Schweizer TV-Serie
Von Kritikern verschmäht: Jetzt landet ausgerechnet «Neumatt» von SRF bei Netflix

Netflix investiert in deutschsprachige Filme und Serien. In der Schweiz bezahlt der Streamingriese für die Rechte von «Neumatt», einer Serie von SRF über die moderne Bauernschweiz.

Daniel Fuchs und Michael Graber
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In «Neumatt» kehrt Bauernsohn Michi Wyss (Julian Koechlin, rechts) auf den elterlichen Hof zurück und will ihn retten.

In «Neumatt» kehrt Bauernsohn Michi Wyss (Julian Koechlin, rechts) auf den elterlichen Hof zurück und will ihn retten.

Bild: SRF

Die Welt entdeckt die bäuerliche Schweiz. Die Schweizer Fernsehserie «Neumatt» landet auf Netflix. Das schreibt SRF am Dienstag in einer Medienmitteilung. Es sei die erste Schweizer Serie, die in 190 Ländern und in 30 Sprachen verfügbar sein werde.

«Neumatt» handelt von einer Bauernfamilie an der Grenze zur Agglo im Zürcher Oberland. Der eine Sohn Michi lebt als koksender Unternehmensberater in Zürich. Nachdem sein Vater sich das Leben genommen hat, kehrt er auf den Familienhof, die Neumatt, zurück. Mit seiner Mutter, Grossmutter, Schwester und seinem Bruder Lorenz steht er vor der wichtigen Frage: Wie weiter mit dem Hof?

Ungleiches Bauernbrüderpaar: Michi (Julian Koechlin) und Lorenz Wyss (rechts, gespielt von Jérôme Humm) in «Neumatt».

Ungleiches Bauernbrüderpaar: Michi (Julian Koechlin) und Lorenz Wyss (rechts, gespielt von Jérôme Humm) in «Neumatt».

Bild: SRF

Die letzten Herbst ausgestrahlte erste Staffel von «Neumatt» unter der Regie von Sabine Boss und Pierre Monnard vermengt das Thema, wie weiter mit einem mittleren Bauernhof in der sich wandelnden Landwirtschaft mit demjenigen der tragischen Familiengeschichte. Die hohe Suizidquote unter Bauern hatte Drehbuchautorin und Impulsgeberin Petra Volpe («Die göttliche Ordnung») auf die Idee für diesen Stoff gebracht.

Koksender Sohn in der Bauernschweiz – zu klischiert?

Unter manchen Film- und Serienkritikern in der Schweiz kam die Serie nicht gut an. «Absehbar», «ironiefrei», «viel zu klischiert», hiess es da. Bloss «Gotthelf auf Koks» also? Diese Zeitung fand, «Neumatt» trifft einen Nerv der Zeit. Und passte im Herbst 2021 sehr gut in die Diskussionen über den sogenannten Stadt-Land-Graben.

Nun also fand auch Netflix Gefallen an «Neumatt». Wie viel Geld SRF für die Serie bekommen hat, gibt das Unternehmen nicht bekannt. «Über die vertraglichen Details wurde Stillschweigen vereinbart», schreibt Urs Fitze, Leiter Fiktion SRF, auf Anfrage.

Trailer zu «Neumatt».

Quelle: Zodiac Pictures / Youtube

Bei SRF und der renommierten Produktionsfirma Zodiac Productions ist die Freude riesig, dass ihre Serie nun eine internationale Plattform erhält. «Es ist ein Beweis dafür, dass das Schweizer Filmschaffen international mithalten kann, und es motiviert uns enorm für die zweite Staffel – es gibt noch viel zu erzählen», lässt sich die verantwortliche Produzentin Jessica Hefti zitieren. Und seitens Netflix heisst es:

«Dank ihrer Qualität und Relevanz überzeugt ‹Neumatt› auf vielen Ebenen. Wir gehen fest davon aus, dass diese tolle Serie made in Switzerland auch in aller Welt ein grosses Publikum ansprechen wird.»

Wann «Neumatt» auf Netflix zu sehen sein wird, ist noch nicht bekannt. SRF schreibt «in Kürze». In der Schweiz gibt es die Serie gratis via SRF-Player sowie über der SRG-Streamingplattform «Play Suisse» zu sehen.

«Neumatt»-Deal ist Teil eines Investitionspakets

Netflix weitet seine Tätigkeit im deutschsprachigen Raum aktuell massiv aus. Bis 2023 will der US-Streamer das Budget auf 500 Millionen Euro verdoppelt haben. Vor allem Deutschland profitiert vom Engagement, für Schweizer Produktionen wurden neben dem Kauf von «Neumatt» keine weiteren neuen Netflix-Investitionen bekannt.

Schon länger bekannt ist, dass Netflix mit CH Media (der Herausgeberin dieser Zeitung) die Serie «Early Birds» coproduziert. Wie konkurrenzfähig Schweizer Filme und Serien international sind, ist einer der Zankäpfel bei der sogenannten Lex Netflix, die ausländische Streamingdienste zu Investitionen ins Schweizer Filmschaffen verpflichten will. Über das Gesetz wird im Mai abgestimmt.