Popjahr 2013
Haim, Angel Haze und JJ & Palin: Das sind die Popstars von morgen

Justin Bieber war gestern. Die Popstars, die im laufenden Jahr abräumen sollen, wenn es nach Experten geht, heissen Haim, Angel Haze, JJ & Palin oder Palma Violets. Die nächste Newcomer-Generation steht jedenfalls in den Startlöchern.

Renzo Wellinger
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Eine der heissesten Newcomer des Jahres: Haim – drei Schwestern aus Los Angeles.

Eine der heissesten Newcomer des Jahres: Haim – drei Schwestern aus Los Angeles.

Universal

Lässig cruisen die drei Girls auf ihren Rollern durch eine kalifornische Grossstadt. Ihre für angehende Popstars uncool wirkenden langen Haare wehen im Wind, dazu ein geschmeidiger Groove mit unverschämt eingängigem Refrain. Eine neue Version der Kelly Family?

Nicht ganz. Die drei Schwestern aus Los Angeles, die unter ihrem Familiennamen Haim auftreten, gelten als eine der heissesten Newcomer-Bands des noch jungen Jahres. Das Video zu ihrer Single «Forever» wurde bislang eineinhalb Millionen Mal bei Youtube angeklickt – und das, bevor das Trio überhaupt ein komplettes Album vorgelegt hat.

Melange aus R’n’B und Folk

Früher gaben die drei Schwestern zusammen mit ihren Eltern als Rockinhaim Cover-Versionen zum Besten. Heute kombinieren sie zuckersüsse, mehrstimmige Melodien von 90er-Jahre-R’n’B-Girlbands wie TLC und Destiny’s Child mit den Folk-Gitarren von Fleetwood Mac und Sängerin Stevie Nicks. Das Resultat dieser Melange ist ein frischer Pop-Sound, von dem Katy Perry genauso schwärmt wie Musikkritiker.

Wie jedes Jahr geben Blogger und Branchenkenner ihre Tipps für die talentiertesten Nachwuchsmusiker ab. In Hipster-Magazinen und Online-Umfragen werden in sogenannten «Hotlists» die Namen der vielversprechendsten Newcomer ermittelt. Haim gehören zweifelsohne zu den Favoriten des Jahres.

Ihre ersten Songs und die aktuelle Single «Don’t Save Me» machen Lust auf mehr, derzeit feilt die Band mit Hit-Produzent Paul Epworth (Adele, Florence & The Machine) an ihrem ersten Longplayer. Viele Talente werden durch Newcomer-Rankings zu früh ins Licht der Öffentlichkeit gerückt und können die Vorschusslorbeeren danach nicht erfüllen.

Eine Single - und schon Erneuerer

Die Londoner Band Palma Violets zum Beispiel hat gerade mal eine Single veröffentlicht – und wird bereits als Erneuerin des Rock in den Himmel gelobt. Diese unkontrollierbare Hype-Maschinerie kann für junge, unerfahrene Künstler problematisch sein. Umgekehrt verhelfen Newcomer-Bestenlisten unbekannten Acts zu Aufmerksamkeit und können ein Türöffner in die Musikbranche sein.

In den kommenden zwölf Monaten können sich nach Ansicht von verschiedenen Musikexperten unter anderem die New Yorker Rapperin Angel Haze, die britischen Singer/Songwriter Jake Bugg und Tom Odell, die ebenfalls aus England stammende Jazz-Sängerin Laura Mvula sowie das experimentelle R’n’B-Duo AlunaGeorge Hoffnungen auf einen baldigen Durchbruch machen. Sie gehören zu den meistgenannten Kritikerlieblingen des noch jungen Jahres.

Vielversprechend klingt auch die Band Bastille um Dan Smith, die bislang mehrere Singles und dazu schaurig-schöne von David Lynch inspirierte Videos veröffentlichte. Genre-Grenzen kennen diese Briten nicht. Bastille covern sich kreuz und quer durch die Pop-Geschichte.

90er-Jahre-Covers

Besonders die 90er scheinen es dem Quartett angetan zu haben. So haben sie in «Of The Night» die 90er-Hits «Rhythm Is A Dancer» von Snap und «The Rhythm Of The Night» von Corona kombiniert und neu interpretiert. Bei Bastille werden die Eurodance-Nummern zu reduziert arrangierten folkig angehauchten Club-Tracks. So klingen auch die Eigenkompositionen auf ihrem für März angekündigten ersten Studioalbum. Ein innovativer, schwer einzuordnender Stil-Mix.

Undefinierbar ist auch der Sound von Woodkid. Der Franzose wurde als Werbefilmer mit Videos für Stars wie Katy Perry und Lana del Rey bereits mit Preisen überhäuft. Sein Video zur Single «Run Boy Run» ist nun für einen Grammy nominiert. Der Song verbindet Indie-Folk mit bombastischen Pop-Arrangements. Dabei ordnet Yoann Lemoine, so der kreative Kopf mit bürgerlichem Namen, jedem Gefühl in einem Song ein anderes Instrument zu. Sein erstes Album «The Golden Age», das im Sommer erscheint, dürfte also ziemlich opulent ausfallen.

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