Neues Buch
Bestseller-Autorin Silvia Götschi lässt erstmals einen Krimi in England spielen

Am Montag erscheint der neue Krimi der Innerschweizerin Silvia Götschi. Er handelt von einem mysteriösen Flugzeugabsturz.

Interview: Arno Renggli
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Silvia Götschi: Krimiautorin schreibt über eine Krimiautorin, hier fotografiert in ihrem Zuhause in Meisterschwanden.

Silvia Götschi: Krimiautorin schreibt über eine Krimiautorin, hier fotografiert in ihrem Zuhause in Meisterschwanden.

Bild: Britta Gut (8. Oktober 2020)

Silvia Götschi, Sie haben viel Erfolg mit Ihren Regio-­Krimis. Warum wechseln Sie nun in englische Gefilde?

Silvia Götschi: Ich wollte punkto Schauplatz die Schweiz und damit das mir Vertraute mal verlassen. Mit diesem Gedanken habe ich schon lange gespielt. Die Arbeit an diesem Buch habe ich vor fünf Jahren begonnen.

Kennen Sie England gut?

Ich war bis vor kurzem noch nie dort. Alles, was ich beschreibe, ist aus meiner Fantasie und von Internetbildern. Allerdings flog ich im September 2019 mit meinem Mann doch noch nach London, und wir bereisten im Mietauto die von mir geschilderten Orte im Südwesten. Aufgrund meiner Eindrücke habe ich dann noch einiges korrigiert.

Die Hauptfigur des Romans ist eine Krimiautorin, die nicht mehr schreibt. Ist auch Persönliches in die Geschichte eingeflossen?

Mich hat der Gedanke fasziniert, dass eine Schriftstellerin quasi «austickt», wenn ihr verboten wird zu schreiben. Ähnlich im Vergleich zu mir selber ist vielleicht ihre Fantasie. Und der schmale Grat zwischen Realität und Fiktion, auf dem ich mich als Autorin täglich bewege. Ein Thema des Romans ist auch die Urangst vor dem Fliegen. Ich bin oft geflogen. Die Angst davor habe ich nie überwunden.

Der Spannungsbogen der Story besteht primär aus einem Flugzeugabsturz, bei dem fast alle Hinweise auf einen Anschlag hindeuten. Doch in der Wendung am Schluss, die wir natürlich nicht verraten wollen, erscheint alles in neuem Licht. Könnte das die Leserinnen und Leser nicht frustrieren?

Zugegeben, das Ende habe ich mir auch nicht leicht gemacht, doch es ist so gewollt. Es geht mir primär darum, Spannung aufzubauen – aber weg vom Klischee. Man kann sich fragen, ob es ein Krimi, ein Psychothriller oder ein Drama ist. Ich sehe es auch ein wenig als Experiment an.

Sie haben zuletzt jedes Jahr mindestens zwei Bücher publiziert. Haben Sie eine bestimmte Arbeitsmethode?

Es mag nach Routine klingen, ist es aber nicht. Jeder Krimi gestaltet sich anders. Ich schreibe, was meine Fantasie hergibt, greife dabei jeweils auch ein gesellschaftlich relevantes Thema auf. Ich sitze nie stundenlang am Computer. Zwischendurch mache ich tausend andere Dinge. Aber die Story spinnt sich in meinem Kopf weiter. Am besten arbeite ich zuhause, nicht etwa im Café wie andere. Ich muss allein sein, um in meine Geschichten abtauchen zu können.

Wie lebt es sich als Krimi­autorin in der Schweiz?

Tatsächlich ist das Schreiben meine Hauptbeschäftigung geworden, ein wenig auch zum Beruf. Ohne Corona hätte ich letztes Jahr erstmals davon leben können, allerdings nur mit einer drastischen Reduktion des Lebensstandards. Mit den szenischen Lesungen ist nun aber rund ein Viertel meiner Einkünfte als Autorin entfallen. Insgesamt muss ich sagen, dass sich die immense Arbeit – das Recherchieren, Schreiben, stete Überarbeiten und Promoten – finanziell nie wirklich rechnet. Aber es ist meine Leidenschaft. Derzeit bin ich an einen neuen Krimi, den ich im Mai dem Verlag abgeben muss. Und der im November erscheinen soll.

Das Buch: Das mysteriöse Verschwinden eines Ehemannes

Der neue Krimi von Silvia Götschi beginnt im Vorfeld des Brexit. Es wird heftig intrigiert. Die inhaltliche Verbindung zum Hauptereignis des Buches, dem Absturz eines Flugzeuges der British Airlines, ist bald klar: In der Maschine sass ein einflussreicher Brexit-Befürworter. Wollte man ihn mit einem Anschlag ausschalten? Doch wer würde dafür den Tod von über 200 Menschen in Kauf nehmen? Oder steckt Terror dahinter?

Hauptfigur ist Claire, einst eine erfolgreiche Krimiautorin, die auf Geheiss ihres Mannes mit dem Schreiben aufgehört hat. Dieser Mann verschwindet und taucht rätselhafterweise auf der Passagierliste des abgestürzten Flugzeuges auf. Von diesem Flug will Claire nichts gewusst haben. Der mutmassliche Tod des Gatten treibt sie – und auch ihre pubertierende Tochter – in die Verzweiflung. Und alsbald auch in die Arme des ermittelnden Polizisten. Der hat seinerseits vor Jahren seine Partnerin verloren, die Chemie zwischen ihm und Claire ist unwiderstehlich, auch wenn sie ihm mit eigenen Recherchen ins Gehege kommt. Überdies beschäftigt die Polizei auch der Mord an einer Prostituierten, der vielleicht einen Konnex zum Flugzeugabsturz hat.

Über weite Strecken bietet Silvia Götschi gekonnt gemachte, klassische Thrillerspannung. Dazu gehört die immer wieder eingestreute Perspektive eines Mannes (Claires Gatte?), der offenbar einen Flugzeuganschlag vorbereitet. Dass die Story am Ende auf etwas ganz anderes hinläuft, werden Leserinnen und Leser wohl unterschiedlich beurteilen. Stimmig ist in diesem Kontext aber die starke Fokussierung auf die Hauptfigur und ihr Innenleben. (are)


Silvia Götschi: Auf der schwarzen Liste des Himmels. Cameo, 624 S., Fr. 19.90 Liste des Himmels. Cameo, 624 S., Fr. 19.90.

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