Pianofestival
Ein Instrument wie ein ganzes Orchester: Vier Klavierkonzerte an einem Tag

Das Klavierduo Junko & Teemu Holma lädt am Wochenende zum Klavierfest nach Aarau. Serviert wird eine kunterbunte Musikpallette.

Sibylle Ehrismann
Drucken
Bei Teemu (l) und Junko Holma wird die Musik gross geschrieben. Am Samstag organisieren sie gleicht vier Klavierkonzerte in Aarau.

Bei Teemu (l) und Junko Holma wird die Musik gross geschrieben. Am Samstag organisieren sie gleicht vier Klavierkonzerte in Aarau.

zvg

Der Flügel kann ein ganzes Orchester nachahmen, erst recht, wenn man vierhändig darauf spielt. Es gibt aber auch interessante Werke, die eigens für zwei Pianisten am Klavier geschrieben und in Salons oder als Hausmusik aufgeführt wurden. Franz Schubert etwa hat für seine «Schubertiaden» viele vierhändige Klavierstücke komponiert, die heute kaum mehr jemand kennt.

Mit ebendiesen beschäftigt sich das Klavierduo Junko & Teemu Homa und wurde dafür auch bereits mit Preisen ausgezeichnet. «Es ist einfach unheimlich schöne Musik,» meint Teemu Holma dazu, «und so reichhaltig und vielfältig. Insgesamt könnte man als Klavierduo alleine mit Schubert sechs volle Konzertabende bestreiten.»

Drei Flügel für eine Familie

In der Familie Holma wird die Musik gross geschrieben. Nicht nur Junko und Teemu spielen im Duo zusammen, auch die beiden Kinder sind gute Klavierspieler geworden. Tochter Sophie studiert zurzeit an der Hochschule für Musik und Theater in München Klavier beim Schweizer Pianisten Adrian Oetiker, ihr Bruder Erik spielt gerne, hat sich aber für einen andern Beruf entschieden.

Wenn gleich vier Familienmitglieder Klavier spielen, hat da jeder sein eigenes Instrument? «Als die Kinder noch zuhause waren, mussten wir uns schon absprechen, wer wann übt,» meint Mutter Junko Holma lachend. Wenn man im Haus der Holmas in den Wohnraum kommt, steht gleich angrenzend in einem kleinen Nebenraum ein Flügel. Dann führen sie mich in ihr Studio im Kellergeschoss, hier stehen zwei weitere Flügel nebeneinander, dahinter eine grosse Notenbibliothek.

Vier Konzerte an einem Tag

Seit fünf Jahren organisieren die Holmas das Pianofestival in Aarau. Angefangen hat es mit zwei Konzerten, die das Duo selbst bestritt. Mittlerweile sind es vier Konzerte an einem Samstag, zu denen auch befreundete Musiker eingeladen werden. Teemu Holma:

«Die einzelnen Veranstaltungen dauern bei uns nicht länger als eine Stunde, die Pausen gibt es zwischen den Konzerten. Ich denke, die Leute schätzen es, wenn ein Konzert nicht allzu lange dauert.»

Die Palette an Klaviermusik, die man da erleben kann, ist kunterbunt, sie reicht von Solostücken über Klavierduos bis zu Kammermusik. Die Förderung junger Talente war den beiden Pianisten von Anfang an ein Anliegen. Dieses Jahr bringt Tochter Sophie Studienkollegen aus München mit, sie spielen zusammen je das erste Klavierquartett von Mozart und Brahms.

Ein Programm für Klaviertitanen

Wenn man ein Programm zu «Fantasie & Virtuosität» zusammenstellt, kommt man um Klavieretüden nicht herum: Mit Etüden steigern Pianisten ihre technische Virtuosität. Teemu Holma spielt im Eröffnungskonzert alle Etüden von Frédéric Chopin integral. Diese berühmten Etüden sind zwar virtuos, aber ebenso fantasievoll.

Ein Werk sticht an diesem Pianofestival besonders ins Auge: die grosse vierhändige Klaviersonate op. 89 von Anton Rubinstein (1829-1894). Rubinstein war einer der berühmtesten Klaviervirtuosen seiner Zeit, seine vierhändige Sonate hat er übrigens auch zusammen mit Franz Liszt gespielt, einem der ersten Pianisten, die im Alleingang ganze Säle füllten.

Wie fühlt sich das an? «Grossartig,» meint Teemu Holma, «man stelle sich das vor: die beiden Klaviertitanen Liszt und Rubinstein an einem Klavier! Es ist eine üppige, vollgriffige Musik, schwelgerisch mit schönen Melodien. Man könnte meinen, ein ganzes Orchester spielt.»

Pianofestival: 26.2. ab 14.30 Uhr, KuK, Aarau

Aktuelle Nachrichten