Kultur

«Sing meinen Song» könnte die heimische Popszene nachhaltig verändern – eine Würdigung

Überraschend vielfältig (von links): Francine Jordi, Ritschi, Steff la Cheffe, Stefanie Heinzmann, Seven, Marc Storace, Loco Escrito.

Überraschend vielfältig (von links): Francine Jordi, Ritschi, Steff la Cheffe, Stefanie Heinzmann, Seven, Marc Storace, Loco Escrito.

Die neu interpretierten Songs aus der Sendung wurden auf einem Album veröffentlicht. Darauf hört man die Stimmen von Francine Jordi, Seven, Stefanie Heinzmann und weiteren Stars.

Die Schweizer Popszene hat in den letzten Jahren nicht die beste Falle gemacht, und vor allem die Erfolgreichsten unter ihnen haben deshalb gerade auch in diesen Spalten immer wieder Kritik geerntet. In der Fernsehsendung «Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert» haben die beteiligten Musikerinnen und Musiker jetzt bewiesen, dass Schweizer Popmusik besser ist als ihr Ruf.

Dass Soulsänger Seven, Soulsängerin Stefanie Heinzmann und Rockröhre Marc Storace Stimmen von internationalem Format haben, war bekannt. Entsprechend gut haben sie sich in der Sendung geschlagen. Für die grossen Überraschungen waren die anderen Teilnehmer besorgt. Zum Beispiel Mundartsänger Ritschi, der sich in seiner fulminanten Version des Krokus-Hits «Bedside Radio» als kreischender Rocksänger im Stil von Lenny Kravitz präsentierte.

Ganz neue Facetten von sich zeigte Francine Jordi. Wie selbstverständlich wagte sie sich in englische wie spanische Gefilde und machte deutlich, dass in ihr mehr steckt als das Schlagerschätzchen. Kreatives Potenzial hat Steff la Cheffe. Souverän behauptete sich die einstige Beat-Boxerin in dem stimmlich hochkarätigen Umfeld. Kolossal, wie sie Ritschis «Patina» in beinharten Metal und Sevens «Make U Happy» in Jazz verwandelte.

Seinen spanischen und lateinamerikanischen Wurzeln weitgehend treu geblieben ist Loco Escrito. Wie der Shooting Star aber die Songs seiner Kollegen auf seine Art interpretierte, verdient Respekt.

Überhaupt: Wie die sieben Interpreten, unterstützt von einer hochklassigen Band unter der Leitung von Schlagzeuger Massimo Buonanno, mit dem Songmaterial umgingen, wie sie die Originale teilweise auf den Kopf stellten und bis zur Unkennt­lichkeit veränderten. Und vor allem, wie sie sich die Songs aneigneten, vereinnahmten, um sie zu ihren zu ­machen, war klasse. In «Sing meinen Song» zeigten die Interpreten jenen Mut, den man bei Schweizer Musikern allzu oft vermisst. In einer musikalischen Vielfalt und Qualität, die das Pub­likum staunen liess. Wir ­ziehen den Hut.

Am Freitag hat das Finale der Sendung mit Duetten mit einer Auswahl der besten Songs stattgefunden. Dazu ist das Album zur Sendung diese Woche mit Platz 1 der Schweizer Album-Hitparade belohnt worden. Mut lohnt sich also doch.

Autor

Stefan Künzli

Stefan Künzli

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