Konzert
Hip-Hop-Legenden Jay-Z und Kanye West enttäuschen in Zürich

Das Zürcher Hallenstadion war mit 13000 Zuschauern bis auf den letzten Platz ausverkauft. Die beiden legendären Hip-Hopper Jay-Z und Kanye West konnten die hohen Erwartungen des Publikums allerdings nicht erfüllen. Der Funke wollte nicht springen.

Stefan Künzli
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Mit ihrem gemeinsamen Album «Watch The Throne» haben Jay-Z (42) und Kanye West (35) im letzten Jahr einen Meilenstein in Sachen Hip-Hop gesetzt. Dementsprechend gross waren die Erwartungen auch für die Show der beiden einflussreichsten Hip-Hopper des letzten Jahrzehnts im Hallenstadion in Zürich.

Was die Beiden auszeichnet und von vielen Hip-Hoppern abhebt, ist ihr grosses Geschichts- und Traditionsbewusstsein. Jay-Z und Kanye West sind nicht nur Rapper, sondern Musiker. Auch am Konzert im Hallenstadion wurden hin und wieder Anleihen an die Tradition eingespielt. Doch sie wurden meist von einem dröhnenden Bass zugedeckt und von den Wortsalven der Hauptdarsteller niedergemäht.

Dürftige Musik

Respekt vor der afro-amerikanischen Tradition tönt anders. Möglich, dass die problematischen Soundverhältnisse im Hallenstadion dem einst ambitionierten Projekt den Rest gaben. Von der durchdachten, raffinierten Klangcollagen von «Watch The Throne» ist am Konzert aber nicht mehr viel übrig geblieben. Während sich die beiden Alpha-Tiere auf dem Album erstaunlich zurückhielten, ja unterordneten und damit zum Gelingen des musikalischen Projekts beitrugen, haben sich die beiden rappenden Egomanen am Konzert mit aller Kraft und Brutalität zurückgemeldet.

Aber nicht nur die Musik, von einem Trio gespielt, resp. reproduziert, war dürftig. Auch das visuelle Erlebnis war enttäuschend. Eine grosse Leinwand und Lichteffekte genügen heute nicht mehr. Zwei Hebebühnen, inmitten der Halle, waren noch die überraschendsten Effekte. Gerade von den prägendsten Musikern der Gegenwart kann definiv mehr erwartet werden. Nein, das war nicht das Hip-Hop-Ereignis des Jahres.

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