Strassenmusik

Sinfoniker swingen mit Klavier und Schlagzeug auf dem Barfi

Robert Emery und Musiker des Sinfonieorchesters Basel spielen auf dem Barfüsserplatz George Gershwins «Rhapsody in Blue» von 1924. Einige Passanten reiben sich ob der hohen musikalischen Qualität dieser Strassenmusik ungläubig die Ohren.

Die Passanten staunen nicht schlecht. Zuerst wird ein Klavier den Tramschienen entlang vom Theater Basel auf den Barfüsserplatz gestossen. Um das Klavier gruppieren sich ein Posaunist, ein Trompeter und ein Schlagzeuger mit kleiner Trommel und Becken. Zu viert swingen sie – unverkennbar George Gershwins «Rhapsody in Blue» von 1924. Einige Passanten eilen vorbei, andere bleiben stehen und reiben sich ob der hohen musikalischen Qualität dieser Strassenmusik ungläubig die Ohren.

Am Klavier sitzt – oder steht – Robert Emery und greift leidenschaftlich in die Tasten. Der englische Musiker, der das Sinfonieorchester Basel (SOB) im Konzert mit der Basler Popband «Lovebugs» dirigiert hat, probt derzeit mit einer SOB-Brass Band für das Cocktailkonzert von morgen Donnerstag.

Emerys spontane Idee

Und da kommt ihm spontan die Idee mit drei Musikern auf die Strasse zu gehen. «George Gershwins ‹Rhapsody in Blue› ist Musik für die Strasse – komponiert auf einer Zugfahrt von Boston nach New York», erzählt er. Und man hört förmlich, welchen Spass es Emery bereitete, draussen auf dem Barfüsserplatz vor dem Stadt-Casino zu spielen – und wie er sich in dieser zwischen Jazz und Klassik pendelnden Musik heimisch fühlt. Ebenso viel Musizierlust zeigen die vier SOB-Musiker, der Trompeter Huw Morgan, der Posaunist Henri-Michel Garzia und der Schlagzeuger Domenico Melchiorre. Herrlich wie Morgan das berühmte – im Original der Klarinette gehörende – Einstiegsglissando mit geschärftem Ton anschneidet. Emery entfaltet zuerst leise, fast innig das Thema und entwickelt durch stete Steigerung der Intensität eine mitreissende Spannung. Emery hat eine schlanke Fassung für die vier Instrumente arrangiert, wie er erklärt.

Und er lobt die Musiker des SOB. «Hätte ich die Idee in den Proben mit manch einem normalen Sinfonieorchester geäussert, hätte ich vor allem Kopfschütteln geerntet.» Die SOB-Musiker seien sofort begeistert gewesen. Emery kann mit seinem Elan und seiner Vitalität auch wirklich begeistern.

Nach den rund zwanzig Minuten «Rhapsody in Blue» auf dem Barfüsserplatz, ziehen die Vier mit dem Klavier weiter und spielen Gershwins berühmtestes Stück gleich nochmals am Fuss der Treppe zum Theater Basel. Und wieder versetzt das Quartett so manchen Passanten ins Staunen.

Emery, selbst ein Wanderer zwischen Jazz, Klassik und Musical, kann mit kurzen Auftritt dem SOB bestens für das Cocktailkonzert im Festsaal des Stadt-Casinos werben. Der kurze Auftritt zeigt, welche Stärken die Blechbläser mit swingenden Klängen ausspielen können. Im Festsaal des Stadtcasinos spielt die SOB Brass Band swingende Konzertmusik für Blechbläser aus England, Brasilien und den USA. Den Schlusspunkt setzt die «Rhapsody in Blue», arrangiert von Jean-François Taillard. Emery leitet vom Klavier aus das Konzert.

Sinfonieorchester Basel Cocktail-Konzert, Leitung und Klavier: Robert Emery; Stadtcasino Basel, 12. Feb. 18.15 Uhr.

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