrund. Schräge Elektronik-Klänge und Gitarren-Effekte sorgen für ein Klangbild voller freudiger Überraschungen. Und die Refrains sind unwiderstehlich wie eh und je.

Franz Ferdinand, Right Thoughts, Right Words, Right Action, Domino/MV. Erscheint am 23. August.

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