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Sarah Connor ist zurück: Mit Muskeln und Killer-Instinkt gegen den Terminator

Fühlte sich in Hollywood immer wie ein Aussenseiter: US-Schauspielerin Linda Hamilton (63) als Sarah Connor .

Fühlte sich in Hollywood immer wie ein Aussenseiter: US-Schauspielerin Linda Hamilton (63) als Sarah Connor .

Vor 28 Jahren definierte Linda Hamilton das Frauenbild in Actionfilmen neu. Nun gibt die Sarah-Connor-Darstellerin in «Terminator: Dark Fate» ihr Comeback - und erklärt, weshalb sie dem Rampenlicht lange fernblieb.

«Ich komme wieder», hat Arnold Schwarzenegger in den 35 Jahren seit dem ersten «Terminator»-Film immer wieder versprochen. Aber dieses Mal ist es Linda Hamilton, die das grosse Comeback gibt. In «Terminator: Dark Fate» spielt sie erstmals nach 28 Jahren wieder Sarah Connor, die legendäre Sci-Fi-Mutter-Gottes, die alles gab, um ihren Sohn und Retter der Menschheit vor den Killer-Cyborgs zu beschützen.

Hamilton trat hin und wieder in einer TV-Serie oder einem Kurzfilm auf, aber eigentlich war sie, die in «Terminator: Judgment Day» 1991 mit ihrem Killer-Instinkt und ihren muskulösen Oberarmen das Frauenbild im Action-Film neu definierte, aus der Hollywood-Szene verschwunden.

Hollywood-Diplomatie scheint ihr fremd

«Ich war damals schockiert, dass man mich als Vorbild für Stärke sah», blickt sie bei unserem Treffen in den Fox Studios in Los Angeles zurück. «Sarah Connor war doch eine gequälte Frau, die durch die Hölle ging und keine Zeit hatte, ihren Sohn zu lieben, weil sie ihn für seine Zukunft vorbereiten musste. Aber ich habe sie gern gespielt und sie färbte auch ziemlich auf mich ab.»

Die inzwischen 63-jährige Schauspielerin erinnert sich an einen Vorfall, in dem sie einem Fahrerflüchtigen, der ihren Wagen touchiert hatte, hinterher raste, ihn in einer Sackgasse stellte und aus dem Auto zu reissen versuchte. «Das war Sarah Connor, nicht ich. Es gibt noch weitere solche Episoden in meinem Leben.»

Diese No-Nonsense Attitüde spürt man auch jetzt sofort. Hollywood-Diplomatie scheint ihr fremd und einen Botox-Arzt hat sie nicht als Kurzwahl: «Wenn ich mit dem Film etwas sagen will, dann: Alt ist das neue Schwarz. Ich entschuldige mich nicht dafür, die Person zu sein, die ich bin: Mit diesem Gesicht und mit dieser reichen Lebenserfahrung hinter mir», umschreibt sie mit rauchiger Stimme ihre Beweggründe für ihr Connor-Comeback. «Ich bin so viel mehr als das letzte Mal, als ich sie spielte. Ich hoffe, man sieht das auf der Leinwand.»

Die Rückkehr von Linda Hamilton haben ihre Fans dem ursprünglichen «Terminator»-Regisseur James Cameron, der hier erstmals seit «Judgement Day» als Drehbuch-Autor wieder in die Terminator-Mythologie eingreift, zu verdanken. Die ersten Anrufe ihres Ex-Mannes – Cameron und Hamilton waren sieben Jahre ein Paar, zwei davon verheiratet, und haben eine gemeinsame Tochter – ignorierte sie zwar. Erst als er in seiner Nachricht erwähnte, er hätte ein Rollenangebot für sie, rief sie zurück.

Wieder in die Haut von Sarah Connor zu schlüpfen war nicht einfach: Viel mehr visuelle Effekte bedeutete weniger Kontrolle für die Schauspielerin. Um ihre Muskeln aufzubauen, reichte das Training nicht mehr aus. Es brauchte zusätzlich Hormone. Die setzte sie aber wieder ab, als ihr Blutdruck nach oben schnellte und sie immer launenhafter wurde.

«Mit Sarah Conner konnte man sich nie identifizieren»

Mit «Dark Fate»-Regisseur Tim Miller gab es anfänglich auch Probleme: Er wollte eine Sarah Connor, mit der sich ein Massenpublikum identifizieren konnte. «Identifizierbar? So ein Quatsch. Mit Sarah Connor konnte man sich noch nie identifizieren. Die Frau ist verrückt! Aber wir fanden unseren Weg, es war vor allem eine Meinungsverschiedenheit über die Wortwahl.»

Überrascht war Linda Hamilton, wie gut sie mit dem inzwischen 72-jährigen Arnold Schwarzenegger zurecht kam. Die beiden hatten sich das letzte Mal bei dessen Inauguration als Gouverneur von Kalifornien gesehen. «Wir haben halt gemeinsame Geschichte. Und es gibt uns immer noch!», lacht Hamilton.

Linda Hamilton (ganz rechts) posiert mit den neuen und weniger neuen Stars von «Terminator: Dark Fate» - Mackenzie Davies und Arnold Schwarzenneger.

Linda Hamilton (ganz rechts) posiert mit den neuen und weniger neuen Stars von «Terminator: Dark Fate» - Mackenzie Davies und Arnold Schwarzenneger.

Bleibt «Dark Fate» eine einmalige Rückkehr zum grossen Studio-Film? Linda Hamilton sieht sich nicht wirklich als Film-Mensch. Sie liebt zwar die Schauspielerei, nicht aber das Drumherum: «Früher musste ich mich aufbrezeln, um für die Fotografen gut auszusehen. Inzwischen habe ich gemerkt, dass sie eigentlich nur ein schlechtes Bild wollen. Heute muss ich mich also hübsch machen, um nicht fotografiert zu werden», sagt sie und schüttelt den Kopf.

Hamilton reibt sich nicht nur an der Oberflächlichkeit in der Traumfabrik: «Ich fühlte mich in Hollywood immer wie ein Aussenseiter und verstand nicht, was mein Platz in diesem Umfeld war. Alles ist aufgeblasen: Die Egos, der Lifestyle, die Lippen.»

Neues Leben auf einer Farm

Als Hamilton oft genug «nein» gesagt hatte – auch zu «Terminator 3» – blieben die Rollen schliesslich aus. Sie gab ihre Malibu Villa auf, als ihre beiden Kinder ausgezogen waren, und überlegte sich, was sie vom Leben noch wollte. Ihr Fazit: Ein Pferd und eine Veranda. Sie zog auf eine Farm in Virginia, die beides hatte, und kümmerte sich mit ihren Geschwistern um die gebrechlichen Eltern.

Nach dem Tod des Vaters schlug sie ihre Zelte in New Orleans auf: «Mir gefiel die Architektur und die Geschichte und, dass Fremde dich ‹Baby› nennen – das habe ich mir verdient.» Die Schauspielerin lacht. «Nach vier Jahren in New Orleans stehe ich den Menschen in meinem Umfeld heute näher, als ich es in all den Jahren in Malibu je war. Und das stimmt so für mich. Ich möchte mit niemandem tauschen.»

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