Castingshow

Ricardo steht im Finale von «Das InsTalent»: «Ich gehe jetzt meinen Weg, Mama»

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Ricardo «Ricky» Cardella (21) aus Lausen schaffte es aus 20'000 unter die letzten 22. Kommende Woche gilt es ernst.

Das Lob für Ricky Cardella war deutlich und nicht zu überhören: «Du hast dich sehr gut ent­wickelt. Und es bleibt mir gar nichts anderes übrig, als dich eine Runde weiterzulassen», erklärte Rapper Farid Bang anfangs dieser Woche, bevor das live auf dem Onlinedienst Instagram übertragene Gespräch von Jubelgeschrei aus dem Basel­biet unterbrochen wurde. Doch worum geht es eigentlich? Um die neuste Musik­casting-Show, ausgeheckt vom Düsseldorfer Farid Bang.

Der 33-Jährige hat die Corona­pandemie zum Anlass genommen, um auf Instagram kurzerhand ein neues Format namens «Das Ins­Talent» aus der Taufe zu heben und sich dabei zum Ziel gesetzt, das grösste Rap-Talent im deutschsprachigen Raum aufzuspüren. Nicht zuletzt, um damit gegen die eigene Langeweile und die fehlenden Auftritts­möglichkeiten anzukämpfen, wie er gegenüber Medien freimütig bekannte.

Sage und schreibe 20 000 Bewerberinnen und Bewerber sollen sich für das Format angemeldet haben, zum Zuge gekommen sind letztlich 22 von ­ihnen – darunter auch ein Jungrapper aus Lausen: Ricardo ­«Ricky» Cardella.

Die Familie, Dankbarkeit und Diplomatie

Beim Treffen im Tattoo-Studio seines Onkels in Pratteln erzählt der Sohn eines Italieners und einer Chilenin von seiner Lehre als Sportartikelverkäufer, die er auf jeden Fall abschliessen ­wolle, aber auch von seinen verschiedenen Tätowierungen. «Das erste habe ich mir bereits mit 15 oder 16 stechen lassen», erzählt er und lüpft seinen Sweater, um das Porträt einer Frau als Löwin zu enthüllen. «Das ist für meine Mutter.»

Ein deutliches Anzeichen für die wichtige Rolle, welche die Familie im Leben des jungen Mannes einnimmt. Er bedankt sich denn auch bei allen mehrfach für die anhaltende Unterstützung: bei den Eltern, aber auch beim Onkel, der Freundin und seinen Kumpels.

Als Farid Bang nach der bislang letzten Runde von ihm wissen will, welche Fussballmannschaft er bei einem WM-Finale zwischen Italien und Chile eigentlich unterstützen würde, kommt Ricky für einmal kurz ins Schlingern. Erst versucht er, sich um die Antwort zu drücken, dann besinnt er sich jedoch auf die Diplomatie und antwortet: «Italien ist schon mehrmals Weltmeister geworden. Deshalb würde ich in diesem Fall Chile supporten.»

Das zeigt, dass es der 21-Jährige versteht, sich unter Druck zu bewähren. Das musste er auch, denn in einer der frühen Runden spielte Farid Bang – wie er später in der Show gestand – mit dem Gedanken, Ricky zu eliminieren. Nun steht er im Final und gilt für manche als Favorit. Dabei hat erst vor rund fünf Jahren zu rappen begonnen und 2019 erstmals musikalische Spuren im Internet hinterlassen.

Schon seine Eltern hätten gerne Rap gehört, «aber halt noch die ältere Generation – wie etwa Tupac», erinnert sich Ricky. «Vorbilder als solche hatte ich nie, aber als 13-Jähriger habe ich den Namen Farid Bang öfters gegoogelt. Einfach, weil mich sein Sound faszinierte. Und jetzt stehe ich dank ‹Das InsTalent› mit ihm im Austausch. Das macht mich stolz.»

Ricky, der vorzugsweise immer mit Cap («wegen den Haaren») unterwegs ist, schätzt am Rap, dass es keine fixen Regeln gibt. «Jeder kann seinen Stil pflegen. Egal, ob dieser eher ­aggressiv oder eher melodisch ist», sagt er und ergänzt: «Rap dient manchmal für den Stressabbau und ist für mich etwas sehr Emotionales.»

Ein Beweis dafür ist nicht zuletzt seine neue Nummer «Mama» – natürlich eben dieser gewidmet. «Wir sind eine Familie – das ist, was zählt», rappt er im Stück, das bis dato schon weit über 200 000 Views auf Insta­gram eingeheimst hat, nahezu sanft und macht gleichzeitig deutlich: «Ich gehe jetzt meinen Weg, Mama.»

Lieber Deutsch als Englisch und Mundart

Angesprochen fühlt sich ­Ricky eher vom deutsch- als vom englischsprachigen Rap. «Es packt mich einfach mehr, wenn ich die Lyrics unmittelbar nachvollziehen kann.» Früher habe er sich sogar am Mundart-Rap versucht, aber: «Damit erreicht man deutlich weniger Menschen.» Und was hat Ricky denn überhaupt dazu bewogen, sich bei «Das Ins­Talent» zu bewerben? «Ich wollte beweisen, dass ich auf diesem Niveau mithalten kann.»

Geholfen hat wohl auch die Tatsache, dass auf den Fussballplätzen, auf denen sich Ricky bis zur Corona-Krise gerne aus­tobte, aktuell nichts läuft. Wann genau das Finale der Casting-­Show mit knapp 32 000 Abonnenten über die Bühne geht, weiss Ricky noch nicht. Er hält sich einfach bereit und geht davon aus, dass in der kommenden Woche entschieden sein wird, wer «Das InsTalent» gewinnt.

Bei der Runde vom vergangenen Sonntag sei seine Auf­gabe gewesen, zu einem US-amerikanischen Beat und Thema zu rappen. «Da habe ich mich nach und nach reingesteigert», erinnert sich Ricky. Allerdings ist es nicht so, dass Farid Bang nur Lob für seine Teilnehmenden hätte, im Gegenteil. «Sein Feedback bringt mich zum Nachdenken. Klar, Lob ist noch schöner, aber ich will mich mit dem Erreichten nicht zufriedengeben, sondern mich stets verbessern. Dafür braucht es auch kritische Worte und Inputs», fasst Ricky seine Sicht der Dinge zusammen.

Er räumt ein, vor den jeweils um 19 Uhr startenden Shows nervös zu sein. «Machst du einen Schnitzer, bist du plötzlich weg vom Fenster. Entsprechend gross ist der Druck, aber ich brauche diesen auch. Denn ohne Druck gibt es keine Energie und ohne Energie kommt man nicht weiter.»
Dass der marokkanisch- und spanischstämmige Farid Bang öfters in der Kritik stand, weil seine Lyrics von vielen als frauenfreundlich und antisemitisch empfunden werden, ist Ricky bewusst. «Im Rock wird von den schlimmsten Sachen gesungen, doch das scheint niemanden zu stören», hält er dagegen und ergänzt: «Sicher, die Texte von Farid können voller Seitenhiebe sein, doch das muss drinliegen. Aber klar, es gibt im Rap auch Grenzen, die niemand überschreiten sollte.»

Gewinnen kann «Das Ins­Talent» nur einer, das weiss ­Ricky. Was also, wenn es letztlich doch nicht ganz reichen sollte? «Ich kann nicht mehr als 1000 Prozent geben. Und das tue ich. Sollte ich ausscheiden, dann werde ich ganz sicher weiterrappen. Meine Zukunft sehe ich allerdings eher in Deutschland als in der Schweiz.» Denn er hat vor, ganz oben mitzuspielen. Aber erst, nachdem er seine Lehre abgeschlossen hat.

Das InsTalent auf Instagram: @dasinstalent
Ricky auf Instagram: riicky44

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