OOAM – klingt wie ein Meditationsmantra. Diese Assoziation hätte man vielleicht vor acht Jahren gemacht. Was damals nur einem kleinen Kreis von Musikliebhabern ein Begriff war, ist zu einer festen Grösse der Schweizer Festivalszene geworden. Nun findet vom 2. bis 10. Februar das Festival «One of a Million», abgekürzt OOAM, zum achten Mal statt und 56 Musiker(innen) auf insgesamt 17 Bühnen verwandeln Baden wieder zu einem musikalischen Pilgerort.

In den letzten Jahren hat sich das OOAM als «Entdecker-Festival», bei dem aufstrebende Künstler in einem intimen Rahmen auftreten, etabliert. Mittlerweile zieht es nicht nur das Heimpublikum und die benachbarten Zürcher nach Baden. Die Hälfte der Besucher kämen aus der ganzen Schweiz und sogar aus dem angrenzenden Ausland, wie Festivalleiter Nik Fischer betont. Innerhalb von acht Jahren ist die Zuschauerzahl von 400 auf 3800 gestiegen; aus einem zweitägigen Festival mit zwei Bühnen sind neun Festivaltage und 17 Bühnen geworden. Aber wie so oft bei Erfolgsgeschichten war auch bei dieser der Anfang harzig.

Vom Geheimtipp zum Fixpunkt

Bevor Dominik «Nik» Fischer 2011 mit Freunden das OOAM auf die Beine stellte, war er ein bekanntes Gesicht innerhalb der Badener Kulturszene. Der ehemalige Jugendarbeiter war einer der Initianten des Vereins «luftlo.ch», welcher jungen Kulturschaffenden mit verschiedenen Veranstaltungen eine Plattform bot. Die Initianten von «luftlo.ch» gründeten anschliessend gemeinsam das Kulturcafé «herbert» im Bäderquartier, das 2010 seine Türen schliessen musste. «Ein trauriger Moment», erinnert sich Fischer. Die Betreiber des Cafés waren sich aber schnell einig, dass Baden etwas Neues brauchte.

Der Ausgangspunkt war die Liebe zur Musik, ein konkretes Konzept habe es nicht gegeben. «Wir sagten uns: ‹Komm, machen wir ein Festival!› Wir wollten die bestehende Infrastruktur in Baden nutzen und unbekannte Acts präsentieren», so Fischer. 2011 fand das erste OOAM auf zwei Bühnen im Nordportal statt. Die Rückmeldungen waren positiv, aber finanziell war die Weiterführung des Festivals keineswegs gesichert. Nach der zweiten Ausgabe legten die Organisatoren den Fokus auf kleinere Spielstätten wie die Stanzerei, Druckerei und das Royal. Die Hallen des Nordportals seien zu gross gewesen, um sie mit unbekannten Musikern ganz zu füllen, erklärt Fischer.

Die Neuorientierung lohnte sich: Der familiäre Rahmen sprach sich herum, das OOAM wurde zum Geheimtipp in der Musikszene und die Besucherzahlen stiegen an. Heute ist es ein Fixpunkt im Festivalkalender. Bei diesem rasanten Wachstum sei die Frage erlaubt, wie das OOAM seinen Status als intimes Entdeckerfestival aufrechterhalten und die Besucher noch überraschen will. Dem entgegnet Fischer, dass sie als Organisatoren sich weiterentwickeln und ständig neue Ideen kreieren wollen. Gleichzeitig sei es weiterhin wichtig, dass sie die familiäre Beschaffenheit des Festivals bewahren. In diesem Sinne sind dieses Jahr neu der Plattenladen Zero Zero und das Kafi Zwoi als Spielstätten hinzugestossen; kleine Bühnen, die Nähe zwischen Publikum und Musiker schaffen.

Zudem zeichne sich die achte Ausgabe erneut durch eine Vielfalt an Musikstilen und Künstlern aus. Ein Blick ins Programm lässt tatsächlich wieder auf ein kunterbuntes Festival hoffen: Vom träumerischen Indiepop der belgischen Band «Girls in Hawaii» über die elektronischen Beats des finnischen Rappers «View» bis hin zum wuchtigen Sound des Luzerner Trios «Schnellertrollermeier» findet man alles, was das Musikherz begehrt.

Zur familiären Beschaffenheit gehörten laut Fischer auch die regionale Verankerung und die Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen. Als Beispiel nennt er die Partnerschaft mit den Regionalwerken Baden. Zusammen hätten sie ein Nachhaltigkeitskonzept entwickelt, um den CO2-Abdruck des Festivals zu verringern. Der Strom werde gänzlich aus erneuerbaren Energien bezogen und in der Küche werde mit Lebensmitteln von lokalen Biobauern gekocht.

Produktionsstätte für Zukunft

Ebenso wichtig sei die Förderung von einheimischen Kunstschaffenden; wie letztes Jahr kommt auch am diesjährigen Festival fast die Hälfte der Musiker aus der Schweiz. Die Förderung von Talent beschränkt sich indes nicht nur auf die Musiker auf der Bühne: «Diverse Leute haben sich beim «One of a Million» die Sporen abverdient. Sie haben als Helfer angefangen und sind dann ins Organisationskomitee reingerutscht. Mittlerweile sind einige von ihnen weitergezogen und haben feste Stellen in etablierten Klubs gefunden.»

Dank einem engagierten Nachwuchsteam muss sich Fischer keine Sorgen um die Zukunft des Festivals machen. In den letzten Jahren habe er sich daher auch mehr aus dem operativen Bereich zurückgezogen und kümmere sich vermehrt um die Vernetzung des Festivals nach aussen. Wie lange er dem OOAM noch erhalten bleibe, könne er nicht sagen. Fest steht, dass er bereits Pläne für die nächste Ausgabe 2019 habe und dass er seinen Job noch mit voller Freude mache. Schlussendlich dürfte es ihm wohl schwerfallen, sich komplett vom Festival zurückzuziehen, wie er zugibt: «Es ist halt ein Stück weit mein Baby.»