Beatles

Ringo Starr wird 80: Der beste Rock-Schlagzeuger der Welt?

Bei den Fähigkeiten von Ringo Starr scheiden sich die Geister. Am Dienstag wird der Beatles-Drummer 80 Jahre alt.

Ringo Starr war die Lachnummer unter den Schlagzeugern. «Der kann ja auf seiner Trommel nicht einmal einen anständigen Wirbel schlagen», lautete eines der vielen unbestätigten Gerüchte über den vielfach verspotteten Drummer der Beatles.

Gegen die besten Schlagzeuger jener Zeit hatte er tatsächlich einen schweren Stand: den dampfenden Elvin Jones im Quartett von John Coltrane, den genialen Tony Williams bei Miles Davis, den animalischen Keith Moon bei The Who, den wahnwitzigen Ginger Baker bei Alexis Korner, Graham Bond, und Cream) und später auch noch das Kraftwerk John Bonham bei Led Zeppelin. Sie waren gerade dabei, das Schlagzeugspiel zu emanzipieren, ja: zu revolutionieren. Neben ihnen wirkte der ungelenke, technisch limitierte Beatles-Schlagzeuger wie im falschen Film.

Aber es war auch Ringo selbst, der das Image des talentfreien Schlagzeugers kultivierte: «Ich halte die Drums für ein primitives Instrument. Ich spiele nicht akkurat. Ich bin nicht perfekt. Mein Spiel ist primitiv.»

Der gutmütige, dümmliche Ringo schien bei den Beatles nur geduldet, weil er ein lustiger Kerl war und ihn alle mochten. Er war der stets lustige und einfältige Clown der Band. Aber auch der Underdog.

Er genoss keine lange Schulbildung

Seine Herkunft und Biografie unterstreichen diese Rolle. Richard Starkey, wie Ringo bürgerlich hiess, ist am 7. Juli 1940 als Arbeitersohn geboren. Er hatte keine lange Schulbildung genossen. Als Kind war er kränklich und hat einen Grossteil des Unterrichts versäumt. Nach der Schule versuchte er sich mit wenig Erfolg in diversen Hilfsjobs. Als er 18 war, schenkte ihm sein Stiefvater ein Schlagzeug. Er lernte es autodidaktisch, tourte mit Skiffle-Bands und stieg vier Jahre später bei den Beatles ein. Das war seine Rettung.

In der Hierarchie der Fab 4 rangierte Ringo aber nach John Lennon, Paul McCartney und George Harrison abgeschlagen auf dem letzten Platz. Er komponierte nur ganz wenige Songs, und als Sänger durfte er nur bei Liedern wie «Yellow Submarine» oder «I Wanna Be Your Man» ran. Also bei Songs mit eingeschränkten Melodien für einen beschränkten Stimmumfang. Trotzdem war seine Intonation immer etwas schief. «What would you think, if I sang out of tune», sang er selbstironisch in «Whith A Little Help From My Friends». Joe Cocker zeigte wenig später, wie man diesen Song auch singen kann.

Die Demütigung erreichte während Proben von «Back In The USSR» 1968 ihren Höhepunkt. Ringo fühlte sich als «fünftes Rad am Wagen» und zu wenig wertgeschätzt. Es kam zum Streit, bei dem Ringo die Band wutentbrannt verliess. Paul McCartney übernahm im Studio nun auch den Schlagzeugpart. Das Kapitel von Ringo bei den Beatles schien abgeschlossen. Das Schicksal des sensiblen Drummers besiegelt.

Doch dann kam die unverhoffte Wende. Als alles auseinanderzufallen schien, schickte Lennon dem gedemütigten Ringo ein schmeichelndes Telegramm mit dem Wortlaut: «Du bist der beste Rock-Schlagzeuger der Welt, komm bitte zurück. Wir brauchen dich!»

Ein songdienlicher Schlagzeuger

Sicher übertrieben, aber es nützte. Ringo kam zurück, obwohl er mit Peter Sellers schon an seiner Filmkarriere bastelte. Und mit ihm auch sein Song «Octopus’s Garden», einer der besten Songs der Beatles. Seine Rückkehr konnte die Beatles auch nicht mehr retten. Aber seine Rehabilitation begann. Nicht nur seine Beatles-Kollegen rühmten ihn über den Klee, auch Schlagzeugkollege Phil Collins hält Ringo für unterschätzt und weist auf die genialen Schlagzeugfills in Songs wie «A Day In The Life», «Come Together» oder «Strawberry Fields» hin.

In seinem Buch «Summer Of Love» (1994) hob Beatles-Produzent George Martin die einzigartigen Fähigkeiten von Ringo heraus. «Die Beachtung der Klangfarbe seiner Trommeln ist ein Grund von Ringos Brillanz.» Dabei unterstreicht Martin sein ausgesprochenes Gefühl für den Song: «Wenn sein Tempo schwankt, dann ausnahmslos an der richtigen Stelle, zur richtigen Zeit.»

«Ich folge den Emotionen der Songs», erklärte Ringo selbst. Er spielt sich nicht in den Vordergrund, brilliert nicht mit technischen Kabinettstückchen, sondern folgt den Bedürfnissen der Songs. Er stellt sich total in ihren Dienst. Insofern ist Ringo Starr sicher nicht der beste Schlagzeuger, aber einer der songdienlichsten. Ein Schlagzeuger wie Keith Moon hätte die genialen Songs der Beatles womöglich kaputtgetrommelt. Ringo Starr war der beste Schlagzeuger für die Beatles.

Verwandtes Thema:

Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

Meistgesehen

Artboard 1