Klassik
Ob als Solistin oder Komponistin: Dieser Cello-Star geht der Musik auf den Grund

Die Cellistin Ursina Maria Braun ist Vollblutmusikerin. Ihre vielen Facetten zeigt sie am Pfingstfestival auf Schloss Brunegg.

Sibylle Ehrismann
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Hochbegabt und hoch motiviert: Ursina Maria Braun (1992) ist aus der hiesigen Musikszene nicht mehr wegzudenken.

Hochbegabt und hoch motiviert: Ursina Maria Braun (1992) ist aus der hiesigen Musikszene nicht mehr wegzudenken.

Roswitha Schneider

Ihr Name taucht in der Musikszene vielerorts auf: Ob mit dem Barockcello in Ensembles für Alte Musik, als Solistin mit Orchester oder als Komponistin – Ursina Maria Braun ist vielseitig begabt. Am Pfingstfestival auf Schloss Brunegg tritt sie nun denn auch als «Artist und als Composer in Residence» in Erscheinung.

Ihre grosse Begabung wurde früh erkannt. Als Jungstudentin kam Ursina Maria Braun an die Musikabteilung der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), wo sie der Cellist Thomas Grossenbacher, der schon viele Jungtalente gross herausgebracht hat, in seine Klasse aufnahm. Die Frühförderung trug Früchte, nach ihrem Grundstudium ging die Hochbegabte zu namhaften Cellisten wie Heinrich Schiff und Clemens Hagen nach Salzburg in die Meisterschmiede. Und hier erspielte sie sich auch den ersten Preis am Concorso Enrico Mainardi (2012).

Die Alte Musik muss man spielen

Bereits im Studium in Salzburg entdeckte sie ihre Liebe zur Alten Musik. Erstmals habe sie hier ein Barockcello in der Hand gehabt. Und der bekannte Geiger Reinhard Goebel führte sie in die historische Spielpraxis ein. «Ebenso wichtig wie die Theorie ist aber, dass man die Alte Musik einfach spielt, sie richtig zu interpretieren versucht, das Barockcello ausprobiert», erklärt Braun.

Dafür schloss sich die junge Cellistin bereits vor zwölf Jahren dem Projekt-Ensemble «Spira mirabilis» an: «Wir kommen mehrmals im Jahr zusammen, um einzelne Werke gründlich zu erforschen», so Braun, und:

«Ob Barockmusik oder moderne Stücke, wir gehen jedem Werk auf den Grund und beschäftigen uns intensiv mit jeder einzelnen Stimme und ihrer Funktion im gesamten Klangkörper.»

Mittlerweile gastiert Braun nicht nur mit Spira mirabilis an prominenten Konzertorten wie der Scala Milano und dem Aldeburgh Festival, sie spielt auch regelmässig im Concentus Musicus Wien mit, einem der bedeutendsten Ensembles für Alte Musik. «Kammermusikformationen schätze ich am meisten», erzählt Braun weiter, «weil die kleine Gruppe einen besonders intensiven musikalischen Dialog ermöglicht.»

Am Pfingstfestival auf Schloss Brunegg ist Ursina Maria Braun mit dem Barock­cello und mit ihrem modernen Instrument zu erleben. Geht das so einfach? «Natürlich sind auf dem Barockcello die Bogenführung und das Spiel auf Darmsaiten anders als beim modernen Cello», meint Braun dazu. «Doch das Instrument kommt der jeweiligen Musik ja entgegen, die barocke Rhetorik kann man einfacher umsetzen.» Neben ihren vielseitigen Aktivitäten als Kammermusikerin tritt Ursina Maria Braun als Solistin mit Orchester auf und gibt gerne Soloabende, in denen sie ihre Leidenschaft für die Musik von Bach auslebt. Trotz all ihrer Erfolge möchte sie aber das Orchesterspiel nicht missen, ob als Stimmführerin oder im Tutti.

Ursina Maria Braun (Cello) und Els Biesemans (Fortepiano) spielen ein Arrangemenvon Schwanengesang von Leopold Jansa.

Els Biesmans / Youtube

Wer die Musik so von innen heraus ergründet, hat es zum Komponieren nicht mehr weit. Schon als Jungstudentin habe sie in der Kinderklasse von Andreas Nick an der ZHdK mit Komponieren angefangen, «wir machten das in der Gruppe, das hat mir enorm Spass gemacht», erinnert sich Braun. Schon bald gewann sie auch als Komponistin an Jugendmusikwettbewerben erste Preise, mittlerweile hat sie ­Aufträge vom Musikkollegium ­Winterthur, vom Chamber Orchestra of Europe und anderen Ensembles.

Ihr Programm wird Spass machen

Für das Brunegger Festival hat Ursina Maria Braun ein Streichquintett komponiert, das in der Sonntagsmatinee vor Franz Schuberts «Winterreise» uraufgeführt wird. Im «Schwanengesang»-Konzert am Pfingstmontag kann man gleich drei Stücke von ihr hören. Das frühste Werk von ihr ist «The Crazy Star» (2008) für zwei Celli und Klavier vierhändig. Wie kam sie auf diese spezielle Besetzung?

«Das war ein Zufall. Wir waren zu viert unterwegs, zwei Cellisten und zwei Pianisten, und wir brauchten noch ein Stück. So habe ich ‹The Crazy Star› geschrieben.»

Braun hat für das Pfingstfestival für eines der Konzertprogramme eine Carte blanche ­erhalten, sie hatte freie Hand. Zum Schwerpunktthema «Franz Schubert» ist ihr Pfiffiges eingefallen: Sie spielt auf dem Barockcello Arrangements von Schubert-Liedern, die von dessen Zeitgenossen Leopold Jansa stammen. Begleitet wird sie dabei von Florian Birsak am historischen Fortepiano. «Jansa verziert diese Stücke stark, ganz nach dem Geschmack seiner Zeit, dazu variiert er die einzelnen Strophen», erzählt Braun. «Diese Arrangements für Violoncello sind weniger schlicht als die Lieder Schuberts.»

Pfingstfestival: 3.–6. Juni, Schloss Brunegg.