Künstlerhaus Boswil

Für ihn ist das Leben ohne Musik ein Irrtum

Lars Vogt spielt Brahms piano Sonata No

Lars Vogt spielt Brahms piano Sonata No

Dem Pianisten Lars Vogt geht Kammermusik über alles: Er spielt mit der Klarinettistin Sharon Kam. Demnächst im Künstlerhaus Boswil.

Düren? Kammermusikfreunde wissen, wo diese Stadt liegt: Zwischen Köln und Aachen. Für sie ist der Bahnhof in Düren mehr als eine praktische Notwendigkeit: Eine Verheissung, denn von dort fährt die Rurtalbahn nach Heimbach. Ein Name, der auf Kammermusikfreunde wie ein Stromschlag wirkt. Was aber passt zu einer Idylle in der Eifel, wo seit 1998 stattfindet, was die Musikliebhaber in Atem hält: «Spannungen: Musik im Kraftwerk».

Wahrscheinlich kann nur einer wie der in Düren aufgewachsene Pianist Lars Vogt auf die Idee kommen, in Deutschlands prächtigstem Jugendstilkraftwerk mit Gleichgesinnten Kammermusik zu spielen. Das Wort verrückt ist schnell zur Hand. Doch wer Vogt als Pianisten oder im Gespräch erlebt, ahnt, dass die Gründung von «Spannungen» wohl schlicht einer inneren Notwendigkeit entsprungen ist.

Nicht umsonst kann man auf der Website des Pianisten lesen: «Das Leben ohne Musik ist ein Irrtum.» Die Worte wirken diskret; plakativ für seine Überzeugung werben, will Vogt nicht. Das heisst aber nicht, dass der Musiker, den die Berliner Philharmoniker zum ersten «Pianisten in Residence» erkoren haben, nicht eloquent über Musik und die damit verbundenen Anliegen sprechen könnte.

Junge Menschen und klassische Musik

Besonders eindrücklich manifestiert sich das im «Rhapsody in School»-Projekt, das Vogt mit einem Netzwerk von Musikerinnen und Musikern begründet hat. Vogt erfüllte sich damit einen Herzenswunsch: Junge Menschen schon früh mit klassischer Musik vertraut machen - rational wie emotional. Zwischen Rationalität und Emotionalität bewegt sich auch Lars Vogts Spiel. Wer diesem Pianisten zusieht und zuhört, erkennt eine Ernsthaftigkeit, die von der Freude am vitalen, aber nie kraftmeierischen Spiel unterfüttert ist.

Das macht Vogt-Konzerte so persönlich, und, selbst in Riesenräumen wie der Berliner oder der Kölner Philharmonie, intim. Nähe bei gleichzeitiger Wahrung einer feinen Distanz - dies zu erwirken, ist eine Kunst, die den bald 42-Jährigen auszeichnet. Besonders schön lässt sich das bei den «Spannungen» verfolgen. Lars Vogt ist da nicht nur Festival-Leiter, sondern auch Moderator, Gastgeber und - Freund. Mit Freunden Kammermusik auf Weltklasse-Niveau spielen - das erscheint Vogt immer wieder wie ein Wunder.

Er selbst hat das Festival «als ungeheure Bereicherung» bezeichnet. Er habe vor allem gelernt, «was man auf dieser Welt mit Begeisterung und Idealismus bewegen kann. Dafür bin ich allen zutiefst dankbar, die das möglich gemacht haben.» Da hat er bestimmt auch an die Klarinettistin Sharon Kam, Stammgast in Heimbach, gedacht, mit der er in Boswil Schumann, Brahms und Berg spielen wird.

Künstlerhaus Boswil 18. März, 17 Uhr.

Meistgesehen

Artboard 1