Schauspieler Kay Kysela wechselt vom Theater St. Gallen ans Schauspielhaus Zürich

Kay Kysela ist einer der jungen Farbtupfer am Theater St. Gallen – mit energiegeladenem Spiel, Verwandlungstalent und athletischen Einlagen. Im Sommer wechselt er ins Ensemble des Schauspielhauses Zürich.

Hansruedi Kugler
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Auf diese Rolle wurde er am meisten angesprochen: Kay Kysela als Fee Klingklang in «Peter Pan» (Saison 2016/17). (Bild: PD)

Auf diese Rolle wurde er am meisten angesprochen: Kay Kysela als Fee Klingklang in «Peter Pan» (Saison 2016/17). (Bild: PD)

Beim Résumé nach drei Jahren hört man einen Glückspilz reden: «Eine wundervolle Zeit, viele tolle Rollen und eine überraschend theaterbegeisterte Stadt St. Gallen», sagt Kay Kysela. Morgen Donnerstag spielt er nochmals den zornigen Macho Musa in «Verrücktes Blut» in der Lokremise. Die Figur des aggressiven, sexistischen jugendlichen Arschlochs Musa sei zwar so ziemlich das Gegenteil von ihm selbst, sagt der 29-jährige Schauspieler. Aber die Energie auf der Bühne entspricht ihm: «Theater ist wie Fussball spielen. Man kann hier mit vollem Einsatz Dampf loswerden.» Gerade im Unterschied zum Film, wo Kysela ebenfalls in kleineren Rollen häufig zu sehen ist: «Tatort», «Kommissarin Heller», «Der Bestatter», «Wilder» – die Schauspielerei sei beim Film viel intimer und naturalistischer.

Fast hätte er hauptsächlich auf Fernsehen gesetzt

Deshalb mag er sich auch nicht festlegen. Die TV-Engagements seien zwar manchmal etwas viel geworden neben der Theaterarbeit, räumt er ein. Und im Herbst liebäugelte er gar, deutlich mehr auf Film zu setzen – und nur noch Gastrollen im Theater anzunehmen. Aber dann kam die Zusage erst des Neumarkt Theaters, dann auch noch des Schauspielhauses Zürich, für das er sich dann entschied. Eine Riesenchance, in einem der wichtigsten Theater im deutschsprachigen Raum zu spielen, das ihm zudem die Fernseharbeit weiter ermögliche. Gekündigt hat Kysela seine Anstellung am Theater St. Gallen noch vor der Zusage aus Zürich.

Den St.Gallern bedeutet ihr Theater sehr viel

St. Gallen war sein erstes ­festes Engagement – gleich nach der Schauspielausbildung. «Alle Kollegen sagen, man solle in jungen Jahren einige Häuser kennen lernen. Auch die langjährigen ­Ensemblemitglieder am Theater St. Gallen waren vorher schon an einem anderen Haus.» Beim Sprung von der Schauspielschule in Bern nach St. Gallen sei er erst skeptisch gewesen: Wohl eher steif, das Publikum hier, habe er gedacht. Das Vorurteil habe sich nicht bestätigt: «Die Zuschauer in St. Gallen sind sehr aufmerksam. Und man spürt, dass ihnen das Theater enorm viel bedeutet. Sie setzen sich damit auseinander.». Das habe er in vielen spontanen Gesprächen erlebt. Zusammenhängen mag dieses Interesse auch mit Inszenierungen, die aktuelle, brisante Themen auf die Bühne brachten: Demenz, manisch-depressive Erkrankung, Terror, Geheimarmee, Fräulein Stark und andere. Aber auch, weil man die Schauspieler auch mal in der Bäckerei antreffe: «Ich mag es, wenn die Leute mich dann ansprechen. Ich diskutiere sehr gerne über unser Theater», sagt Kysela.

Fee Klingklang und Räuberhände

Die Rolle, auf die er selbst am meisten angesprochen worden ist: die Fee Klingklang in «Peter Pan» vor zwei Jahren. Da war Kysela Erzähler, Familienhund und die pummelige Fee mit Bart. Wie er da quengelte und im kugelrunden Kostüm über die Bühne rollte, war ein grosses Gaudi. Für ihn selbst sei seine Rolle in «Räuberhände», einem intensiven Drama über zwei Jugendfreunde, sehr wichtig gewesen: «Das war nah an meinem eigenen Leben.» Auch an den arabischen Gangster Khalid in «Adams Äpfel» hat er spezielle Erinnerungen: «Da musste ich in der Kapelle kreuzfalsch singen und bekam dafür sogar Szenenapplaus.»

Multikulti muss auch auf Bühnen normal werden

Dass er Khalid spielte, war kein Zufall. Der Schauspieler, dessen Mutter aus Kamerun stammt, wird in Filmen und im Theater oft mit Migrantenrollen besetzt. Darauf festgelegt zu werden, mag er nicht: «Ich spiele garantiert nicht 30 Jahre lang den Otello rauf und runter.» Am Theater St. Gallen sei er nie auf sein Äusseres reduziert worden. Die multikulturelle Realität in der Gesellschaft müsste aber im Film wie auf der Theaterbühne normal werden, meint er. «Das kommt, langsam, aber es verändert sich.» Was er sich in Zürich erhofft: «Ich würde gerne noch mehr Rollen mit tiefen Abgründen und hoher Emotionalität spielen wie einen Süchtigen oder einen Rechtsradikalen. Rollen mit physischen und psychischen Erkrankungen faszinierten mich schon immer.»

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