Tatort-Kolumne
Eine Groteske um Nanobots: Der neuste Tatort aus Dresden schaut zu weit in die Zukunft

Das Team aus Dresden ist auf der Jagd nach tödlichen Nanobots, die ein unbekannter Stalker in die Körper seiner Opfer einschleust. Das ist zu viel Science-Fiction für den gediegenen «Tatort» aus der Stadt an der schönen Elbe.

Susanne Holz
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«Tatort» aus Dresden: «Unsichtbar». Sonntag, 17. Oktober 2021, 20.05, SRF 1.

«Tatort» aus Dresden: «Unsichtbar». Sonntag, 17. Oktober 2021, 20.05, SRF 1.

Bild: Das Erste

Die Dresdner nehmen uns diese Woche mit auf eine wilde Reise in die Zukunft der Medizin. Eine zu wilde, die nicht so ganz zum gediegenen «Tatort» aus Dresden passen will. Science-Fiction und das von Kommissar Schnabel (Martin Brambach) liebevoll-autoritär geführte Dresdner Team sind keine sonderlich glaubwürdige Allianz.

Da ist es schade um die schauspielerische Leistung von Karin Hanczewski als Kommissarin Gorniak, die hier von mysteriösen Schmerzen geplagt wird, hervorgerufen durch Nanobots, die der Bösewicht dieser Mordgeschichte in ihren Körper geschleust hat. Nanobots – das sind Kleinstteilchen, die künftig beispielsweise im menschlichen Organismus Krankheitsherde wie Krebszellen beseitigen sollen.

Doch so weit ist die Wissenschaft noch nicht. Und dieser «Tatort» aus Dresden, geschrieben von Michael Comtesse und gedreht von Sebastian Marka, scheint nicht schnell und raffiniert genug, um mit dem hippen Thema Nanobots mitzuhalten.

Zu Tode kommt zu Beginn eine junge Cafébesitzerin, geplagt von Schmerzen und einem Stalker. Kommissarin Gorniak leidet alsbald unter ähnlichen Schmerzen und dem vermutlich gleichen Stalker. Spät wird klar, was den Stalker umtreibt, der so unsichtbar ist wie seine Waffe – besagte Nanobots. Der Filmtitel «Unsichtbar» spielt mit alledem, dem Film selbst geht Verspieltheit ab.

Trotz toller Chemie im Darstellerteam, einem mitunter feinen Witz und einer Kommissarin im Wutraum– im letzten Drittel entgleitet dieser «Tatort» langsam, aber sicher ins Groteske. Die Handlung flüchtet sich in Drogen, Feuer und tief verletzte Gefühle. Die Dresdner hätten ein besseres Drehbuch verdient.

«Tatort» aus Dresden: «Unsichtbar». Sonntag, 17. Oktober 2021, 20.05, SRF 1. Wir geben zwei von fünf Sternen.

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