Bluesfestival Baden
Spritzig, süffig, erdig: Das Finale des Bluesfestivals schmeckt wie ein guter Wein

Eine ganze Woche lang stand das Badener Kulturleben im Zeichen des Blues. Für das würdige Finale des Festival sorgte die 21-jährige, stimmgewaltige Nordländerin Ina Forsman mit einem verblüffenden Auftritt im Nordportal.

Marco Piazzalonga
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Musikalisch reif, und mit viel Entertainer-Qualitäten ausgestattet: Ina Forsman, aus Finnland, 21 Jahre alt.

Musikalisch reif, und mit viel Entertainer-Qualitäten ausgestattet: Ina Forsman, aus Finnland, 21 Jahre alt.

Rolf Jenni Fotograf

Nach dem musikalischen Eröffnungsfeuerwerk von Jon Cleary & The Absolute Monster Gentlemen im Trafo sowie den stimmungsvollen Beizenkonzerten unter der Woche pilgerte die Badener Blues Community für zwei Abende in den Saal des Nordportals, um bestens unterhalten zu werden. Keine Gefangenen – zumindest soundmässig – machte am Freitag gleich zu Beginn der hierzulande bisher noch wenig bekannte Gitarrist Jeff Jensen mit seiner Band.

Geradlinig, schnörkellos, stark in der Bluestradition verhaftet und gleichwohl mit modernen Ansätzen kokettierend, gelang es dem Trio sofort, den Funken auf das Publikum zu übertragen. Jensen, zuerst mit modisch hochgestecktem Haarknoten, bald aber schon mit wild geschüttelter Mähne agierend, zeigte sich dabei als ein mehr als passabler, emotionaler Sänger. Seine Stärke jedoch lag ganz klar an den sechs Saiten.

Auf einer Basis, die sowohl bluesige Einflüsse von Muddy Waters wie auch jazzige von Wes Montgomery umfasste, baute der in der Musik-Hochburg Memphis beheimatete Jensen seine Ausflüge auf dem Griffbrett auf. Dass er dabei in den Arrangements seiner Songs sehr offen blieb, tat der Sache keinen Abbruch. Im Gegenteil, seine beiden Mitstreiter Bill Ruffino am Bass und David Green am Schlagzeug folgten ihrem Leader souverän in jeden musikalischen oder rhythmischen Winkel hinein.

Nach Jensens fulminantem Auftritt musste man sich beinahe um den nachfolgenden JJ Grey sorgen. Doch der routinierte Sänger und Multi-Instrumentalist aus Florida liess nichts anbrennen. Sein Mix aus Blues, Rock, Gospel und viel, viel Soul entpuppte sich als kompakt, innovativ und ungemein mitreissend. Schon nach wenigen Minuten war seine siebenköpfige Truppe, welche in Baden das Eröffnungskonzert ihrer Europa-Tournee bestreiten durfte, auf Betriebstemperatur. Mit einer cleveren Auswahl an Songs seiner letzten Alben, die jederzeit viel Raum für spontane Improvisationen boten, hielt Grey das Spannungsmoment durchweg hoch. Band und Publikum feierten bis weit nach Mitternacht.

Nicht nur die Badener Männerwelt wartete am Samstag gespannt auf den Auftritt Ina Forsmans, der 21-jährigen, stimmgewaltigen Nordländerin mit Schimmerblick. Auch viele bekannte Gesichter aus der Schweizer Bluesszene mischten sich unter die Zuschauer, um der Senkrechtstarterin ihre Ehre zu erweisen. Und sie mussten ihr Kommen wahrlich nicht bereuen.

Würdiger Abschluss

Vom ersten Ton an verblüffte, welch musikalische Reife, welche Entertainer-Qualitäten die blutjunge Finnin schon an den Tag zu legen vermochte. Mit ihren Wurzeln im klassischen Blues und Jazz à la Bessie Smith oder Billie Holiday nahm Ina Forsman die Zuhörer mit auf eine spannende Entdeckungsreise in ihre musikalische Welt. Dabei liess sie unmissverständlich erkennen, dass die Bühne ihr zweites zu Hause ist.

Pudelwohl auf den Brettern des Nordportals fühlten sich auch der Sänger Jon Caraega und der Gitarrist Aitor Canibano. Die beiden charismatischen und expressiven Front-
men der Travellin Brothers brauchten keine zwei Minuten, um den gut gefüllten Saal zum Kochen zu bringen. Ihre auf 16 (!) Musiker aufgestockte Formation bewies nicht nur versiertes handwerkliches Können an den jeweiligen Instrumenten, sie sprühte förmlich vor Spielfreude und überzeugte mit einem Set aus Swing, Blues, Gospel und New Orleans Sound.

Als würdigen Abschluss des Festivals liess es sich die spanische Truppe dann nicht nehmen, sich unter das Publikum zu mischen und zu den Klängen von «Down By The Riverside» und «When The Saints» in echter Marching Band Tradition quer durch die Halle auf den Vorplatz hinaus zu musizieren.