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Gianna, warum singen Sie «O sole mio»?

Gianna Nannini hat mit «Hitalia» ein Coveralbum mit wichtigen italienischen Canzone aufgenommen.

Ismail Osman
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Gianna Nannini rockt auch mit 60 Jahren wie früher. Ho

Gianna Nannini rockt auch mit 60 Jahren wie früher. Ho

«La Gianissima» meldet sich zurück. In den vergangenen Jahren machte Gianna Nannini (60) eher durch ihr Privatleben als durch Musik Schlagzeilen. So löste die Geburt ihrer Tochter vor vier Jahren heftige Debatten über Alter und Schwangerschaft aus. Im vergangenen Frühling kam eine unangenehme Steuerhinterziehungsaffäre hinzu, die noch nicht abgeschlossen ist.

Nun aber sendet Gianna Nannini wieder erste musikalische Lebenszeichen. Kürzlich erschien das Album «Hitalia», das 15 Adaptionen von bekannten italienischen Canzone enthält. Zudem wird sie im kommenden Frühjahr im Rahmen der Konzertreihe «Rock Meets Classic» in Sursee zu sehen sein.

Korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege, aber die Welt kennt genau drei Dinge aus der toskanischen Stadt Siena: das traditionelle Pferderennen «Palio», das Süssgebäck «Panforte» und Gianna Nannini.

Gianna Nannini: Also bei mir müssen Sie schon ein bisschen genauer sein.

Wie bitte?

Na, ich stamme aus Fontebranda im Stadtdistrikt Oca – das nehmen wir sehr ernst in Siena.

Sie haben ein Album mit Coverversionen bekannter italienischer Hits aufgenommen. Einverstanden, dass ein gutes Cover-Album zu machen eine unterschätzte Kunst ist?

Wie meinen Sie das?

Eigentlich scheints ja nichts Leichteres zu geben, als gestandene Hits zu singen. Andererseits gibt es kaum etwas Schrecklicheres als eine schlechte Coverversion.

Ich gebe Ihnen recht: Man hat eine gewisse Verantwortung gegenüber diesen Songs. Die Melodien, die ja nicht auf meine Stimme zugeschnitten sind, korrekt zu interpretieren, ist nicht ohne.

Ist es schwieriger, die Songs von anderen zu singen als die eigenen?

Nein, nein (lacht). So weit würde ich dann auch wieder nicht gehen. Eigene Songs zu schreiben und zu singen, ist ein viel schmerzhafterer Prozess. Man muss in sich gehen und etwas von sich preisgeben. Dieser ganze Leidensweg fiel bei diesem Album natürlich weg.

Wie soll man dieses Album innerhalb Ihrer Diskografie einordnen?

Es ist autobiografisch. Jeder der ausgewählten Songs hat eine spezielle Bedeutung für mich und repräsentiert einen bestimmten Moment oder eine Stufe in meinem Leben.

Sie meinen Lieder wie «L’Immensità» von Don Backy. Noch bevor der Song richtig beginnt, hört man Sie darüber sprechen, wie wichtig er für Sie als junges Mädchen war.

Eigentlich hab ich das einfach so zum Toningenieur im Studio gesagt. Mir war gar nicht recht bewusst, dass der Song bereits begonnen hatte. Aber es passt irgendwie, deshalb haben wir uns entschieden, es drinzulassen.

Weshalb war denn dieser bestimmte Song für die junge Gianna Nannini so wichtig?

Der Song erschien 1967, und das Konzert von Don Backy war eines der ersten, die ich live sah – während dieses Konzerts fiel mein Entscheid, Sängerin zu werden.

Gianna, wir müssen über «O sole mio» reden.

Okay ...

Es gibt ja keinen Song, der mehr mit allen möglichen Italia-Klischees verbunden wird als diesen.

Worauf wollen Sie hinaus?

Wenn man liest, dass Gianna Nannini jetzt auch noch «O sole mio» singt, denkt man sich doch: Jetzt ist die Welt endgültig verrückt geworden. Gibt es einen Grund für diesen Wahnsinn?

Lassen Sie mich überlegen. Das Lied stammt aus dem Jahr 1898. Meines Wissens wurden bisher 76 Versionen des Songs veröffentlicht – aber bisher noch keine Rock-Version. Das haben wir nun nachgeholt.

Gianna Nannini wird im Rahmen der Konzert-Show «Rock Meets Classic» als Special Guest auftreten. 15. März in Zürich, 17. März in Sursee. Infos und Tickets unter www.ticketcorner.ch. Das Album «Hitalia» ist im Handel erhältlich.

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