Tatort-Kolumne
Geschafft! Wieso wir nach der NDR-Tatort-Trilogie auch froh sind, dass sie vorbei ist

Im letzten Teil der NDR «Tatort»-Trilogie zum «Stillen Gast» gibt es kein Entkommen mehr für den psychisch gequälten Serienmörder Kai Korthals. Doch obwohl Lars Eidinger wieder einmal seine ganze Genialität als Schauspieler in die Waagschale wirft, ist die Folge nicht der ultimativ grosse Wurf.

Susanne Holz
Susanne Holz
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«Borowski und der gute Mensch». 3. Teil der NDR «Tatort»-Trilogie zum «Stillen Gast». Sonntag, 3. Oktober 2021, 20.05, SRF 1.

«Borowski und der gute Mensch». 3. Teil der NDR «Tatort»-Trilogie zum «Stillen Gast». Sonntag, 3. Oktober 2021, 20.05, SRF 1.

Bild: Das Erste

Kai Korthals zum Dritten. Nun also der letzte Teil der NDR-«Tatort»-Trilogie mit Ausnahmeschauspieler Lars Eidinger als «stiller Gast» und psychisch gequälter Serienmörder. Mit diesem dritten Teil geht es einem persönlich ein bisschen wie mit der Geburt des dritten Kindes, die man vor etlichen Jahren erlebt hat.

Hatte man bei der Geburt des ersten Kindes noch gedacht: Wie aufregend! Und bei der Geburt des zweiten Kindes: Vielleicht wird diesmal alles ja ganz anders sein... So wusste man bei der Geburt von Baby Nummer drei mehr als genau, was kommt. Und dachte exakt eines: Lieber Gott, gib mir die Kraft, auch noch dieses Kind auf die Welt zu bringen.

Bei «Borowski und der gute Mensch» denkt man sich nun: Lieber Gott, gib mir die Kraft, zum dritten Mal dem unbestritten sensationell spielenden Lars Eidinger dabei zuzuschauen, wie er als Kai Korthals und Opfer grosser Seelenqual die Zahnbürsten seiner weiblichen Opfer in den Mund steckt, bevor er sie tötet. Denn man weiss im Voraus: Es wird wehtun.

Um es kurz zu machen: Lars Eidinger ist erneut eine Wucht. Auch Sabine Timoteo als blinde Telefonseelsorgerin und liebende Frau, die die Seele des Serienmörders retten will, ist extrem gut in ihrer Rolle. Axel Milberg verbindet als Kommissar Borowski eine Hassliebe und eine Schicksalsgemeinschaft mit dem Serienmörder – seit dem ersten Teil 2012, gefolgt vom zweiten 2015. Sein Spiel ist – wie zu erwarten – so intim wie konturiert.

Almila Bagriacik als Kommissarin Mila Sahin überzeugt mit Präsenz und Charisma. Das Buch von Sascha Arango startet glücklich mit Schillers «Räubern». Dennoch: Es ist keine Folge, die einen umhaut – mit gänzlich neuem Wind. Und man ist sehr froh, als es geschafft ist.

«Borowski und der gute Mensch». 3. Teil der NDR «Tatort»-Trilogie zum «Stillen Gast». Sonntag, 3. Oktober 2021, 20.05, SRF 1. Wir geben vier von fünf Sternen.

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