Autobiografie
Lügen-Vorwürfe gegen DJ Bobo: «Das zeigt leider seinen wahren Charakter»

Nach 30 Jahren Musikgeschäft und mehr als 15 Millionen verkauften Tonträgern veröffentlichte René Baumann alias DJ Bobo (48) diese Woche seine Autobiografie «Der ganz normale Wahnsinn». Und bereits wird Kritik laut: «Darin wird vor allem über die Anfangszeiten wahnsinnig viel gelogen», sagt Gutze Gautschi (59) zur «Schweiz am Sonntag».

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DJ Bobo unter Beschuss.
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DJ Bobo
2003 bei der einmaligen Rückkehr in den ehemaligen Club «Don Paco» in Wohlen, wo er in den 80ern als Resident-DJ fest angestellt war. Monatslohn: 3000 Franken
1997 mit einem Synthesizer im Studio. Ein Promo-Bild für das «Live»-Magazin.
Im FC Kölliken fand René Zuflucht, wenn der Stiefvater trank und Mama schlug. Er wurde Captain und Platzwart. Fussball spielt er bis heute, mit seiner Firmenmannschaft «DJ Bobo Team».
Mitgliederausweis des Jugendhauses Tuchlaube Aarau: Hier übte René Baumann als 16-Jähriger DJing und Tanzen.
DJ Bobo 1994 auf der Bühne im Zürcher Hallenstadion.
2002 erhielt DJ Bobo den Preis für den bestverkaufenden Schweizer Künstler.
DJ Bobo findet, dass er in der Schweiz zu wenig populär ist.

DJ Bobo unter Beschuss.

Michael Sinn

Der Hitmacher entdeckte DJ Bobo, nahm ihn 1992 exklusiv unter Vertrag und investierte mit seiner Firma Fresh Music viel Geld in den damals noch unbekannten Künstler. Gautschi und sein Arbeitskollege Mark Wyss (52) waren es, die unter anderem DJ Bobos Superhits wie «Somebody Dance With Me», «Everybody» und das erste Album produzierten und somit seiner grossen Karriere den Weg ebneten.

Die zwei Produzenten, die damals gemäss eigenen Angaben Tag und Nacht für Bobo arbeiteten und ihm auch viele lukrative Auftritte vermittelten, kommen im Buch nicht namentlich, sondern nur abschätzig als «die Jungs von Fresh Music» vor.

DJ Bobo auf Tournee (Archiv)
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DJ BoBo in Aktion (Archiv)
DJ Bobo
Talent sucht Talente: DJ Bobo (Archiv)
Die Jury: DJ Bobo, Christa Rigozzi und Roman Kilchsberger.
DJ Bobo bei einem Konzert
DJ Bobo spielt im Grand Casino Baden Der Entertainer beantwortete zwischen den Songs Fragen aus dem Publikum
DJ Bobo sammelt Geld für das WFP (Archiv)
DJ Bobo engagiert sich gegen Hunger (Archiv)

DJ Bobo auf Tournee (Archiv)

Keystone

Gautschi dazu: «Das zeigt leider seinen wahren Charakter. Über die Personen, die ihn wirklich zum Star machten, verliert Bobo kein Wort. Das ist etwa so, als würde Ex-Miss Christa Rigozzi in ihrem aktuellen Buch ihren Missen-Titel leugnen!» Zudem verdrehe Bobo komplett die Tatsachen: So wie er beispielsweise die Situation an der Musikmesse in Cannes im Buch schildere, glaube man als Leser, er habe die weltweiten Plattenverträge selber ausgehandelt und unterzeichnet.

«Bobo sass nur auf dem Sofa und liess uns arbeiten»

«Das ist schlichtweg gelogen», sagt Gautschi zur «Schweiz am Sonntag». «Als Inhaber der Plattenfirma hab ich das gemacht. Jeder, der in dieser Branche arbeitet, weiss, dass dies so funktioniert.» Zudem stimmen gemäss Gutze Gautschi, der auch für sämtliche Geld-Abrechnungen verantwortlich war, die von Bobo gemachten Angaben der Tonträgerverkäufe nicht: «Die waren alle viel höher!»

Dass der Star DJ Bobo in seiner Biografie schreibt, er habe seine Songs im Studio selber gemischt und produziert, verneint sein ehemaliger Produzent: «Tatsache ist, Bobo sass nur auf dem Sofa und liess uns arbeiten – wir, also Mark Wyss und ich, produzierten die ersten Hits.» Gautschi, der bereits das Buch «DJ Bobo – Die vergessenen Jahre» schrieb, arbeitet an einem zweiten Werk. «Dort wird dann die Wahrheit noch schonungsloser ans Tageslicht gebracht.»

«Schweiz am Sonntag» konfrontierte das Management von DJ Bobo diese Woche schriftlich mit den Lügen-Vorwürfen. Stellung dazu will der Familienvater nicht nehmen: «Es steht alles, was es zu sagen gibt, bereits im Buch. Dazu gibt es nichts hinzuzufügen!», antwortet Manager Oliver Jmfeld.

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