Kammermusik

Neue Nachtmusik, virtuos und herausragend

Heinz Holliger, 2019 am Lucerne Festival

Heinz Holliger

Heinz Holliger, 2019 am Lucerne Festival

Die Basler Musiker Heinz Holliger und Felix Renggli erkunden auf einer neuen CD das kammermusikalische Werk von Xavier Dayer.

«Allmählich an einen lautlosen Ort gelangen» wolle er in seinem «Nocturne», schreibt Xavier Dayer. Die Ereignisdichte ist gleichwohl sehr hoch, wie das in zeitgenössischer Musik oft der Fall ist. Dayer liebt es, die fünf Instrumente in virtuose solistische Partien zu treiben. Sehr oft kreiert er Gegensätze zwischen Klangflächen und quirlig bewegten Partien in den verschiedenen Instrumentalfärbungen.

Die Schönheit des spezifischen Klangs von Oboe, Flöte und Streichern liegt ihm am Herzen, er treibt selten ein Spiel mit den Tönen, die man – neben den naturgegebenen – auch noch aus einem Instrument heraus holen kann.

Kammermusik aus allen Regionen der Schweiz

Neben der Oboe von Heinz Holliger und der Flöte von Felix Renggli bilden Daria Zappa, Jürg Dähler und Daniel Haefliger das kontrastierende Streichtrio in dieser Nachtmusik. Ganz ähnlich ist die Situation im Oboenquartett «Mémoire, cercles» und im Flötenquartett «De Umbris II», die beide in Basel uraufgeführt wurden.

Auch hier lässt der Komponist, Schüler von Eric Gaudibert, Tristan Murail und Brian Ferneyhough, die einzelnen Instrumente immer wieder solistisch hervortreten, sorgt für gegensätzliche Stimmungen zwischen schlichter Schönheit und dramatischer Bewegung.

Kammermusik in allen Regionen der Schweiz, das war 1999 das Motto bei der Gründung der Swiss Chamber Soloists. Der Cellist Daniel Haefliger aus Genf, der Flötist Felix Renggli aus Basel und der Bratschist Jürg Dähler aus Zürich waren die treibenden Kräfte hinter dem Projekt.

Mehrmals pro Jahr spielt man dasselbe Programm mit Kammermusik aus allen Epochen, aber auch mit einem starken Akzent auf zeitgenössischer Musik in diesen drei Städten, aber auch im Tessin. Von Anfang an war der Oboist und Komponist Heinz Holliger ein fast ständiger Gast in diesem ausgesuchten Ensemble, weitere herausragende Kammermusiker wie die Geiger Thomas Zehetmair oder Patricia Kopatchinskaja wurden regelmässig beigezogen.

Fünf Kompositionsaufträge an Xavier Dayer

Zum 1972 geborenen Genfer Komponisten Xavier Dayer hatte Daniel Haefliger den engsten Kontakt. Und schaffte es über die zwanzig Jahre, die das Ensemble nun Bestand hat, immer wieder, Werke von ihm in Auftrag zu geben und zur Uraufführung zu bringen. Diese enge Beziehung spiegelt sich nun in der neusten CD der Swiss Chamber Soloists: Fünf Kompositionsaufträge an Dayer, fünf kammermusikalische Werke in verschiedenen Besetzungen.

Dabei ist auch ein vertrackt-anspruchsvolles Stück für Cello solo «Solus cum Solo», das Daniel Haefliger bravourös aufs Parkett legt. Für die drei künstlerischen Leiter des Ensembles komponierte Dayer 2016 zudem «Come heavy sleep», das ein Lied von John Dowland verarbeitet und verdichtet, ein weiteres Nachtstück auf dieser schön gerundeten und in allen Partien mit herausragender musikalischer Sorgfalt gespielten CD.

Kammermusik von Xavier Dayer. Swiss Chamber Soloists. Claves 50-300.

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