Sie ist eine Sängerin, die musikalisch nicht leicht zu verorten ist: Nelly Furtado. Was hat die Kanadierin nicht alles gemacht, seit ihr 2000 mit dem flockigen Debütsong «I’m Like a Bird» der Durchbruch gelang? R&B für die Tanzfläche, Latin fürs Corazon aber auch Stampfmusik für Fussballfans. Dabei hat die Tochter portugiesischer Immigranten immer wieder zu überraschen vermocht.

Zuletzt vor allem mit ihren Aussagen: «Man ist ein Zirkuspferd in diesem Beruf», äusserte sie sich kritisch über die Branche und gestand: «Die Karriere als Popmusikerin füllte mich nicht mehr aus.» Sie liebte nicht mehr, was sie tat.

Damit lässt sich die grosse Funkstille der letzten Jahre erklären. Furtado erzählte offenherzig, dass sie sich lieber um ihre Tochter kümmerte, um den Haushalt («Das eigene Klo zu putzen war wie Meditation») und um ihre Weiterbildung (sie besuchte Kurse an der Uni). Fünf Jahre lang machte sie «die Inventur meines Lebens», bis sie in diesem Frühjahr zurückkehrte: Mit neuem Album «The Ride» und einer Tour, die sie nun auch nach Basel geführt hat.

Charismatischer Mezzosopran

An der Baloise Session gab Furtado den funkelnden Star, geschmückt wie Liz Taylor zu ihren besten «Cleopatra»-Zeiten. Herausragend in ihrer Performance waren nicht die Moves – selbst ihre Tanzmusik präsentierte sie eher stoisch – sondern ihre Stimme. Im Mezzo-Sopran zu Hause, vermochte sich die Sängerin auch in hohen Lagen charismatisch durchzusetzen.
Variabel war auch ihr Konzertrepertoire, das zwischen gefälligen und mitreissenden Stücken changierte.

So begann sie mit einer ausgedehnten Version ihres 2006er-Hits «Say It Right», einer sehnsuchtsvollen R&B-Nummer, bei der sich ihre erstklassigen Begleitmusiker von der besten Seite präsentierten. Wie Bandchef Adam Pickrell auf seinem Moog-Synthesizer einen E-Bassisten ersetzte, liess aufhorchen: enorm groovy und virtuos; souverän wie die restlichen drei Instrumentalisten, die Furtado in der texanischen Hauptstadt Dallas angeheuert und mit der langjährigen Backing-Sängerin Celia Palli auf Tour genommen hat.

So beglückend der Start, so unglücklich die Dramaturgie nach dem dritten Lied, «Powerless», als die grössten Fans endlich vor die Bühne durften: Ausgerechnet jetzt nahm Furtado Tempo raus und dämpfte die Anfangseuphorie mit der Allerweltsballade «Pipe Dreams», gefolgt von einer Unplugged-Einlage («Try») und eher langweiligem Poprock («Manos Al Aire»).

Eklektisches Repertoire

Ein bisschen irritierend, dass auch danach, als sie mit «I’m Like a Bird» oder «All Good Things» bestbekannte Hits servierte, keine enthusiastische Stimmung aufkam (man applaudierte eher höflich denn euphorisch). Dabei gab sich Furtado nahbar, machte High-Five mit der ersten Reihe, scherzte und kicherte und forderte das Publiku zum Weitersingen auf. Doch die Mehrheit der Besucher dieses Konzertabends wirkte so hüftsteif, als seien sie zu einer Aktionärsversammlung erschienen.

Furtado machte zwar gute Miene zur mangelhaften Partizipation, aber man konnte hinter ihrem professionell aufgesetzten Lächeln erkennen, dass sie sich euphorischere Feedbacks gewohnt war. Lags am Publikum? Oder lags doch an der Dramaturgie, am eklektischen Repertoire, das viele balladeske Momente und Stilwechsel enthielt?

Einfache Signale wie der Uptempo-Stampfer «Força» (der Song zur Euro 04) jedenfalls kamen sehr gut an. Endlich riss es die Leute von den Sitzen.

EM 2004:  Nelly Furtado mit  «Força»

EM 2004: Nelly Furtado mit «Força»

Die Nummern ihres neuen, sechsten Albums hingegen waren eher vernachlässigbar.
Was aber immer überzeugte: Furtados stilsicherer Gesang und die satt aufspielende Band, sei es in «Maneater» oder dem allerletzten Song, dem cool funkigen «Turn Off The Lights». Spot aus, Licht an. Até a próxima vez, Nelly.